Tachykardie

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Tachykardie

Tachykardie
Synonyme Tachyarrhythmie
EKG mit Sinustachykardie mit einer Rate von ca. 100 Schlägen pro Minute
Aussprache
Spezialität Kardiologie
Tachykardie, auch Tachyarrhythmie genannt, ist eine Herzfrequenz, die die normale Ruhefrequenz übersteigt. Im Allgemeinen wird eine Ruheherzfrequenz von über 100 Schlägen pro Minute als Tachykardie bei Erwachsenen akzeptiert. Herzfrequenzen über der Ruhefrequenz können normal (z.B. bei Bewegung) oder abnormal (z.B. bei elektrischen Problemen im Herzen) sein.

Ursachen

Einige Ursachen für Tachykardie sind:
  • Adrenergischer Sturm
  • Alkohol
  • Amphetamin
  • Anämie
  • Antiarrhythmische Mittel
  • Angst
  • Vorhofflimmern
  • Vorhofflattern
  • Atriale Tachykardie
  • AV-Knoten-Rezidiv-Tachykardie
  • Brugada-Syndrom
  • Koffein
  • Cannabis (Droge)
  • Kokain
  • Dysautonomie
  • Übung
  • Angst
  • Fieber
  • Hypoglykämie
  • Hypovolämie
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Hyperventilation
  • Infektion
  • Junktionale Tachykardie
  • Methamphetamin
  • Multifokale atriale Tachykardie
  • Nikotin
  • Herzschrittmacher vermittelt
  • Schmerz
  • Phäochromozytom
  • Sinus-Tachykardie
  • Tricyclische Antidepressiva
  • Wolff-Parkinson-White-Syndrom

Diagnose

Die obere Schwelle einer normalen menschlichen Ruheherzfrequenz richtet sich nach dem Alter. Die Cutoff-Werte für Tachykardie in verschiedenen Altersgruppen sind relativ gut standardisiert; typische Cutoff-Werte sind unten aufgeführt:
  • 1-2 Tage Tachykardie > 159 Schläge pro Minute (bpm)
  • 3-6 Tage: Tachykardie >166 bpm
  • 1-3 Wochen Tachykardie >182 bpm
  • 1-2 Monate Tachykardie >179 bpm
  • 3-5 Monate: Tachykardie >186 bpm
  • 6-11 Monate: Tachykardie >169 bpm
  • 1-2 Jahre Tachykardie >151 bpm
  • 3-4 Jahre: Tachykardie >137 bpm
  • 5-7 Jahre: Tachykardie >133 bpm
  • 8-11 Jahre: Tachykardie >130 bpm
  • 12-15 Jahre: Tachykardie >119 bpm
  • 15 Jahre - Erwachsene: Tachykardie >100 bpm
Die Herzfrequenz wird im Kontext des vorherrschenden Krankheitsbildes betrachtet. Zum Beispiel: bei Sepsis werden >90 bpm als Tachykardie angesehen. Wenn das Herz übermäßig oder schnell schlägt, pumpt das Herz weniger effizient und liefert weniger Blutfluss zum Rest des Körpers, einschließlich des Herzens selbst. Die erhöhte Herzfrequenz führt auch zu einem erhöhten Arbeits- und Sauerstoffbedarf des Herzens, was zu einer ratenbedingten Ischämie führen kann. Die relative Tachykardie ist mit einem stärkeren Anstieg der Rate verbunden, als bei einem bestimmten Krankheitszustand zu erwarten wäre.

Differentialdiagnose

Ein Elektrokardiogramm (EKG) klassifiziert die Art der Tachykardie. Sie lassen sich nach dem QRS-Komplex in einen schmalen und einen breiten Komplex einteilen. Präsentiert Reihenfolge der meisten bis am wenigsten verbreitet sind, sind sie:
  • Schmaler Komplex
    • Sinustachykardie, die vom sino-atrialen (SA) Knoten in der Nähe der Basis der oberen Hohlvene ausgeht.
    • Vorhofflimmern
    • Vorhofflattern
    • AV-Knoten-Rezidiv-Tachykardie
    • Zubehörweg vermittelte Tachykardie
    • Atriale Tachykardie
    • Multifokale atriale Tachykardie
    • Junktionale Tachykardie
  • Breiter Komplex
    • Ventrikuläre Tachykardie, jede Tachykardie, die ihren Ursprung in den Ventrikeln hat.
    • Jede enge komplexe Tachykardie kombiniert mit einem Problem mit dem Leitungssystem des Herzens, oft als "supraventrikuläre Tachykardie mit Aberranz" bezeichnet.
    • Eine enge komplexe Tachykardie mit akzessorischem Leitungsweg, oft als "supraventrikuläre Tachykardie mit Vorerregung" bezeichnet (z.B. Wolff-Parkinson-White-Syndrom).
    • Herzschrittmacher-gesteuerte oder Schrittmacher-vermittelte Tachykardie
Tachykardien können entweder als enge komplexe Tachykardien (supraventrikuläre Tachykardien) oder als breite komplexe Tachykardien klassifiziert werden. Schmal und breit bezieht sich auf die Breite des QRS-Komplexes auf dem EKG. Schmale komplexe Tachykardien haben ihren Ursprung in den Vorhöfen, während breite komplexe Tachykardien ihren Ursprung in den Ventrikeln haben. Tachykardien können weiter als regelmäßig oder unregelmäßig klassifiziert werden.

Sinus

Der Körper verfügt über mehrere Rückkopplungsmechanismen, um einen ausreichenden Blutfluss und Blutdruck aufrechtzuerhalten. Wenn der Blutdruck sinkt, schlägt das Herz schneller und versucht, ihn zu erhöhen. Das nennt man Reflextachykardie. Dies kann als Reaktion auf eine Abnahme des Blutvolumens (durch Austrocknung oder Blutung) oder eine unerwartete Veränderung des Blutflusses geschehen. Die häufigste Ursache ist die orthostatische Hypotonie (auch Haltungshypotonie genannt). Fieber, Hyperventilation, Durchfall und schwere Infektionen können ebenfalls zu Tachykardie führen, was in erster Linie auf einen erhöhten Stoffwechselbedarf zurückzuführen ist. Eine Erhöhung der Stimulation des sympathischen Nervensystems bewirkt eine Erhöhung der Herzfrequenz, sowohl durch die direkte Wirkung der sympathischen Nervenfasern auf das Herz als auch durch die Freisetzung von Hormonen wie Adrenalin (Adrenalin), die eine ähnliche Wirkung haben. Erhöhte sympathische Stimulation ist in der Regel auf physischen oder psychischen Stress zurückzuführen. Dies ist die Grundlage für die so genannte Kampf-oder-Flug-Reaktion, aber auch Stimulanzien wie Ephedrin, Amphetamine oder Kokain können eine solche Stimulation auslösen. Bestimmte endokrine Störungen wie das Phäochromozytom können ebenfalls eine Adrenalinfreisetzung verursachen und zu einer Tachykardie unabhängig von der Stimulation des Nervensystems führen. Hyperthyreose kann auch Tachykardie verursachen. Die Obergrenze der normalen Rate für Sinustachykardie wird auf 220 bpm minus Alter geschätzt.

Ventrikel

Ventrikuläre Tachykardie (VT oder V-Tachykardie) ist eine potenziell lebensbedrohliche Herzrhythmusstörung, die ihren Ursprung in den Ventrikeln hat. Es handelt sich in der Regel um eine regelmäßige, komplexe Tachykardie mit einer Rate zwischen 120 und 250 Schlägen pro Minute. Beide Rhythmen dauern normalerweise nur wenige Sekunden bis Minuten (paroxysmale Tachykardie), aber wenn die VT anhält, ist sie extrem gefährlich und führt oft zu Kammerflimmern.

Supraventrikuläres

Dies ist eine Art von Tachykardie, die von oberhalb der Herzkammern, wie z.B. den Vorhöfen, ausgeht. Es wird manchmal als paroxysmale atriale Tachykardie (PAT) bezeichnet. Mehrere Arten von supraventrikulären Tachykardien sind bekannt.
Vorhofflimmern
Vorhofflimmern ist eine der häufigsten Herzrhythmusstörungen. Im Allgemeinen ist es ein unregelmäßiger, enger, komplexer Rhythmus. Es kann jedoch breite QRS-Komplexe auf dem EKG anzeigen, wenn ein Bündelverzweigungsblock vorhanden ist. Bei hohen Raten kann der QRS-Komplex auch durch das Ashman-Phänomen breit werden. Es kann schwierig sein, die Regelmäßigkeit des Rhythmus zu bestimmen, wenn die Rate 150 Schläge pro Minute übersteigt. Abhängig vom Gesundheitszustand des Patienten und anderen Variablen, wie z.B. Medikamenten zur Ratenkontrolle, kann Vorhofflimmern Herzfrequenzen von 50 bis 250 Schlägen pro Minute verursachen (oder sogar noch höher, wenn ein akzessorischer Pfad vorhanden ist). Neu auftretendes Vorhofflimmern neigt jedoch zu Raten zwischen 100 und 150 Schlägen pro Minute.
AV nodal reentrante Tachykardie
AV nodal reentrant tachycardia (AVNRT) ist die häufigste reentrant tachycardia. Es handelt sich um eine regelmäßige, enge, komplexe Tachykardie, die normalerweise gut auf das Valsalva-Manöver oder das Medikament Adenosin anspricht. Allerdings erfordern instabile Patienten manchmal eine synchronisierte Kardioversion. Die definitive Versorgung kann eine Katheterablation beinhalten.
AV-reentrierende Tachykardie
Die AV-reentrante Tachykardie (AVRT) erfordert für ihre Aufrechterhaltung einen zusätzlichen Weg. AVRT kann eine orthodromische Leitung (wobei der Impuls den AV-Knoten zu den Ventrikeln hinunter und über den akzessorischen Weg zurück in die Vorhöfe führt) oder eine antidromische Leitung (wobei der Impuls den akzessorischen Weg hinunter und über den AV-Knoten zurück in die Vorhöfe führt) beinhalten. Orthodromische Leitung führt in der Regel zu einer engen komplexen Tachykardie, und antidromische Leitung führt in der Regel zu einer breiten komplexen Tachykardie, die häufig eine ventrikuläre Tachykardie nachahmt. Die meisten Antiarrhythmika sind bei der Notfallbehandlung von AVRT kontraindiziert, da sie paradoxerweise die Leitfähigkeit über den akzessorischen Weg erhöhen können.
Junktionale Tachykardie
Die Junktionale Tachykardie ist eine automatische Tachykardie, die ihren Ursprung im AV-Übergang hat. Es handelt sich um eine regelmäßige, enge, komplexe Tachykardie und kann ein Zeichen von Digitalis-Toxizität sein.

Behandlung

Das Management der Tachykardie hängt von ihrem Typ ab (breiter Komplex versus enger Komplex), ob die Person stabil oder instabil ist und ob die Instabilität auf die Tachykardie zurückzuführen ist. Instabil bedeutet, dass entweder wichtige Organfunktionen beeinträchtigt werden oder ein Herzstillstand bevorsteht.

Instabil

Bei denjenigen, die mit einer engen komplexen Tachykardie instabil sind, kann intravenöses Adenosin versucht werden. In allen anderen Fällen wird eine sofortige Kardioversion empfohlen.

Terminologie

Das Wort Tachykardie kam aus dem Neulateinischen ins Englische als neoklassische Verbindung aus den Kombinationsformen tachy- + -cardia, die aus dem Griechischen ταχύς tachys, "quick, rapid" und καρδία, kardia, "heart" stammen. Sowohl in der medizinischen Literatur als auch in der natürlichen Sprache werden die Wörter Tachykardie und Tachyarrhythmie in der Regel austauschbar oder lose genug verwendet, dass eine genaue Unterscheidung nicht explizit ist. Einige vorsichtige Autoren haben versucht, eine logische Unterscheidung zwischen ihnen aufrechtzuerhalten, was sich in den wichtigsten medizinischen Wörterbüchern und den wichtigsten allgemeinen Wörterbüchern widerspiegelt. Der Unterschied besteht darin, dass die Tachykardie für die schnelle Herzfrequenz selbst reserviert ist, unabhängig von der Ursache, physiologisch oder pathologisch (d.h. von der gesunden Reaktion auf Bewegung oder von Herzrhythmusstörungen), und dass die Tachyarrhythmie für die pathologische Form (d.h. eine Arrhythmie vom Typ der schnellen Herzfrequenz) reserviert ist. Aus diesem Grund geben fünf der oben genannten Wörterbücher keine Querverweise ein, die Synonymie zwischen ihren Einträgen für die beiden Wörter angeben (so wie sie es an anderer Stelle tun, wenn Synonymie gemeint ist), und es ist der Grund, warum eines von ihnen ausdrücklich angibt, dass die beiden Wörter nicht verwechselt werden dürfen. Aber das Rezept wird wahrscheinlich nie erfolgreich auf den allgemeinen Gebrauch angewandt werden, nicht nur, weil ein Großteil der vorhandenen medizinischen Literatur es ignoriert, selbst wenn die Wörter allein stehen, sondern auch, weil die Begriffe für bestimmte Arten von Arrhythmie (Standardkollokationen von Adjektiven und Substantiven) idiomatisch tief mit der Tachykardie-Version als der gebräuchlicheren Version etabliert sind. So wird SVT mehr als doppelt so oft als supraventrikuläre Tachyarrhythmie bezeichnet; außerdem sind diese beiden Begriffe immer völlig gleichbedeutend - in der natürlichen Sprache gibt es keinen Begriff wie "gesunde/physiologische supraventrikuläre Tachykardie". Die gleichen Themen gelten auch für AVRT und AVNRT. So ist dieses Paar ein Beispiel dafür, dass ein bestimmtes Rezept (das vielleicht 50 oder 100 Jahre früher haltbar war) nicht mehr ohne Verletzung des Idioms durchgesetzt werden kann. Aber die Fähigkeit, idiomatisch zu differenzieren, geht nicht verloren, denn wenn die Spezifizierung der physiologischen Tachykardie erforderlich ist, wird sie durch diese Phrase treffend vermittelt.

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