Frühsommer-Meningoenzephalitis

(FSME)

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Was ist eine FSME?

Bei der Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) handelt es sich um eine Virus-Erkrankung, die fast ausschließlich durch Zecken übertragen wird. Stechen die winzigen Blutsauger zu, können die Erreger an den Wirt weitergegeben werden. Bei der Erkrankung liegt eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute vor, welche durch die Viren ausgelöst wird.

Das FSME-Virus befindet sich hauptsächlich in kleinen Säugetieren, wie zum Beispiel in Mäusen. Durch infizierte Zecken kann es auf den Menschen übertragen werden. Die FSME-Erkrankung kommt überwiegend im Frühjahr und im Sommer vor, kann aber auch vereinzelt im Herbst beobachtet werden.

Gegen FSME gibt es eine Impfung, die nach ärztlicher Rücksprache besonders in bundesweiten Risikogebieten sinnvoll sein kann. Es handelt sich um eine meldepflichtige Erkrankung.

FSME Risikogebiete

In Deutschland zählen bestimmte Regionen zu Risikogebieten der Frühsommer-Meningoenzephalitis. In diesen Gebieten ist eine FSME-Infektion wahrscheinlicher, als in den restlichen Bundesländern. In den Risikogebieten tragen bis zu fünf Prozent der Zecken den Virus in sich. Die Gefahr nach einem Zeckenstich an FSME zu erkranken, liegt nach Schätzungen bei bis zu 1 zu 150. Jeder Dritte, der von einer FSME-Viren-infizierten Zecke gestochen wurde, erkrankt.

In Deutschland ist FSME überwiegend in Bayern, Baden-Württemberg, im Süden Hessens und in Teilen von Rheinland-Pfalz sowie in Thüringen verbreitet. Als Risikogebiete gelten Regionen, in denen vermehrt FSME-Erkrankungen vorkommen, als üblicherweise.

Unter dem folgenden Link finden Sie eine Karte mit den FSME-Risikogebieten in Deutschland: www.rki.de.

Wie wird FSME übertragen?

Zeckenstiche

FSME wird hauptsächlich durch Zeckenstiche übertragen. Somit sind befallene und infizierte Zecken die Überträger der Viren. Sticht eine infizierte Zecke einen Menschen, können die Viren in die Blutbahn gelangen. Jedoch muss nicht jeder Stich einer infizierten Zecke zu einer Ansteckung führen. 

Über Nahrungsmittel 

Sehr selten kann sich der Mensch auch über Nahrungsmittel mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis anstecken. So gelten verunreinigte, nicht pasteurisierte Milch von FSME-Viren-infizierten Ziegen oder Schafen, in Ausnahmefällen sogar von Kühen, als ansteckend.

Wichtig: FSME kann nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden!

Welche Krankheitsanzeichen haben FSME-Erkrankte?

Die Mehrheit der infizierten Menschen hat keine Beschwerden oder die zweite Krankheitsphase bleibt aus. So sind etwa 70 bis 95 % der Infizierten beschwerdefrei. Etwa 30 Prozent der Erkrankten leiden zunächst unter grippeähnlichen Symptomen, nach scheinbarer Verbesserung der Beschwerden tritt einige Tage später erneut Fieber auf.

Bei vielen Patienten heilt die Erkrankung vollständig aus, ohne Schäden davon zu tragen. Dennoch sollte die FSME nicht als Bagatelle abgestempelt und ernst genommen werden.

Krankheitsanzeichen einer FSME- Erkrankung

  • grippeähnliche Beschwerden, wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Beschwerden werden oft als Erkältung fehlgedeutet
  • nach etwa einer Woche kann es zu einer Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns (Meningoenzephalitis) kommen
  • Ebenfalls kann eine Rückenmarksentzündung auftreten 
  • schwere Fälle gehen mit Lähmungen an Armen und Beinen sowie Schluck- und Sprechstörungen einher
  • starke Kopf- und Nackenschmerzen
  • Übelkeit und Bewusstseinsstörungen

Das Virus kann das Gehirn (Enzephalitis), die Hirnhaut (Meningitis) oder beides (Meningoenzephalitis) infizieren. Im Allgemeinen liegt die Sterblichkeit bei 1% bis 2%, wobei die Todesfälle 5 bis 7 Tage nach Beginn der neurologischen Symptome auftreten.

Bei Hunden manifestiert sich die Krankheit auch als neurologische Erkrankung mit Anzeichen von Zittern, Anfällen und Tod. Bei Wiederkäuern sind auch neurologische Erkrankungen vorhanden, und Tiere können sich weigern zu essen, träge erscheinen und auch Atemwegserkrankungen entwickeln.

Was müssen Erkrankte beachten?

Besteht der Verdacht einer FSME sollte der Betroffene umgehend einen Arzt aufsuchen. In der Regel muss der Patient strikte Bettruhe einhalten. Schwere Fälle und Verläufe werden im Krankenhaus behandelt. Bei einer FSME werden ausschließlich die Beschwerden des Patienten behandelt, da es gegen die FSME-Erkrankung keine spezielle Heilung gibt. 

Nach einer überstandenen FSME-Infektion gelten die Patienten in der Regel als immun. Jedoch sollte bei bestehendem Risiko der Immunschutz nach drei bis fünf Jahren durch eine Impfung aufgefrischt werden.

Ursache: Wie wird FSME ausgelöst?

FSME wird durch das Zeckenenzephalitisvirus verursacht, das zur Gattung der Flaviviridae gehört. Es wurde erstmals 1937 isoliert. Es werden drei Virus-Subtypen beschrieben:

  • Europäisches oder westliches Zeckenenzephalitisvirus,
  • sibirisches Zeckenenzephalitisvirus
  • und fernöstliches Zeckenenzephalitisvirus (früher bekannt als russisches Frühlingsenzephalitisvirus).

Russland und Europa berichten jährlich über 5.000 bis 7.000 Fälle von Menschen. Die ehemalige Sowjetunion forschte an durch Zecken übertragenen Krankheiten, einschließlich der FSME-Viren.

Diagnose: Wie wird eine Frühsommer-Meningoenzephalitis festgestellt?

Das FSME-Virus kann in einem seronegativen Stamm oder Subtyp vorhanden sein. In solchen Fällen ist ein Marker für eine FSME-Infektion im Liquor erhöht. Virales Antigen ist in der Regel im Hirngewebe zu finden. Serologische Untersuchungen können auch mit einem ELISA durchgeführt werden.

Prävention und Behandlung

Die Prävention umfasst unspezifische (Zeckenbissprävention, Zeckenkontrolle) und spezifische Prophylaxe in Form einer Impfung. Impfstoffe gegen Zeckenenzephalitis sind sehr wirksam und in vielen endemischen Gebieten und in Reisekliniken erhältlich.

Handelsnamen sind Encepur N und FSME-Immun CC. Die Krankheit ist unheilbar, wenn sie sich einmal manifestiert hat, so dass es keine spezifische medikamentöse Therapie für FSME gibt. Symptomatische Hirnschäden erfordern einen Krankenhausaufenthalt und eine unterstützende Behandlung aufgrund des Schweregrades des Syndroms. Entzündungshemmende Medikamente, wie z.B. Kortikosteroide, können unter bestimmten Umständen für eine symptomatische Linderung in Betracht gezogen werden. Eine Trachealintubation und Unterstützung der Atemwege kann notwendig sein.

Impfung gegen FSME

Menschen, die in einem FSME-Risikogebiet wohnen und sich viel in der Natur aufhalten sollten über eine Impfung nachdenken. Auch Reisende, welche sich in FSME-Risikogebieten befinden, sollten sich vor Reisebeginn von einem Mediziner über eine Impfung aufklären lassen. 

Damit der Impfschutz besteht, sind drei Impfungen notwendig. Nach drei Jahren sollte die Injektion mit dem Impfstoff wiederholt werden. 

Zeckenstiche vermeiden

Neben der Impfung können Menschen sich auch aktiv und situationsabhängig vor Zeckenstichen schützen. So sollten bei häufigem Naturkontakt besonders bei Kindern einiges beachtet werden. Zecken lauern besonders gerne auf hohem Gras, im Wald und in Sträuchern. Aber auch im eigenen Garten können Zecken einen passenden Wirt finden. Im Vorbeigehen klettern die Zecken auf Tier oder Mensch und können Infektionen übertragen.

Tipps gegen Zecken:

  • geschlossene Schuhe
  • helle Kleidung
  • Zeckenschutzspray 
  • keine wilden Tiere z.B. Igel berühren
  • den Körper gründlich nach Zecken absuchen
  • Zecke so schnell wie möglich vorsichtig entfernen
  • die Zecke möglichst nah der Haut im Kopfbereich fassen, vorsichtig herausdrehen

Weltweites Vorkommen von FSME

Die Krankheit tritt am häufigsten in Mittel- und Osteuropa sowie in Nordasien auf. Etwa zehn bis zwölftausend Fälle werden pro Jahr dokumentiert, aber die Raten variieren stark von Region zu Region.

In Österreich hat ein umfangreiches kostenloses Impfprogramm seit den 1960er Jahren die Inzidenz um rund 85% reduziert. In Schweden treten die meisten FSME-Fälle in einem Band auf, das von Stockholm nach Westen verläuft, vor allem in der Nähe von Seen und der nahen Ostseeregion. Dies spiegelt die größere Bevölkerung wider, die in diesen Gebieten an Aktivitäten im Freien teilnimmt.

Obwohl in einigen Regionen Russlands und Sloweniens die Prävalenz der Fälle bis zu 70 Fälle pro 100.000 Menschen pro Jahr betragen kann, ist sie in den meisten Regionen weitaus geringer, und insgesamt wird das Risiko für Europa auf etwa 1 Fall pro 10.000 Menschenmonate Waldaktivität geschätzt. Reisende in endemische Regionen erleben nicht viele Fälle, nur 5 Fälle wurden von US-Reisenden gemeldet, die zwischen 2000 und 2011 aus Eurasien zurückkehren, eine Rate, die so niedrig ist, dass die U.S. Centers for Disease Control and Prevention Impfungen nur für diejenigen empfehlen, die in Gebieten mit hohem Risiko exponiert sind.

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