Syndrom

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Verwendung

Allgemeine Medizin

In der Medizin wird eine weite Definition des Syndroms verwendet, die eine Sammlung von Symptomen und Befunden beschreibt, ohne sie notwendigerweise an eine einzige identifizierbare Pathogenese zu binden. Die spezifischere Definition, die in der medizinischen Genetik verwendet wird, beschreibt eine Teilmenge aller medizinischen Syndrome.

Psychiatrie und Psychopathologie

Psychiatrische Syndrome, die oft als psychopathologische Syndrome bezeichnet werden (Psychopathologie ist eine psychische Dysfunktion, die bei psychischen Störungen auftritt, sowie die Untersuchung der Entstehung, Diagnose, Entwicklung und Behandlung von psychischen Störungen). In Russland werden diese psychopathologischen Syndrome in der modernen klinischen Praxis verwendet und in der psychiatrischen Literatur ausführlich beschrieben: asthenisches Syndrom, obsessives Syndrom, emotionale Syndrome (z.B. manisches Syndrom, depressives Syndrom), Cotard-Syndrom, katatonisches Syndrom, hebephrenes Syndrom, wahnhafte und halluzinatorische Syndrome (z.B. paranoides Syndrom, paranoid-halluzinatorisches Syndrom, Kandinsky-Clérambault-Syndrom, auch bekannt als Syndrom des psychischen Automatismus, Halluzinose), paraphrenes Syndrom, psychopathische Syndrome (umfasst alle Persönlichkeitsstörungen), Bewusstseinstrübungen (z.B. Dämmerungstrübung des Bewusstseins, Amentialsyndrom, auch Amentia genannt, Deliröses Syndrom, Fassungslosigkeitssyndrom, Oneiroid-Syndrom), Hysterisches Syndrom, Neurotisches Syndrom, Korsakoff-Syndrom, Hypochondrisches Syndrom, Paranoisches Syndrom, Senestopathisches Syndrom, Enzephalopathisches Syndrom. Es gibt einige Beispiele für die psychopathologischen Syndrome, die in Deutschland heute verwendet werden: psychoorganisches Syndrom, depressives Syndrom, paranoid-halluzinatorisches Syndrom, obsessiv-kompulsives Syndrom, autonomes Syndrom, Feindseligkeitssyndrom, manisches Syndrom, Apathie-Syndrom. Auch bekannt sind das Münchausen-Syndrom, das Ganser-Syndrom, das neuroleptisch-induzierte Defizitsyndrom, das olfaktorische Referenzsyndrom.

Geschichte

Die wichtigsten psychopathologischen Syndrome wurden vom deutschen Psychiater Emil Kraepelin (1856-1926) nach Schweregrad in drei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe, zu der auch die leichten Störungen gehörten, umfasst fünf Syndrome: emotionale, paranoide, hysterische, delirierende und impulsive Syndrome. Die zweite mittlere Gruppe umfasst zwei Syndrome: das schizophrene Syndrom und das sprachlich-halluzinatorische Syndrom. Die dritte Gruppe umfasst die schwersten Störungen. Die dritte Gruppe umfasst drei Syndrome: epileptische, oligophrene und Demenzerkrankungen. Epilepsie wird in der heutigen Zeit als psychische Erkrankung angesehen. Auch Karl Jaspers (1883-1969) gilt die "echte Epilepsie" als eine "Psychose". Er beschreibt "die drei Hauptpsychosen": Schizophrenie, Epilepsie und manisch-depressive Krankheit.

Medizinische Genetik

Auf dem Gebiet der medizinischen Genetik wird der Begriff "Syndrom" traditionell nur dann verwendet, wenn die zugrunde liegende genetische Ursache bekannt ist. So ist die Trisomie 21 allgemein als Down-Syndrom bekannt. Bis 2005 wurde das CHARGE-Syndrom am häufigsten als "CHARGE-Assoziation" bezeichnet. Als das wichtigste ursächliche Gen(CHD7) für die Erkrankung entdeckt wurde, wurde der Name geändert. Der Konsens über die Ursache der VACTERL-Assoziation wurde nicht ermittelt, und daher wird es im Allgemeinen nicht als "Syndrom" bezeichnet.

Andere Felder

In der Biologie wird der Begriff "Syndrom" in einem allgemeineren Sinne verwendet, um charakteristische Merkmalsgruppen in verschiedenen Kontexten zu beschreiben. Beispiele sind Verhaltenssyndrome sowie Bestäubungssyndrome und Samenverbreitungssyndrome.

Benennung von

Es gibt keine einheitliche Konvention für die Benennung neu identifizierter Syndrome. In der Vergangenheit wurden Syndrome oft nach dem Arzt oder Wissenschaftler benannt, der die Erkrankung in einer Erstveröffentlichung identifiziert und beschrieben hat, diese werden als "gleichnamige Syndrome" bezeichnet. In einigen Fällen werden Krankheiten nach dem Patienten, der anfänglich Symptome zeigt, oder nach seinem Heimatort benannt (Stockholm-Syndrom). Es hat vereinzelt Fälle gegeben, in denen Patienten begierig waren, ihre Syndrome nach ihnen benennen zu lassen, während ihre Ärzte zögerten. Wenn ein Syndrom nach einer Person benannt wird, gibt es einige Meinungsverschiedenheiten darüber, ob es die besitzergreifende Form annehmen soll oder nicht (Down-Syndrom vs. Down-Syndrom). Der nordamerikanische Sprachgebrauch hat dazu tendiert, die nicht-possessive Form zu bevorzugen, während in europäischen Verweisen häufig die possessive Form verwendet wird. Sogar in Europa gab es im Zeitraum zwischen 1970 und 2008 einen Trend weg von der possessiven Form.

Geschichte

Avicenna (980-1037) leistete in The Canon of Medicine Pionierarbeit für die Idee eines Syndroms bei der Diagnose bestimmter Krankheiten. Das Konzept des medizinischen Syndroms wurde im 17. Jahrhundert von Thomas Sydenham weiterentwickelt.

Grundlegende Ursache

Selbst bei Syndromen ohne bekannte Ätiologie führt das Vorhandensein der assoziierten Symptome mit einer statistisch unwahrscheinlichen Korrelation normalerweise zu der Hypothese, dass es für alle beschriebenen Symptome eine unbekannte zugrunde liegende Ursache gibt.

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