Burnout- Syndrom

(Depressives Erschöpfungssyndrom)

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Definition

Burnout kommt aus dem Englischen und bedeutet "ausbrennen". Es gibt keine einheitliche Definition von Burnout, jedoch ist damit häufig der Zustand von starker emotionalen und körperlichen Erschöpfung gemeint. Es bezeichnet die Erschöpfung und Überforderung einer Person, meistens ausgelöst durch berufliche Bedingungen.

Es wird angenommen, dass ein beruflicher Burnout auf langfristigen, unlösbaren Stress am Arbeitsplatz zurückzuführen ist. 1974 veröffentlichte Herbert Freudenberger als erster Forscher in einer psychologischen Fachzeitschrift eine Arbeit mit dem Begriff Burnout. Das Papier basierte auf seinen Beobachtungen der freiwilligen Mitarbeiter (einschließlich seiner selbst) in einer freien Klinik für Drogenabhängige.

Er charakterisiert Burnout durch eine Reihe von Symptomen, die sowohl Erschöpfung durch Überforderung der Arbeit als auch körperliche Symptome wie Kopfschmerzen und Schlaflosigkeit, "Schnelligkeit zur Wut" und geschlossenes Denken umfassen. Nach der Veröffentlichung der Originalarbeit von Freudenberger wuchs das Interesse an beruflichem Burnout. Da der Begriff "ausgebrannt" Teil des Titels eines 1961 erschienenen Graham Greene Romans A Burnt-Out Case war, der sich mit einem Arzt befasste, der im Belgisch-Kongo mit Leprapatienten arbeitete, könnte dieser Begriff außerhalb der psychologischen Literatur verwendet worden sein, bevor Freudenberger ihn einsetzte. Um Burnout zu studieren, entwickelten einige Forscher gezieltere Konzeptualisierungen von Burnout.

In einer Konzeptualisierung ist der berufsbedingte Burnout gekennzeichnet durch emotionale Erschöpfung, Depersonalisierung (zynische Behandlung von Klienten/Studenten und Kollegen) und reduzierte Gefühle berufsbedingter persönlicher Leistung. In einer anderen Konzeptualisierung wird angenommen, dass Burnout emotionale Erschöpfung, körperliche Ermüdung und kognitive Müdigkeit umfasst. Eine dritte Konzeptualisierung besagt, dass Burnout aus Erschöpfung und Loslösung besteht. Der Kern der drei Konzeptualisierungen, wie auch der von Freudenberger, ist die Erschöpfung. Lange Zeit auf diese Dimensionen beschränkt, ist bekannt, dass Burn-out die gesamte Bandbreite depressiver Symptome (z.B. schlechte Laune, kognitive Veränderungen, Schlafstörungen) umfasst. Ursprünglich konzentrierten sich Maslach und ihre Kollegen auf Burn-out in menschlichen Dienstleistungsberufen (z.B. Lehrer, Sozialarbeiter). Später erweiterte sie die Anwendung von Burnout auf Menschen in vielen anderen Berufen.

Mögliche Symptome

  • Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung: Die Betroffenen haben den Eindruck, dass sie ihre täglichen Aufgaben nicht mehr bewältigen können, fühlen sich überfordert und müde. Sie haben das Bedürfnis nach immer mehr Ruhepausen. Doch die Erholung hält nicht mehr so lange an wie gewohnt. Vielen fällt es immer schwerer, nach der Arbeit "abzuschalten".
  • Nachlassende Leistungsfähigkeit: Die Arbeit gelingt nicht mehr. Es kommt zu Konzentrationsstörungen und Nervosität. Entscheidungen fallen schwer. Fehler passieren. Die erhofften Erfolgserlebnisse bleiben aus. ​​​​​​​Rückzug: Viele Burn-out-Betroffene igeln sich immer mehr ein. 
  • Innere Leere, Sinnverlust: Die Freude am Alltag geht immer mehr verloren. Nichts macht mehr Spaß, alles ist anstrengend. 

Diagnose: Ein Gespräch als Grundlage

Um die Diagnose Burn-out festzustellen gibt es keine Tests oder speziellen Untersuchungsmethoden. In jedem Fall sollten körperliche Ursachen für den Gefühlszustand ausgeschlossen werden. So kann ständige Müdigkeit etwa durch eine Schilddrüsenunterfunktion ausgelöst werden und sich ebenfalls niederdrückend auf die Stimmung des Betroffenen auswirken. Ebenfalls ist eine klare Trennung zu psychischen Krankheiten nicht möglich und es handelt sich eher um eine Beschreibung der Gefühlswelt, die aus der Sicht des Betroffenen dargestellt wird.

1981 entwickelten Christina Maslach und Susan Jackson das erste weit verbreitete Instrument zur Beurteilung von Burnout, das Maslach Burnout Inventory (MBI). In Übereinstimmung mit Maslachs Konzeptualisierung operationalisiert der MBI Burnout als dreidimensionales Syndrom aus emotionaler Erschöpfung, Depersonalisierung und reduzierter persönlicher Leistung. Andere Forscher haben argumentiert, dass Burnout auf Müdigkeit und Erschöpfung beschränkt sein sollte. Eine wachsende Zahl von Beweisen deutet darauf hin, dass Burnout ätiologisch, klinisch und nosologisch der Depression ähnlich ist. In einer Studie, die depressive Symptome bei ausgebrannten Arbeitern und klinisch depressiven Patienten direkt verglich, wurden keine diagnostisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gefunden; ausgebrannte Arbeiter berichteten über ebenso viele depressive Symptome wie klinisch depressive Patienten. Eine Studie von Bianchi, Schonfeld und Laurent (2014) zeigte zudem, dass etwa 90 % der Arbeitnehmer mit ausgewachsenem Burnout diagnostische Kriterien für Depressionen erfüllen. Die Ansicht, dass Burnout eine Form der Depression ist, hat in mehreren aktuellen Studien Unterstützung gefunden.

Risikofaktoren

Es gibt Hinweise darauf, dass die Ätiologie des Burnout multifaktoriell ist, wobei Dispositionsfaktoren eine wichtige, lange übersehene Rolle spielen. Auch kognitive Dispositionsfaktoren, die an Depressionen beteiligt sind, sind in Burnout verwickelt. Eine Ursache für Burnout sind Stressoren, die ein Mensch nicht vollständig bewältigen kann. Ein berufsbedingter Burnout entwickelt sich oft langsam und kann erst dann erkannt werden, wenn er schwerwiegend geworden ist. Wenn sich die Erwartungen an einen Job und seine Realität unterscheiden, kann der Burnout beginnen.

Burnout wird oft durch ein Missverhältnis zwischen der Art der Arbeit und der Persönlichkeit ausgelöst. Ein häufiges Indiz für dieses Missverhältnis ist die Arbeitsüberlastung. Überlastung kann im Rahmen von Downsizing auftreten, das die Ziele eines Unternehmens oft nicht einschränkt, sondern weniger Mitarbeiter benötigt, um diese Ziele zu erreichen. Die physischen und psychischen Arbeitsanforderungen sind gleichzeitig mit der Erschöpfung verbunden. Oft sind auch persönliche Aspekte des Betroffenen ausschlaggebend für Burnout, denn in vielen Fällen handelt es sich um Menschen, die hohe Ansprüche an sich selbst haben und nach Perfektionismus streben, gleichzeitig besitzen sie jedoch ein schwaches Selbstwertgefühl. Diese Personen können nicht mit Kränkungen, Konflikten und Entäuschungen umgehen. 

Risikofaktoren für Burnout:

  • unerfüllbare Vorgaben
  • unklare Erfolgskriterien
  • große Verantwortung unter Zeitdruck
  • langweilige Routinen
  • mangelnde Kontroll- und Einflussmöglichkeiten
  • ständige Unterbrechungen des Arbeitsablaufes
  • schlechtes Betriebsklima, Konflikte mit Vorgesetzten und Kollegen
  • Angst um den Arbeitsplatz
  • Missverhältnis in der Arbeitsbelastung
  • Mangel an angemessenen Anerkennung
  • Verlust des Gefühls der positiven Verbindung mit anderen am Arbeitsplatz
  • Mangel an Fairness und Konflikt 

Körperliche Auswirkungen

Einige Untersuchungen deuten darauf hin, dass Burnout mit verminderter Arbeitsleistung, koronarer Herzkrankheit und psychischen Gesundheitsproblemen verbunden ist (obwohl die oben genannten Untersuchungen darauf hinweisen, dass es sich um ein depressives Syndrom handelt, z.B. Ahola et al., 2005). Chronischer Burnout ist auch mit kognitiven Beeinträchtigungen wie Gedächtnis und Aufmerksamkeit verbunden. Beruflicher Burnout ist auch mit Abwesenheiten, Arbeitsausfall und Kündigungsgedanken verbunden.

Behandlung und Prävention

Auf der individuellen Ebene

Es ist schwierig, die drei Symptome Erschöpfung, Zynismus und Unwirksamkeit zu behandeln, da sie auf die gleichen Präventiv- oder Behandlungsmaßnahmen unterschiedlich reagieren. Erschöpfung ist leichter zu behandeln als Zynismus und berufliche Unwirksamkeit, die in der Regel resistenter gegen Behandlung sind.

Untersuchungen zeigen, dass eine Intervention die berufliche Wirksamkeit eines Menschen, der ursprünglich eine geringe berufliche Wirksamkeit hatte, tatsächlich verschlechtern kann. Zur Vermeidung von Burnout am Arbeitsplatz haben sich verschiedene Stressbewältigungsmaßnahmen bewährt, die dazu beitragen, die Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeiter am Arbeitsplatz zu verbessern und das Stressniveau zu senken.

Die Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit Stress am Arbeitsplatz hat sich auch bei der Prävention von Burnout bewährt. Eine Studie deutet darauf hin, dass sozial-kognitive Prozesse wie Arbeitsengagement, Selbstwirksamkeit, gelehrter Einfallsreichtum und Hoffnung den Einzelnen davon abhalten können, einen beruflichen Burnout zu erleben. Eine weitere Maßnahme zur Bekämpfung von Erschöpfung und Zynismus am Arbeitsplatz ist die verstärkte Arbeitsplatzkontrolle.

Burnout-Präventionsprogramme konzentrieren sich traditionell auf kognitive Verhaltenstherapie (KVT), kognitive Restrukturierung, didaktisches Stressmanagement und Entspannung. KVT, Entspannungstechniken (einschließlich körperlicher Techniken und mentaler Techniken) und Planänderungen sind die am besten unterstützten Techniken, um Burnout in einem gesundheitsspezifischen Umfeld zu reduzieren und zu verhindern. Die Kombination von Aktivitäten auf organisatorischer und individueller Ebene kann der vorteilhafteste Ansatz sein, um die Symptome zu reduzieren. Ein Cochrane-Review berichtete, dass die Evidenz für die Wirksamkeit von KVT im Gesundheitswesen von geringer Qualität ist, was darauf hindeutet, dass sie nicht besser ist als alternative Interventionen. Die Mitarbeiterrehabilitation ist eine tertiäre präventive Intervention, d.h. die in der Rehabilitation eingesetzten Strategien sollen sowohl Burnout-Symptome lindern als auch verhindern.

Diese Rehabilitation der arbeitenden Bevölkerung umfasst multidisziplinäre Aktivitäten mit dem Ziel, die Arbeitsfähigkeit der Arbeitnehmer zu erhalten und zu verbessern und das Angebot an qualifizierten und leistungsfähigen Arbeitskräften in der Gesellschaft sicherzustellen. Weitere Präventionsmethoden sind: Den Tag mit einem entspannenden Ritual beginnen; gesunde Ess-, Bewegungs- und Schlafgewohnheiten übernehmen; Grenzen setzen; Pausen von der Technik nehmen; die eigene kreative Seite nähren und lernen, mit Stress umzugehen.

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