Zuckerkrankheit

(Diabetes mellitus )

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Was ist Diabetes mellitus?

Bei Diabetes mellitus (DM) handelt es sich um eine chronische Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Bereiche des Körpers auswirkt und durch einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Im Volksmund wird sie auch als Zuckerkrankheit bezeichnet. Je nach Art des Diabetes kann der Körper entweder kein Insulin produzieren (Typ 1) oder es nicht ausreichend nutzen (Typ 2). Insulin ist ein Hormon, ein chemischer Botenstoff, der über das Blut transportiert wird und wichtige Körperfunktionen reguliert. Ohne Insulin kann der Körper aufgenommene Nahrung nicht verwerten.​​​​​​​

Generell ist die Bauchspeicheldrüse für die Produktion dieses wichtigen Hormons zuständig und auch für den Transport in das Blut. Das Insulin sorgt dafür, dass der Zucker in die Köerperzellen transportiert wird und in Energie umgewandelt wird. Aufgenommen wird der Zucker durch die Ernähgung und Getränke. Ohne Insulin kann der Zucker im Blut nicht verwertet werden, weshalb er sich dort staut und ansammelt. Es entsteht eine sehr hohe Zuckerkonzentration im Blut, welche einige Beschwerden auslöst.

Somit können bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) die Zellen die Glukose nicht mehr richtig verwerten. Das liegt daran, dass das Hormon Insulin, das den Zuckerstoffwechsel regelt, fehlt oder nicht richtig wirkt.

Aktuell sind etwa 6,7 Millionen Menschen in Deutschland an Diabetis mellitus erkrankt, schätzungsweise befinden sich darunter ca. zwei Millionen Betroffenen, die noch nichts von ihrer Erkrankung wissen. (Quelle: www.diabetesde.org)

Symptome: Wie äußert sich die Zuckerkrankheit?

Bei Diabetes (mellitus) handelt es sich um eine chronische Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Bereiche des Körpers auswirkt und durch einen dauerhaft erhöhten Blutzuckerspiegel gekennzeichnet ist. Je nach Art des Diabetes kann der Körper entweder kein Insulin produzieren (Typ 1) oder es nicht ausreichend nutzen (Typ 2). Insulin ist ein Hormon, ein chemischer Botenstoff, der über das Blut transportiert wird und wichtige Körperfunktionen reguliert. Ohne Insulin kann der Körper aufgenommene Nahrung nicht verwerten.

Generell ist die Bauchspeicheldrüse für die Produktion dieses wichtigen Hormons zuständig und auch für den Transport in das Blut. Das Insulin sorgt dafür, dass der Zucker in die Köerperzellen transportiert wird und in Energie umgewandelt wird. Aufgenommen wird der Zucker durch die Ernähgung und Getränke. Ohne Insulin kann der Zucker im Blut nicht verwertet werden, weshalb er sich dort staut und ansammelt. Es entsteht eine sehr hohe Zuckerkonzentration im Blut, welche einige Beschwerden auslöst.

Die klassischen Symptome von unbehandeltem Diabetes sind Gewichtsverlust, Polyurie (vermehrtes Wasserlassen), Polydipsie (erhöhter Durst) und Polyphagie (erhöhter Hunger). Die Symptome können sich schnell (Wochen oder Monate) bei Typ 1 DM entwickeln, während sie sich normalerweise viel langsamer entwickeln und bei Typ 2 DM subtil oder nicht vorhanden sein können. Einige andere Zeichen und Symptome können den Beginn von Diabetes markieren, obwohl sie nicht spezifisch für die Krankheit sind.

Zusätzlich zu den oben genannten Symptomen zählt auch verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen, Müdigkeit, langsame Heilung von Schnitten und juckende Haut. Längerer hoher Blutzuckerspiegel kann zu einer Glukoseaufnahme in der Linse des Auges führen, was zu Formänderungen und damit zu Sehstörungen führt. Eine Reihe von Hautausschlägen, die bei Diabetes auftreten können, werden gemeinsam als diabetische Dermadrome bezeichnet.

Diabetische Notfälle: Ursachen & Umgang

Akute Unter- oder Überzuckerungen stellen bei einem Diabetiker eine Notfallsituation dar. Ob und in welchem Umfang sie auftreten, hängt davon ab, wie gut oder schlecht der Stoffwechsel eines Diabetikers eingestellt ist. In beiden Situationen muss sofort reagiert werden!

Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Ursachen für eine Unterzuckerung:

  • Überdosierung von Insulin oder oralen Antidiabetika
  • zu geringe Energiezufuhr
  • zu hoher Energieverbrauch durch starke körperliche Belastung
  • Konsum von Alkohol
  • Erbrechen oder Durchfall
  • zu großer Spritz-Ess-Abstand

Niedriger Blutzucker ist bei Personen mit Typ 1 und Typ 2 üblich. In den meisten Fälle gilt eine Unterzuckerung nicht als medizinischer Notfall, jedoch kommt es auch die Stärke der Symtome und den körperlichen Zustand an.

Symptome einer Unterzuckerung:

  • Schwitzen
  • Zittern
  • Herzklopfen
  • Nervosität
  • Kopfschmerzen
  • Heißhunger
  • Schwindel
  • Konzentrations- und Sehstörungen
  • Störungen der Feinmotorik
  • Verwirrung
  • Verhaltensänderung wie z.B. Aggressivität, Krampfanfälle

Mäßige Hypoglykämie kann leicht mit Trunkenheit verwechselt werden; schnelles Atmen und Schwitzen, kalte, blasse Haut sind charakteristisch für Hypoglykämie, aber nicht zwingend zutreffend. Leichte bis mittelschwere Fälle werden selbst behandelt, indem man etwas mit hohem Zuckergehalt isst oder trinkt.

Schwere Fälle können zu Bewusstlosigkeit führen und müssen mit intravenöser Glukose oder Injektionen mit Glukagon behandelt werden. Menschen (in der Regel mit Typ 1) können auch Episoden von diabetischer Ketoazidose, einer Stoffwechselstörung, die durch Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, den Geruch von Aceton in der Luft, tiefe Atmung, die als Kussmaul-Atmung bekannt ist, und in schweren Fällen ein vermindertes Bewusstsein erfahren.

Eine seltene, aber ebenso schwerwiegende Möglichkeit ist der hyperosmolare hyperglykämische Zustand (der Flüssigkeits- und Elektrolythaushalt des Körpers gerät ins Ungleichgewicht), der bei Typ 2 häufiger vorkommt und hauptsächlich das Ergebnis einer Dehydrierung ist.

Was ist bei einer leichten Unterzuckerung (40-60 mg/dl) zu tun?:

  • Aufnahme von 20 g Kohlenhydraten, z. B. 4 Traubenzuckerplättchen oder 200 ml Cola, Limonade oder Fruchtsaft (keine zuckerreduzierten Produkte!)
  • Wiederholung der Maßnahme, wenn nach 15 Minuten der Blutzucker nicht höher als 50-60 mg/dl angestiegen ist. Um den Blutzucker zu stabilisieren, anschließend eine (kleine) Mahlzeit zu sich nehmen, z. B. Obst, Brot, Joghurt

Sofortmaßnahmen bei schwerer Unterzuckerung (< 40 mg/dl):

​​​​​​​Person ist noch bei Bewusstsein, zeigt aber Symptome einer schweren Unterzuckerung und kann sich nicht mehr selbst helfen, sodass sie auf Fremdhilfe angewiesen ist:

  • Aufnahme von 30 Kohlenhydraten, z. B. 6 Traubenzuckerplättchen
  • Wiederholung der Maßnahme, wenn nach 15 Minuten der Blutzucker nicht höher als 50-60 mg/dl angestiegen ist. Um den Blutzucker zu stabilisieren, anschließend eine (kleine) Mahlzeit zu sich nehmen, z. B. Obst, Brot, Joghurt.
Überzuckerung (Hyperglykämie)

Ist der Eintritt des Traubenzuckers in die Zellen behindert, resultiert eine zu hohe Glukose-Konzentration im Blut (Hyperglykämie). Dabei kann sowohl der so genannte Nüchtern-Blutzucker vor dem Frühstück überhöht sein, wie auch der Anstieg nach dem Essen ein gefährliches Niveau erreichen. Extrem hohe Glukosespiegel können eine schwere Stoffwechselentgleisung auslösen, die unbehandelt in das lebensgefährliche diabetische Koma mündet:

Ein erhöhter Blutzucker kann zu einer stoffwechselbedingte Übersäuerung des Blutes und des Körpers führen, was als diabetische Ketoazidose (tritt überwiegend bei Diabetes Typ 1 auf) sowie das hyperosmolare Dehydratationssyndrom (tritt überwiegend bei Diabetes Typ 2 auf) bezeichnet wird. Beide Formen der Stoffwechselentgleisung können unbehandelt zu einem diabetischen Koma bzw. zu einem hyperosmolaren Koma führen.

Die diabetische Ketoazidose ist gekennzeichnet durch Blutzuckerwerte von über 250 mg/dl. Dem Körper fehlt Insulin, sodass die Körperzellen nicht ausreichend mit Energie versorgt werden können. Das führt dazu, dass der Körper verstärkt Fett zu Fettsäuren abbaut und diese führen schließlich zu einer Übersäuerung des Organismus. Die Fettsäuren werden nicht vollständig abgebaut und lassen sich als Ketonkörper im Urin und Blut nachweisen. Die Ursachen können eine zu geringe Insulin-Dosis oder auch eine Infektionen sein.

Symptome einer Ketoazidose:

  • Verstärktes Wasserlassen und starkes Durstgefühl
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
  • Bauchschmerzen
  • Acetongeruch in der Atemluft (Geruch nach faulem Obst oder Nagellackentferner)
  • Vertiefte Atmung
  • Müdigkeit, Schläfrigkeit, Schwächegefühl
  • Gewichtsverlust

Das hyperosmolare Syndrom entwickelt sich innerhalb von Tagen oder Wochen, wenn über einen längeren Zeitraum zu wenig Wasser aufgenommen wird. Häufig sind ältere Typ 2 Diabetiker davon betroffen sind. Häufige Ursache sind Infektionen oder Fehler in der Insulintherapie. Dabei steigen die Blutzuckerwerte auf über 600 md/dl an und es kommt in Folge zu einem erheblichen Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyten über den Urin. Dies kann man sich regelrecht als ein Austrocknen des Körpers vorstellen. Häufig liegt gleichzeitig eine leichte metabolische Azidose (Übersäuerung) vor.

Symptome eines hyperosmolaren Dehydratationssyndroms:

  • Müdigkeit
  • häufiges Wasserlassen, vermehrter Durst
  • verschwommenes Sehen
  • Wadenkrämpfe
  • Gewichtsverlust
  • Niedriger Blutdruck
  • Schwindel, Sprachstörungen, Schluckstörungen

Sofortmaßnahmen bei Blutzuckerwerten über 250 mg/dl und erhöhten Ketonwerten:

  • Verständigung eines Arztes
  • bei Erbrechen sofortige Aufnahme ins Krankenhaus
  • Insulin spritzen
  • sehr viel trinken
  • Vermeiden körperlicher Anstrengung
  • nicht einschlafen

Auswirkungen auf den Körper

Alle Formen von Diabetes erhöhen das Risiko von Langzeitkomplikationen. Diese entwickeln sich typischerweise nach vielen Jahren (10-20), können aber das erste Symptom bei denen sein, die sonst keine Diagnose erhalten haben. Die wichtigsten Langzeitkomplikationen betreffen die Schädigung der Blutgefäße. Diabetes verdoppelt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und etwa 75% der Todesfälle bei Diabetikern sind auf eine koronare Herzkrankheit zurückzuführen. Andere "makrovaskuläre" Erkrankungen sind Schlaganfall und periphere Arterienerkrankungen. Zu den primären Komplikationen von Diabetes aufgrund von Schäden in kleinen Blutgefäßen gehören Schäden an Augen, Nieren und Nerven. Eine Schädigung der Augen, die so genannte diabetische Retinopathie, wird durch eine Schädigung der Blutgefäße in der Netzhaut des Auges verursacht und kann zu einem allmählichen Sehverlust und Blindheit führen. Diabetes erhöht auch das Risiko für Glaukom, Katarakt und andere Augenprobleme. Es wird empfohlen, dass Diabetiker einmal im Jahr einen Augenarzt aufsuchen. Eine Schädigung der Nieren, die als diabetische Nephropathie bezeichnet wird, kann zu Gewebenarbenbildung, Urinproteinverlust und schließlich zu chronischen Nierenerkrankungen führen, die manchmal eine Dialyse oder Nierentransplantation erfordern.

Die Schädigung der Nerven des Körpers, die so genannte diabetische Neuropathie, ist die häufigste Komplikation des Diabetes. Die Symptome können Taubheit, Kribbeln, Schmerzen und ein verändertes Schmerzempfinden sein, was zu einer Schädigung der Haut führen kann. Diabetesbedingte Fußprobleme (wie z.B. diabetische Fußgeschwüre) können auftreten und sind schwer zu behandeln und erfordern gelegentlich eine Amputation. Zusätzlich verursacht die proximale diabetische Neuropathie eine schmerzhafte Muskelatrophie und Schwäche. Es besteht ein Zusammenhang zwischen kognitivem Defizit und Diabetes. Im Vergleich zu denen ohne Diabetes haben die Betroffenen eine 1,2- bis 1,5-fach höhere Abnahme der kognitiven Funktion. Diabetiker zu sein, besonders wenn sie Insulin nehmen, erhöht das Risiko von Stürzen bei älteren Menschen.

Diabetes-Typen: Ursachen, Vorkommen & Ablauf

EigenschaftTyp-1-DiabetesTyp-2-Diabetes
BeginnPlötzlichAllmählich
Alter bei BeginnVor allem bei KindernMeistens bei Erwachsenen
KörpergrößeDünn oder normalOft fettleibig
KetoazidoseAllgemeinesSelten
AutoantikörperIn der Regel vorhandenAbwesend
Endogenes InsulinNiedrig oder nicht vorhandenNormal, vermindert
oder erhöht
Konkordanz
eineiige Zwillinge
50%90%
Prävalenz~10%~90%


​Diabetes mellitus wird in vier große Kategorien eingeteilt:

Typ 1, Typ 2, Schwangerschaftsdiabetes und "andere spezifische Typen".

Die "anderen spezifischen Typen" sind eine Sammlung von einigen Dutzend Einzelursachen. Diabetes ist eine variablere Krankheit als zunächst angenommen und die Menschen können unterschiedliche Kombinationen von Diabetes Typen haben.

Der Begriff "Diabetes", ohne Einschränkung, bezieht sich in der Regel auf Diabetes mellitus.

Typ 1 Diabetes mellitus

Grundsätzlich handelt es sich bei Typ-1-Diabetes um eine Autoimmunerkrankung. Bei Betroffenen richtet sich das körpereigene Immunsystem nicht nur gegen krankheitserregende Keime, sondern ebenfalls gegen die insulinproduzierenden Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse. Deshalb verlieren Erkrankte innerhalb kürzester Zeit die Fähigkeit, selbst Insulin herzustellen. Bleibt auch eine externe Zufuhr aus, so kommt es nach kurzer Zeit zum Tod der Betroffenen. Mediziner konnten die Ursache des Typ-1 noch nicht herausfinden. Bisher steht  fest, dass die erste Form dieser Krankheit im Gegensatz zur zweiten Diabetes Form nicht schleichend, sondern plötzlich auftritt. Darüber hinaus machen sich die ersten Symptome in den meisten Fällen bereits während der Kindheit Betroffener bemerkbar. Besonders auffällig ist ebenfalls ein sehr starker Harndrang, der von vermehrtem Durst begleitet wird.

Typ 1 Diabetes mellitus ist gekennzeichnet durch den Verlust der insulinproduzierenden Beta-Zellen der Pankreasinseln, was zu Insulinmangel führt. Dieser Typ kann weiter als immunvermittelt oder idiopathisch eingestuft werden. Der Großteil des Typ-1-Diabetes ist immunvermittelt, wobei ein T-Zell-vermittelter Autoimmunangriff zum Verlust von Betazellen und damit von Insulin führt. Es verursacht etwa 10% der Diabetes mellitus-Fälle in Nordamerika und Europa.

Die meisten Betroffenen sind ansonsten gesund und haben zu Beginn ein gesundes Gewicht. Sensitivität und Reaktionsfähigkeit auf Insulin sind in der Regel normal, vor allem im Frühstadium. Typ 1 Diabetes kann Kinder oder Erwachsene betreffen, wurde aber traditionell als "jugendlicher Diabetes" bezeichnet, da ein Großteil dieser Diabetesfälle bei Kindern auftrat. "Brittle" Diabetes, auch bekannt als instabiler Diabetes oder labiler Diabetes, ist ein Begriff, der traditionell verwendet wurde, um die dramatischen und wiederkehrenden Schwankungen des Glukosespiegels zu beschreiben, die oft ohne ersichtlichen Grund bei insulinabhängigem Diabetes auftreten. Dieser Begriff hat jedoch keine biologische Grundlage und sollte nicht verwendet werden. Dennoch kann Typ-1-Diabetes von unregelmäßigen und unvorhersehbaren hohen Blutzuckerwerten begleitet sein, häufig mit Ketose, manchmal auch mit schweren niedrigen Blutzuckerwerten.

Weitere Komplikationen sind eine gestörte Gegenregulation bei niedrigem Blutzucker, Infektionen, Gastroparese (die zu einer unregelmäßigen Aufnahme von Nahrungskohlenhydraten führt) und Endokrinopathien (z.B. Morbus Addison). Diese Phänomene treten vermutlich nicht häufiger auf als bei 1% bis 2% der Personen mit Typ-1-Diabetes. Typ 1 Diabetes ist teilweise vererbt, mit mehreren Genen, einschließlich bestimmter HLA-Genotypen, von denen bekannt ist, dass sie das Diabetesrisiko beeinflussen. Bei genetisch anfälligen Menschen kann der Ausbruch von Diabetes durch einen oder mehrere Umweltfaktoren wie eine Virusinfektion oder eine Diät ausgelöst werden. Mehrere Viren sind im Spiel, aber bis heute gibt es keine strengen Beweise, die diese Hypothese beim Menschen untermauern. Unter den diätetischen Faktoren deuten Daten darauf hin, dass Gliadin (ein im Gluten enthaltenes Protein) eine Rolle bei der Entwicklung von Typ-1-Diabetes spielen kann, aber der Mechanismus ist nicht vollständig verstanden.  

Typ 2 Diabetes mellitus

Typ 2 zeichnet sich durch eine Insulinresistenz aus, die mit einer relativ reduzierten Insulinsekretion kombiniert werden kann. Die mangelhafte Reaktionsfähigkeit des Körpergewebes auf Insulin wird auf den Insulinrezeptor zurückgeführt. Die spezifischen Mängel sind jedoch nicht bekannt. Diabetes mellitus-Fälle aufgrund eines bekannten Defekts werden gesondert klassifiziert. Typ 2 ist die häufigste Form des Diabetes mellitus.

Im Frühstadium des Typs ist die vorherrschende Anomalie die reduzierte Insulinsensitivität. In diesem Stadium kann ein hoher Blutzuckerspiegel durch eine Vielzahl von Maßnahmen und Medikamenten umgekehrt werden, die die Insulinempfindlichkeit verbessern oder die Glukoseproduktion der Leber reduzieren. Typ 2 Diabetes Mellitus ist in erster Linie auf Lifestyle-Faktoren und Genetik zurückzuführen.

Eine Reihe von Lifestyle-Faktoren sind bekanntlich wichtig für die Entwicklung von Typ 2 DM, einschließlich Fettleibigkeit (definiert durch einen Body-Mass-Index von mehr als 30), mangelnde körperliche Aktivität, schlechte Ernährung, Stress und Verstädterung. Auch eine erbliche Veranlagung kann Ursache für Diabetes- Typ- 2 sein.

Überschüssiges Körperfett ist mit 30% der Fälle chinesischer und japanischer Abstammung, 60-80% der Fälle europäischer und afrikanischer Abstammung und 100% der Pima-Indianer und Pazifikinsulaner assoziiert. Auch diejenigen, die nicht fettleibig sind, haben oft ein hohes Taillen-Hüft-Verhältnis. Diätetische Faktoren beeinflussen auch das Risiko der Entwicklung von Typ 2 DM. Der Verzehr von zuckergesüßten Getränken im Übermaß ist mit einem erhöhten Risiko verbunden. Die Art der Fette in der Ernährung ist ebenfalls wichtig, da gesättigte Fette und Transfette das Risiko erhöhen und mehrfach ungesättigte und einfach ungesättigte Fette das Risiko verringern. Der Verzehr von viel weißem Reis kann auch das Risiko von Diabetes erhöhen. Ein Mangel an körperlicher Aktivität wird als Ursache für 7% der Fälle angesehen.

Schwangerschaftsdiabetes

Der Schwangerschaftsdiabetes wird auch als GestationsdiabetesGestationsdiabetes mellitus (GDM) oder Typ-4-Diabetes bezeichnet und steht für einen hohen Blutzuckerspiegel während der Schwangerschaft. Schwangerschaftsdiabetes wird definiert als eine erstmals in der Schwangerschaft diagnostizierte Glucose-Toleranzstörung.

Der Gestationsdiabetes mellitus (GDM) ähnelt in mehrfacher Hinsicht dem Typ 2 DM, wobei eine Kombination aus relativ ungenügender Insulinsekretion und Reaktionsfähigkeit vorliegt. Sie tritt bei etwa 2-10% aller Schwangerschaften auf und kann sich nach der Geburt verbessern oder verschwinden. Nach der Schwangerschaft haben jedoch etwa 5-10% der Frauen mit Gestationsdiabetes Diabetes mellitus, am häufigsten Typ 2.

Schwangerschaftsdiabetes ist vollständig behandelbar, erfordert aber eine sorgfältige medizinische Überwachung während der gesamten Schwangerschaft. Das Management kann Ernährungsumstellung, Blutzuckermessung und in manchen Fällen auch Insulin erfordern. Obwohl es vorübergehend sein kann, kann unbehandelter Schwangerschaftsdiabetes die Gesundheit des Fötus oder der Mutter schädigen. Zu den Risiken für das Baby gehören Makrosomie (hohes Geburtsgewicht), angeborene Herz- und Zentralnervensystemanomalien sowie Missbildungen der Skelettmuskulatur.

Ein erhöhter Insulinspiegel im Blut eines Fötus kann die Produktion von fetalen Tensiden hemmen und ein Atemnotsyndrom verursachen. Ein hoher Bilirubinspiegel im Blut kann durch die Zerstörung der roten Blutkörperchen entstehen. In schweren Fällen kann es zum perinatalen Tod kommen, meist als Folge einer schlechten Plazentaperfusion aufgrund von Gefäßstörungen. Die Weheninduktion kann bei verminderter Plazentafunktion angezeigt sein. Ein Kaiserschnitt kann durchgeführt werden, wenn eine ausgeprägte fetale Bedrängnis oder ein erhöhtes Verletzungsrisiko im Zusammenhang mit Makrosomie, wie z.B. Schulterdystokien, besteht.

Maturity onset diabetes of the young (MODY): Eine seltene Diabetes mellitus Form

Maturity onset diabetes of the young (MODY) ist eine autosomal dominant vererbte Form des Diabetes, die auf eine von mehreren Einzelgenmutationen zurückzuführen ist, die Defekte in der Insulinproduktion verursachen. Es handelt sich um einen untypischerweise bereits vor dem 25. Lebensjahr auftretenden Diabetes mellitus, welcher klinisch an einen Typ-2-Diabetes ("Altersdiabetes") erinnert. MODY ist deutlich seltener als die drei Haupttypen und beruht auf Mutationen von Genen, die im Glukosestoffwechsel benötigt werden. Ein MODY manifestiert sich bereits in der Kindheit oder Jugend und ist anfangs noch nicht insulinpflichtig. Der Anteil an MODY-Diabetikern unter allen Diabetikern liegt bei 2-5%.

Der Name dieser Krankheit bezieht sich auf frühe Hypothesen über ihre Natur. Da diese Erkrankung auf ein defektes Gen zurückzuführen ist, variiert das Alter bei der Präsentation und der Schweregrad je nach Gendefekt; es gibt also mindestens 13 Subtypen von MODY. Menschen mit MODY können es oft ohne Insulin kontrollieren.

Andere Diabetes Typen

Prädiabetes zeigt einen Zustand an, der auftritt, wenn der Blutzuckerspiegel einer Person höher als normal, aber nicht hoch genug für eine Diagnose vom Typ 2 DM ist. Viele Menschen, die dazu bestimmt sind, Typ 2 DM zu entwickeln, verbringen viele Jahre in einem Zustand des Prädiabetes. Latente Autoimmundiabetes bei Erwachsenen (LADA) ist eine Erkrankung, bei der sich bei Erwachsenen Typ 1 DM entwickelt. Erwachsene mit LADA werden häufig zunächst falsch diagnostiziert, da sie Typ 2 DM haben, basierend auf dem Alter und nicht auf der Ursache.

Einige Fälle von Diabetes werden durch die Geweberezeptoren des Körpers verursacht, die nicht auf Insulin ansprechen (selbst wenn der Insulinspiegel normal ist, was ihn vom Typ 2 Diabetes unterscheidet); diese Form ist sehr ungewöhnlich. Genetische Mutationen (autosomal oder mitochondrial) können zu Funktionsstörungen der Betazellen führen. Auch anormale Insulinwirkung kann in einigen Fällen genetisch bedingt sein. Jede Krankheit, die die Bauchspeicheldrüse stark schädigt, kann zu Diabetes führen (z.B. chronische Pankreatitis und Mukoviszidose). Krankheiten, die mit einer übermäßigen Sekretion von Insulin-antagonistischen Hormonen einhergehen, können Diabetes verursachen (der typischerweise behoben wird, wenn der Hormonüberschuss entfernt wird).

Viele Medikamente beeinträchtigen die Insulinsekretion und einige Toxine schädigen die Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse. Die ICD-10 (1992) diagnostische Einheit, Mangelernährungsbedingter Diabetes mellitus (MRDM oder MMDM, ICD-10 Code E12), wurde von der Weltgesundheitsorganisation bei der Einführung der aktuellen Taxonomie im Jahr 1999 abgelehnt. Andere Formen von Diabetes mellitus sind angeborener Diabetes, der auf genetische Defekte der Insulinsekretion zurückzuführen ist, zystischer Fibrose-assoziierter Diabetes, Steroiddiabetes, der durch hohe Dosen von Glukokortikoiden induziert wird, und verschiedene Formen von monogenem Diabetes. "Typ-3-Diabetes" wurde als Begriff für die Alzheimer-Krankheit vorgeschlagen, da die zugrunde liegenden Prozesse eine Insulinresistenz des Gehirns beinhalten können.

Liste weiterer Ursachen für Diabetes:

  • Genetische Defekte der β-Zellfunktion
    • Reifebeginn Diabetes der Jungen
    • Mitochondriale DNA-Mutationen
  • Genetische Defekte bei der Insulinverarbeitung oder Insulinwirkung
    • Defekte bei der Proinsulinumwandlung
    • Insulin-Genmutationen
    • Insulinrezeptor-Mutationen
  • Exokrine Pankreasdefekte
    • Chronische Pankreatitis
    • Pankreatektomie
    • Pankreasneoplasie
    • Mukoviszidose
    • Hämochromatose
    • Fibrocalculöse Pankreatopathie
  • Endokrinopathien
  • Infektionen
    • Zytomegalievirus-Infektion
    • Coxsackievirus B
  • Drogen
    • Glukokortikoide
    • Schilddrüsenhormon
    • β-adrenerge Agonisten
    • Statine

Eine Studie aus dem Jahr 2018 zeigt, dass drei Diabetes-Typen zu wenig sind und eine Klassifizierung in fünf Untergruppen scheint angebrachter. Hierbei wird Typ 1 und Autoimmun-Diabetes im Spätstadium als eine Gruppe eingestuft, während Typ 2 vier Kategorien umfasst. Dadurch soll die Diabetes-Behandlung verbessert werden, indem sie gezielter auf die Teilkonzerne zugeschnitten wird.

Pathophysiologie: Krankheitsvorgänge und Funktionsstörungen

Insulin ist das wichtigste Hormon, das die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in die meisten Zellen des Körpers, vor allem Leber, Fettgewebe und Muskel, mit Ausnahme der glatten Muskulatur, in denen Insulin wirkt über die IGF-1. Insulinmangel oder die Unempfindlichkeit seiner Rezeptoren spielen daher bei allen Formen von Diabetes mellitus eine zentrale Rolle.

Der Körper erhält Glukose aus drei Hauptquellen:

  • aus der intestinalen Absorption von Nahrung; dem Abbau von Glykogen
  • aus der Speicherform von Glukose in der Leber
  • aus der Glukoneogenese, der Erzeugung von Glukose aus nicht kohlenhydrathaltigen Substraten im Körper

Insulin spielt eine entscheidende Rolle beim Ausgleich des Glukosespiegels im Körper. Insulin kann den Abbau von Glykogen oder den Prozess der Glukoneogenese hemmen, es kann den Transport von Glukose in Fett- und Muskelzellen stimulieren und es kann die Speicherung von Glukose in Form von Glykogen stimulieren.

Insulin wird durch Beta-Zellen (β-Zellen), die in den Langerhans-Inseln der Bauchspeicheldrüse gefunden werden, als Reaktion auf steigende Blutzuckerwerte, typischerweise nach dem Essen, ins Blut abgegeben. Insulin wird von etwa zwei Dritteln der Körperzellen zur Aufnahme von Glukose aus dem Blut als Brennstoff, zur Umwandlung in andere benötigte Moleküle oder zur Lagerung, verwendet. Niedrigere Glukosespiegel führen zu einer verminderten Insulinfreisetzung aus den Betazellen und zum Abbau von Glykogen zu Glukose. Dieser Prozess wird hauptsächlich durch das Hormon Glucagon gesteuert, das im Gegensatz zu Insulin wirkt. Ist die verfügbare Insulinmenge unzureichend oder reagieren die Zellen schlecht auf die Wirkung von Insulin (Insulinunempfindlichkeit oder Insulinresistenz), oder ist das Insulin selbst defekt, dann wird Glukose von den Körperzellen, die sie benötigen, nicht richtig aufgenommen und nicht richtig in der Leber und den Muskeln gespeichert.

Der Nettoeffekt ist ein anhaltend hoher Blutzuckerspiegel, eine schlechte Proteinsynthese und andere Stoffwechselstörungen wie Azidose. Wenn die Glukosekonzentration im Blut im Laufe der Zeit hoch bleibt, erreichen die Nieren eine Resorptionsschwelle und Glukose wird über den Urin ausgeschieden (Glykosurie). Dies erhöht den osmotischen Druck des Urins und hemmt die Resorption von Wasser durch die Niere, was zu einer erhöhten Urinproduktion (Polyurie) und einem erhöhten Flüssigkeitsverlust führt. Verlorenes Blutvolumen wird osmotisch durch Wasser in Körperzellen und anderen Körperteilen ersetzt, was zu Austrocknung und erhöhtem Durst führt (Polydipsie).

Diagnose: Wie Diabetes festgestellt wird

Zustand2 Stunden GlukoseNüchtern-GlukoseHbA1c
Einheitmmol/l(mg/dl)mmol/l(mg/dl)mmol/molDCCT %.
Normal<7.8 (<140)<6.1 (<110)<42<6.0
Beeinträchtigte Fastenglykämie<7.8 (<140)≥6.1(≥) & <7.0(<126)42-466.0–6.4
Beeinträchtigte Glukosetoleranz≥7.8 (≥140)<7.0 (<126)42-466.0–6.4
Diabetes mellitus≥11.1 (≥200)≥7.0 (≥126)≥48≥6.5

Diabetes mellitus ist gekennzeichnet durch einen wiederkehrenden oder anhaltenden hohen Blutzuckerspiegel und wird durch den Nachweis eines der folgenden Symptome diagnostiziert:

  • Fastender Plasmaglukosespiegel ≥ 7.0 mmol/l (126 mg/dl)
  • Plasmaglukose ≥ 11.1 mmol/l (200 mg/dl) zwei Stunden nach einer 75 g oralen Glukosebelastung wie bei einem Glukosetoleranztest
  • Symptome von hohem Blutzucker und lässigem Plasmaglukose ≥ 11.1 mmol/l (200 mg/dl)
  • Glykiertes Hämoglobin (HbA1C) ≥ 48 mmol/mol (≥ 6.5 DCCT %).

Ein positives Ergebnis, wenn kein eindeutig hoher Blutzucker vorliegt, sollte durch eine Wiederholung einer der oben genannten Methoden an einem anderen Tag bestätigt werden. Es ist vorzuziehen, einen Nüchternglukosespiegel zu messen, da die formale Glukosetoleranzprüfung, die zwei Stunden in Anspruch nimmt und keinen prognostischen Vorteil gegenüber dem Nüchterntest bietet, einfach zu messen ist.

Nach der aktuellen Definition gelten zwei Nüchtern-Glukosemessungen über 126 mg/dl (7,0 mmol/l) als diagnostisch für Diabetes mellitus. Nach der Weltgesundheitsorganisation gelten Menschen mit einem Nüchtern-Glukosespiegel von 6,1 bis 6,9 mmol/l (110 bis 125 mg/dl) als Personen mit einem Plasmaglukosespiegel von 7,8 mmol/l (140 mg/dl), jedoch nicht über 11.1 mmol/l (200 mg/dl), zwei Stunden nach einer oralen Glukosebelastung von 75 g gelten als beeinträchtigt. Von diesen beiden prädiabetischen Zuständen ist vor allem der letztere ein wichtiger Risikofaktor für das Fortschreiten zu einem ausgewachsenen Diabetes mellitus sowie für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die American Diabetes Association verwendet seit 2003 einen etwas anderen Bereich für beeinträchtigten Nüchternzucker von 5,6 bis 6,9 mmol/l (100 bis 125 mg/dl). Glykiertes Hämoglobin ist besser als Nüchtern-Glukose zur Bestimmung der Risiken von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Normale Werte eines gesunden Menschen:

Bei einem gesunden Menschen liegt der Nüchternzucker zwischen 60 und unter 100 mg/dl (3,3 und unter 5,5 mmol/l) und zwei Stunden nach dem Essen unter 140 mg/dl (7,8 mmol/l). Bei einem Blutzuckerwert ab 126 mg/dl (7,0 mmol/l) nüchtern und/oder ab 200 mg/dl (11,1 mmol/l) zu einem beliebigen Zeitpunkt oder zwei Stunden nach einem Traubenzucker-Belastungstest ist ein Diabetes gesichert.

In der Grauzone von nüchtern 100 bis unter 126 mg/dl (5,6 bis 7,0 mmol/l) und/oder 140 bis unter 200 mg/dl (7,8 bis unter 11,1 mmol/l) – wiederum zu einem beliebigen Zeitpunkt oder zwei Stunden nach einem Traubenzucker-Belastungstest kontrolliert – besteht eine Vorform des Diabetes. Alle angegebenen Blutzuckerwerte beziehen sich auf venöses Plasma (Blut aus der Vene, das zentrifugiert wurde), wie es üblicherweise im ärztlichen Labor verwendet wird. Im Kapillarblut aus Fingerbeere oder Ohrläppchen können die Werte etwas niedriger liegen.

Prävention: Was hilft vorsorglich?

Es ist keine präventive Maßnahme für Typ-1-Diabetes bekannt.

Typ 2 Diabetes - was 85-90% aller Fälle ausmacht - kann oft durch ein normales Körpergewicht, körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung verhindert oder verzögert werden. Höhere körperliche Aktivität (mehr als 90 Minuten pro Tag) reduziert das Diabetesrisiko um 28%. Die diätetischen Ernährungsumstellung kann helfen Diabetes zu verhindern bzw. das Risiko mindern.

So sollte gute Fette, wie die mehrfach ungesättigten Fette, die in Nüssen, Planzenölen und Fischen zu finden sind, ausreichend verzehrt werden.
Die Begrenzung zuckerhaltiger Getränke und der Verzehr von weniger rotem Fleisch und anderen gesättigten Fettsäuren kann ebenfalls dazu beitragen, Diabetes vorzubeugen. Tabakrauchen ist auch mit einem erhöhten Risiko für Diabetes und dessen Komplikationen verbunden, so dass die Raucherentwöhnung auch eine wichtige vorbeugende Maßnahme sein kann.

Der Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und den wichtigsten veränderbaren Risikofaktoren (Übergewicht, ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel und Tabakkonsum) ist in allen Regionen der Welt ähnlich. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass die zugrundeliegenden Determinanten von Diabetes ein Spiegelbild der wichtigsten Triebkräfte des sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Wandels sind: Globalisierung, Urbanisierung, Alterung der Bevölkerung und das allgemeine gesundheitspolitische Umfeld.

Behandlung

Diabetes mellitus ist eine chronische Erkrankung für die es, außer in ganz bestimmten Situationen, keine Heilung gibt. Die Wahrscheinlichkeit Typ 2- Diabetes zu überwinden ist jedoch durch ein Gewichtsverlust gegeben. Als Betroffener steht im Vordergrund den Blutzuckerspiegel immer so niedrig wie möglich zu halten, ohne einen zu niedrigen Blutzucker zu verursachen. Dies kann in der Regel durch eine gesunde Ernährung, Bewegung, Gewichtsabnahme und den Einsatz geeigneter Medikamente (Insulin bei Typ-1-Diabetes; orale Medikamente sowie ggf. Insulin bei Typ-2-Diabetes) erreicht werden. Das Informieren über die Krankheit und die aktive Teilnahme an der Behandlung ist wichtig, da Komplikationen bei Menschen mit einem gut kontrollierten Blutzuckerspiegel weitaus seltener und weniger schwerwiegend sind.

Das Ziel der Behandlung ist ein HbA1C-Wert von 6,5%, sollte aber nicht niedriger sein und kann höher angesetzt werden. Es wird auch auf andere Gesundheitsprobleme geachtet, die die negativen Auswirkungen von Diabetes beschleunigen können. Dazu gehören Rauchen, erhöhte Cholesterinwerte, Übergewicht, Bluthochdruck und mangelnde Bewegung. Spezialschuhe werden häufig verwendet, um das Risiko von Ulzerationen oder Reulzerationen bei gefährdeten diabetischen Füßen zu reduzieren. Der Beweis für die Wirksamkeit bleibt jedoch unklar.

Angemessener Lebensstil für ein Leben mit Diabetes

Menschen mit Diabetes können von der Aufklärung über die Krankheit und die Behandlung, einer guten Ernährung, um ein normales Körpergewicht zu erreichen, und Bewegung profitieren, mit dem Ziel, den Blutzuckerspiegel sowohl kurz- als auch langfristig in akzeptablen Grenzen zu halten. Darüber hinaus werden angesichts der damit verbundenen höheren Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen Lebensstiländerungen zur Kontrolle des Blutdrucks empfohlen. Es gibt kein einheitliches Ernährungsmuster, das für alle Menschen mit Diabetes am besten ist. Für übergewichtige Menschen mit Typ-2-Diabetes ist jede Diät sinnvoll, die zum Gewichtsverlust beiträgt:

Denn ein Gewichtsverlust kann zur Heilung von Typ-2-Diabetes beitragen, auch wenn das Gerücht besteht, dass Typ- 2- Diabetes eine unheilbare Krankheit ist, die im Laufe der Zeit immer weiter voranschreitet. Im Gegenteil, denn eine aktulle Studie im British Medical Journal (13. September 2017) , zeigt, dass viele Ärzte und Patienten nicht wissen würden, dass Typ-2-Diabetes schon allein mit einer entsprechenden Gewichtsabnahme geheilt werden könne. Laut der Wissenschaftler existieren längst ausreichende Belege dafür, dass Menschen, die an Typ-2-Diabetes und gleichzeitig an einem deutlichen Übergewicht leiden, oft geheilt werden könnten, wenn sie "nur" 15 Kilogramm an Gewicht verlieren würden.

Medikamente: Synthetisches Insulin

Medikamente, die zur Behandlung von Diabetes eingesetzt werden, senken den Blutzuckerspiegel. Hierbei gibt es verschiedene Klassen von antidiabetischen Medikamenten. Einige werden oral durch den Mund, wie z.B. Metformin, eigenommen, während andere nur durch Injektion, wie GLP-1-Agonisten, eingenommen werden.

Typ 1 Diabetes kann nur mit Insulin behandelt werden, typischerweise mit einer Kombination aus Normal- und NPH-Insulin oder synthetischen Insulinanaloga. Metformin wird allgemein als Erstlinientherapie bei Typ-2-Diabetes empfohlen, da es gute Hinweise darauf gibt, dass es die Sterblichkeit verringert. Es wirkt, indem es die Glukoseproduktion der Leber verringert. Einige andere Gruppen von Medikamenten, die meist über den Mund verabreicht werden, können ebenfalls den Blutzucker bei Typ 2 senken. Dazu gehören Wirkstoffe, die die Insulinfreisetzung erhöhen, Wirkstoffe, die die Aufnahme von Zucker aus dem Darm verringern und Wirkstoffe, die den Körper empfindlicher auf Insulin machen.

Wenn Insulin bei Typ 2 Diabetes verwendet wird, werden die oralen Medikamente fortgesetzt. Die Insulindosen werden dann erhöht. Da Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine schwerwiegende Komplikation im Zusammenhang mit Diabetes sind, werden Blutdruckwerte unter 130/80 mmHg empfohlen. Der einzige zusätzliche Nutzen, der für Blutdruckziele unterhalb dieses Bereichs gefunden wurde, war ein isolierter Rückgang des Schlaganfallrisikos, der mit einem erhöhten Risiko für andere schwerwiegende Nebenwirkungen einherging.

Eine Überprüfung im Jahr 2016 ergab einen potenziellen Schaden für die Behandlung von weniger als 140 mmHg. Unter den Medikamenten, die den Blutdruck senken, verbessern Angiotensin-Converting-Enzym-Inhibitoren (ACEIs) die Ergebnisse bei Patienten mit DM, während die ähnlichen Medikamente Angiotensin-Rezeptorblocker (ARBs) dies nicht tun. Aspirin wird auch für Menschen mit kardiovaskulären Problemen empfohlen, jedoch wurde nicht festgestellt, dass die routinemäßige Anwendung von Aspirin die Ergebnisse bei unkompliziertem Diabetes verbessert.

Operation für Übergewichtige

Eine Gewichtsverlustoperation bei Adipositas und Typ-2-Diabetes ist oft eine wirksame Maßnahme. Viele sind in der Lage, den normalen Blutzuckerspiegel mit wenig oder gar keinen Medikamenten nach einer Operation aufrechtzuerhalten und die Langzeitsterblichkeit wird verringert. Es besteht jedoch ein kurzfristiges Mortalitätsrisiko von weniger als 1% durch die Operation. Der Body-Mass-Index-Grenzwert für den Fall, dass eine Operation sinnvoll ist, ist noch nicht klar. Es wird empfohlen, diese Option in Betracht zu ziehen, wenn Sie nicht in der Lage sind, sowohl ihr Gewicht als auch ihren Blutzucker unter Kontrolle zu bringen. Eine Pankreas-Transplantation wird gelegentlich für Menschen mit Typ-1-Diabetes in Betracht gezogen, die schwere Komplikationen ihrer Erkrankung haben, einschließlich Nierenerkrankungen im Endstadium, die eine Nierentransplantation erfordern.

Epidemiologie: Entstehung und Verbreitung von Diabetes

Bis 2016 leiden weltweit 422 Millionen Menschen an Diabetes, gegenüber geschätzten 382 Millionen im Jahr 2013 und 108 Millionen im Jahr 1980. Unter Berücksichtigung der veränderten Altersstruktur der Weltbevölkerung beträgt die Prävalenz von Diabetes bei Erwachsenen 8,5%, fast doppelt so hoch wie 1980 mit 4,7%. Typ 2 macht etwa 90% der Fälle aus. Einige Daten deuten darauf hin, dass die Raten bei Frauen und Männern ungefähr gleich hoch sind, aber in vielen Populationen mit höherer Typ-2-Inzidenz, möglicherweise aufgrund von geschlechtsspezifischen Unterschieden in der Insulinempfindlichkeit, Folgen von Fettleibigkeit und regionaler Körperfettablagerung und anderen Faktoren wie Bluthochdruck, Tabakrauchen und Alkoholkonsum, wurde ein Übermaß an Diabetes festgestellt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass Diabetes mellitus im Jahr 2012 zu 1,5 Millionen Todesfällen geführt hat und damit die achtthäufigste Todesursache ist. Weitere 2,2 Millionen Todesfälle weltweit sind jedoch auf den hohen Blutzuckerspiegel und das erhöhte Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen damit verbundenen Komplikationen (z.B. Nierenversagen) zurückzuführen, die häufig zu einem vorzeitigen Tod führen und oft nicht als Ursache für Diabetes, sondern als Todesursache angegeben werden. Beispielsweise schätzte die International Diabetes Federation (IDF) im Jahr 2014, dass Diabetes weltweit 4,9 Millionen Todesfälle verursachte, wobei die Gesamtzahl der Todesfälle, die direkt oder indirekt auf Diabetes zurückzuführen sind, anhand von Modellen geschätzt wurde. Diabetes mellitus tritt weltweit auf, ist aber in den entwickelteren Ländern häufiger (vor allem Typ 2). Der größte Anstieg der Raten wurde jedoch in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen verzeichnet, in denen mehr als 80% der Diabetiker sterben.

Der schnellste Anstieg der Prävalenz wird in Asien und Afrika erwartet, wo die meisten Menschen mit Diabetes wahrscheinlich im Jahr 2030 leben werden. Der Anstieg der Raten in den Entwicklungsländern folgt dem Trend der Verstädterung und der Veränderung des Lebensstils, einschließlich eines zunehmend sesshaften Lebensstils, weniger körperlich anstrengender Arbeit und der globalen Ernährungsumstellung, die durch eine erhöhte Aufnahme von Nahrungsmitteln mit hoher Energiedichte, aber geringem Nährstoffgehalt (oft mit hohem Zuckergehalt und gesättigten Fetten, manchmal auch als "westliche Ernährung" bezeichnet) gekennzeichnet ist.

Geschichtlicher Hintergrund der Zuckerkrankheit

Diabetes war eine der ersten beschriebenen Krankheiten, wobei in einem ägyptischen Manuskript aus der Zeit um 1500 v. Chr. von einer "zu großen Entleerung des Urins" die Rede war. Der Ebers-Papyrus enthält eine Empfehlung für die Einnahme eines Getränks in solchen Fällen. Die ersten beschriebenen Fälle gelten als Typ-1-Diabetes. Indische Ärzte um die gleiche Zeit identifizierten die Krankheit und klassifizierten sie als Madhumeha oder "Honigurin", weil der Urin Ameisen anziehen würde.

Der Begriff "Diabetes" oder "durchqueren" wurde erstmals im Jahre 230 v. Chr. vom griechischen Apollonius von Memphis verwendet. Die Krankheit galt in der Zeit des Römischen Reiches als selten, wobei Galen kommentierte, dass er während seiner Karriere nur zwei Fälle gesehen hatte. Dies ist möglicherweise auf die Ernährung und Lebensweise der Alten zurückzuführen, oder weil die klinischen Symptome im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung beobachtet wurden. Galen nannte die Krankheit "Durchfall des Urins" (Diarrhöe urinosa).

Die früheste überlebende Arbeit mit einem detaillierten Hinweis auf Diabetes ist die von Aretaeus von Kappadokien (2. oder frühes 3. Jahrhundert n. Chr.). Er beschrieb die Symptome und den Verlauf der Erkrankung, die er der Feuchtigkeit und Kälte zuschrieb und die Überzeugungen der "Pneumatischen Schule" widerspiegelte. Er vermutete eine Korrelation von Diabetes mit anderen Krankheiten, und er diskutierte die Differentialdiagnose des Schlangenbisses, die ebenfalls übermäßigen Durst hervorruft. Sein Werk blieb im Westen bis 1552 unbekannt, als die erste lateinische Ausgabe in Venedig erschien. Typ 1 und Typ 2 Diabetes wurden von den indischen Ärzten Sushruta und Charaka in 400-500 CE mit Typ 1 im Zusammenhang mit Jugend und Typ 2 mit Übergewicht identifiziert. Der Begriff "mellitus" oder "aus Honig" wurde von dem Briten John Rolle in den späten 1700er Jahren hinzugefügt, um den Zustand vom Diabetes insipidus zu trennen, der auch mit häufigem Wasserlassen verbunden ist. Jahrhunderts, als die Kanadier Frederick Banting und Charles Herbert Best 1921 und 1922 Insulin isolierten und reinigten. Es folgte die Entwicklung des lang wirksamen Insulins in den 1940er Jahren.

Etymologie: Wortentstehung und literarische Erwähnung

Das Wort Diabetes (/ˌdaɪ.əˈbiːtiːz/ oder /ˌdaɪ.əˈbiːtɪs/) kommt aus dem Lateinischen diabētēs, das wiederum aus dem Altgriechischen διαβήτης (diabētēs) stammt, was wörtlich "ein Passant durch; ein Siphon" bedeutet. Der altgriechische Arzt Aretaeus von Kappadokien (fl. 1. Jh. n. Chr.) benutzte dieses Wort, mit der beabsichtigten Bedeutung "übermäßiger Urinausfluss", als Bezeichnung für die Krankheit. Letztendlich kommt das Wort aus dem Griechischen διαβαίνειν (diabainein), was "durchgehen" bedeutet und sich aus δια- (dia-), was "durch" und βαίνειν (bainein), was "gehen" bedeutet, zusammensetzt.

Das Wort "Diabetes" wird in einem medizinischen Text, der um 1425 geschrieben wurde, erstmals in englischer Sprache in der Form Diabetiker erwähnt. Das Wort mellitus (/məˈlaɪtəs/ oder /ˈmɛlɪtəs/) kommt vom klassischen lateinischen Wort mellītus und bedeutet "mellite" (d.h. mit Honig gesüßt; honigsüß). Das lateinische Wort kommt von mell-, das von mel kommt, was "Honig" bedeutet; Süße; angenehme Sache, und das Suffix -ītus, dessen Bedeutung der des englischen Suffix "-ite" entspricht. Es war Thomas Willis, der 1675 dem Wort "Diabetes" als Bezeichnung für die Krankheit "mellitus" hinzufügte, als er bemerkte, dass der Urin eines Diabetikers einen süßen Geschmack hatte (Glykosurie). Dieser süße Geschmack wurde im Urin von den alten Griechen, Chinesen, Ägyptern, Indianern und Persern bemerkt.

Gesellschaft und Kultur

Die "Erklärung von St. Vincent" von 1989 war das Ergebnis internationaler Bemühungen zur Verbesserung der Versorgung von Diabetikern. Dies ist nicht nur im Hinblick auf Lebensqualität und Lebenserwartung wichtig, sondern auch in wirtschaftlicher Hinsicht - die Ausgaben aufgrund von Diabetes haben sich als große Belastung für die Gesundheit und die produktivitätsbezogenen Ressourcen für die Gesundheitssysteme und die Regierungen erwiesen. Mehrere Länder haben immer weniger erfolgreiche nationale Diabetesprogramme zur Verbesserung der Behandlung der Krankheit eingeführt. Menschen mit Diabetes, die neuropathische Symptome wie Taubheit oder Kribbeln in Füßen oder Händen haben, sind doppelt so häufig arbeitslos wie Menschen ohne diese Symptome. Im Jahr 2010 waren die Besuchsquoten in der Diabetes-Notaufnahme (ER) in den Vereinigten Staaten unter den Menschen mit dem niedrigsten Einkommen (526 pro 10.000 Einwohner) höher als unter den Menschen mit dem höchsten Einkommen (236 pro 10.000 Einwohner). Ungefähr 9,4% der diabetesbedingten ER-Besuche waren für Nicht-Versicherte.

Diabetes mellitus: Vorkommen in der Tierwelt

Bei Tieren ist Diabetes am häufigsten bei Hunden und Katzen anzutreffen. Am häufigsten sind Tiere mittleren Alters betroffen. Weibliche Hunde sind doppelt so häufig betroffen wie männliche, während nach einigen Quellen auch männliche Katzen anfälliger sind als weibliche. Bei beiden Arten können alle Rassen betroffen sein, aber einige kleine Hunderassen sind besonders anfällig für Diabetes, wie z.B. Zwergpudel.

Der Katzendiabetes mellitus ist dem menschlichen Typ-2-Diabetes auffallend ähnlich. Die burmesische Rasse sowie die Rassen Russisch Blau, Abessinier und Norwegische Waldkatze zeigten ein erhöhtes Risiko von DM, während mehrere Rassen ein geringeres Risiko aufwiesen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und einem erhöhten Risiko für Katzendiabetes. Die Symptome können sich auf Flüssigkeitsverlust und Polyurie beziehen, aber der Verlauf kann auch heimtückisch sein. Diabetische Tiere sind anfälliger für Infektionen. Die beim Menschen erkannten Langzeitkomplikationen sind bei Tieren viel seltener. Die Behandlungsprinzipien (Gewichtsabnahme, orale Antidiabetika, subkutanes Insulin) und die Behandlung von Notfällen (z.B. Ketoazidose) ähneln denen des Menschen.

Forschungsergebnisse und -aussichten

Inhalierbares Insulin wurde entwickelt. Die ursprünglichen Produkte wurden wegen Nebenwirkungen zurückgezogen. Afrezza, das vom Pharmaunternehmen MannKind Corporation entwickelt wird, wurde im Juni 2014 von der FDA zum allgemeinen Verkauf freigegeben. Ein Vorteil von inhaliertem Insulin ist, dass es bequemer und einfacher zu verwenden ist. Transdermales Insulin in Form einer Creme wurde entwickelt und es werden Studien an Menschen mit Typ-2-Diabetes durchgeführt.

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Was ist Diabetes?