Mittelohrentzündung

(Otitis media)

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Was ist eine akute Mittelohrentzündung?

Bei einer akuten Mittelohrentzündung, auch Otitis media genannt, tritt durch eine akute Entzündung, meist plötzlich, ein starker Schmerz im Ohr auf. Die Entzündung im Mittelohr kann in einem Ohr oder auf beiden Ohren gleichzeitig auftreten. Vielmehr ist nicht das Ohr, sondern die Schleimhaut der Paukenhöhle, der Hohlraum im Mittelohr, entzündet. Oft wird die schmerzhafte Entzündung durch Erkältungsbakterien oder Viren ausgelöst.  

Typischerweise sind Säuglinge und Kinder von einer akuten Mittelohrentzündung betroffen, aber auch Erwachsene können sich besonders in der Erkältungszeit eine Mittelohrentzündung einfangen. 

Symptome einer Otitis media

Ein integrales Symptom der akuten Otitis media sind Ohrenschmerzen; andere mögliche Symptome sind Fieber und Reizbarkeit (bei Säuglingen). Da eine Episode der Otitis media in der Regel durch eine Infektion der oberen Atemwege ausgelöst wird, treten häufig Begleiterscheinungen, wie Husten und Nasenausfluss, auf. Durch eine akute Otitis media mit Perforation des Trommelfells, chronische eitrige Otitis media, Tympanostomie-Tubus Otorrhoe oder akute Otitis externa kann Sekret in den Gehörgang fließen. Ein Trauma, wie z.B. eine Schädelbasisfraktur, kann ebenfalls zu Flüssigkeit aus dem Ohr führen, da die Hirnwirbelsäule aus dem Gehirn und dessen Hülle (Hirnhaut) entwässert wird.

Reißt oder Platzt das Trommelfell, lassen die Ohrenschmerzen oft nach und Sekret fließt in den Gehörgang.

Folgende Beschwerden sind Hinweise für eine akute Mittelohrentzündung:

  • plötzliche, starke Ohrenschmerzen (pulsierend, stechend)
  • Druckgefühl im Ohr
  • Klopfen oder Pochen im Ohr
  • Hörminderung
  • Schwindel
  • Krankheitsgefühl
  • Fieber
  • Bei Kindern können auch untypische Begleitsymptome, wie Bauschmerzen und Übelkeit, auftreten.

Smyptome bei Babys und Kleinkindern

Haben Babys oder Kleinkinder eine Mitelohrentzündung, dann zeigen sie es. Die kleinen Patienten sind dann oft sehr unruhig und schreien mehr als normal. Da sich Babys und Kleinkinder nicht verbal äußern können, sollten gestische Hinweise beachtet werden, so können Kinder etwa vermehrt an das betroffene Ohr greifen. Besonders wenn das Ohr berührt wird, nehmen die Schmerzen plötzlich zu, sodass das Baby zusätzlich vermehrt schreit.

Unspezifische Krankheitsanzeichen bei Kleinkindern:

  • Fieber und Schüttelfrost
  • Schwäche
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Nahrungsverweigerung und Appetitlosigkeit

Auch eitrig-blutiges Sekret kann bei Kindern aus dem Ohr laufen, die Schmerzen sind somit schlagartig behoben, denn das Trommelfell ist gerissen und der Druck verschwunden. 

Was löst eine Mittelohrentzündung aus?

Die häufige Ursache aller Formen von Otitis media ist die Funktionsstörung der Eustachischen Röhre. Dies ist in der Regel auf eine Entzündung der Schleimhäute im Nasopharynx zurückzuführen, die durch eine virale oder bakterielle Erkältung, Streptokokken oder möglicherweise durch Allergien verursacht werden kann. Somit ist eine Erkrankung des Nasenrachenraums oft der Grund für Mittelohrentzündungen. Die Krankheitserreger gelangen über die Verbindung von Rachen und Mittelohr (Eustatische Röhre) in die Paukenhöhle im Mittelohr und lösen die Entzündung aus.

Durch die Funktionsstörung der Eustachischen Röhre wird das Gasvolumen im Mittelohr eingefangen und Teile davon werden langsam vom umgebenden Gewebe absorbiert, was zu einem Unterdruck im Mittelohr führt. Schließlich kann der negative Mittelohrdruck einen Punkt erreichen, an dem Flüssigkeit aus dem umgebenden Gewebe in die Mittelohrhöhle (Paukenhöhle) gesaugt wird, was zu einem Mittelohrerguss führt. Dies wird als Übergang von einem Tympanogramm Typ A zu einem Tympanogramm Typ C zu einem Tympanogramm Typ B angesehen. Durch Rückfluss oder Absaugen von unerwünschtem Sekret aus dem Nasopharynx in den normalerweise sterilen Mittelohrraum kann die Flüssigkeit dann infiziert werden - meist mit Bakterien. Das Virus, das die ursprüngliche Erkältung verursacht hat, kann selbst als Erreger der Infektion identifiziert werden.

Die typische Infektionszeit für Mittelohrenentzündungen liegt zwischen Dezember und März. Aber auch verunreinigtes Badewasser kann bei einem eingerissenen Trommelfell zur Entzündung führen. In der Regel ist aber eine Mittelohrentzündung nicht ansteckend.

Was löst eine Mittelohrentzündung bei Kindern aus?

Besonders Babys und Kinder leiden an einer Mittelohrentzündung, wobei die Ursache ganz anders als bei Erwachsenen sein kann. Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahre sind sehr häufig von der Ohrenentzündung betroffen. Etwa 75 bis 95 Prozent aller Kindern bekommen vermutlich in den ersten drei Jahren eine Mittelohrentzündung. 

Kleinkinder, Babys und Kinder sind häufiger betroffen, weil bei ihnen die Verbindung zwischen Mittelohr und Nasen-Rachenraum, (Ohrtrompete/Eustachische Röhre) noch kurz ist. So gelangen Krankheitserreger leichter aus dem Rachen ins Ohr. Zusätzlich haben Kinder noch nicht so ein ausgereiftes Immunsystem.

Diagnose Mittelohrentzündung

Besonders bei Kindern sollte bei verdacht auf eine Mittelohrentzündung ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt aufgesucht werden oder der Kinderarzt. Was Sie als Patient bei einem HNO-Arzt erwartet, können Sie hier lesen.

Zunächst erkundigt sich der Arzt nach den Beschwerden und untersucht den Patienten, insbesondere Ohren, Nase und Rachen. Das Trommelfell wird mit einem Ohr-Mikroskop untersucht. Da sich die typischen Symptome mit anderen Erkrankungen, wie z.B. einer akuten äußeren Otitis, überschneiden, reicht die klinische Anamnese allein nicht aus, um das Vorliegen einer akuten Otitis media vorherzusagen; sie muss durch eine Visualisierung der Trommelfellmembran ergänzt werden. Zur Beurteilung der Beweglichkeit der Trommelfellmembran wird ein pneumatisches Otoskop mit einer Gummibirne verwendet. In schwereren Fällen, wie z.B. bei Hörverlust oder hohem Fieber, kann die Audiometrie, das Tympanogramm, die CT und die MRT zur Beurteilung von Komplikationen wie Mastoiderguss, subperiostale Abszessbildung, Knochenzerstörung, Venenthrombose oder Meningitis verwendet werden.

Akute Otitis media bei Kindern mit mäßiger bis starker Auswölbung der Trommelfellmembran oder neu einsetzender Otorrhoe (Drainage) ist nicht auf eine äußere Otitis zurückzuführen. Die Diagnose kann auch bei Kindern gestellt werden, die ein leichtes Aufwölben des Trommelfells und kürzlich eingetretene Ohrenschmerzen (weniger als 48 Stunden) oder starke Erytheme (Rötungen) des Trommelfells haben. Um die Diagnose zu bestätigen, müssen Mittelohrerguss und Entzündung des Trommelfells erkannt werden; Anzeichen dafür sind Fülle, Wölbung, Trübung und Rötung des Trommelfells. Es ist wichtig zu versuchen, zwischen akuter Otitis media und Otitis media mit Erguss (OME) zu unterscheiden, da Antibiotika für OME nicht empfohlen werden. Es wurde vermutet, dass das Aufwölben der Trommelfellmembran das beste Zeichen ist, um AOM von OME zu unterscheiden, wobei ein Aufwölben der Membran eher auf AOM als auf OME hindeutet.

Virale Otitis kann zu Blasen an der Außenseite der Trommelfellmembran führen, die als bullöse Myringitis bezeichnet wird (Myringa ist lateinisch für "Trommelfell"). Manchmal kann jedoch auch eine Untersuchung des Trommelfells die Diagnose nicht bestätigen, besonders wenn der Kanal klein ist. Wenn Ohrenschmalz im Gehörgang die Sicht auf das Trommelfell versperrt, sollte es mit einer stumpfen Cerumenkürette oder einer Drahtschlaufe entfernt werden. Auch das Schreien eines verärgerten Kleinkindes kann dazu führen, dass das Trommelfell entzündet aussieht, weil sich die kleinen Blutgefäße auf ihm ausdehnen und die Rötung imitieren, die mit Otitis media verbunden ist.

Akute Otitis media

Die häufigsten aus dem Mittelohr isolierten Bakterien sind Streptococcus pneumoniae, Haemophilus influenzae, Moraxella catarrhalis und Staphylococcus aureus.

Mittelohrentzündung mit Erguss

Otitis media mit (Pauken-)Erguss(OME), auch bekannt als seröse Otitis media (SOM) oder sekretorische Otitis media (SOM), und umgangssprachlich als"Leimohr" bezeichnet, ist eine Flüssigkeitsansammlung, die im Mittelohr und in den Mastoid-Luftzellen aufgrund von Unterdruck durch Funktionsstörungen der Eustachischen Röhre auftreten kann. Dies kann mit einer viralen Erkältung oder einer bakteriellen Infektion einhergehen.Oft ist es die Folge einer akuten Mittelohrentzündung. Ein Erguss kann eine Schallleitungsschwerhörigkeit verursachen, wenn er die Übertragung von Schwingungen der Mittelohrknochen auf den vestibulocochleären Nervenkomplex stört, die durch Schallwellen erzeugt werden.

Die früh einsetzende OME ist mit dem Füttern von Säuglingen im Liegen, dem frühen Eintritt in die Gruppenbetreuung, dem Rauchen der Eltern, dem Fehlen oder einer zu kurzen Stillzeit und einem größeren Zeitaufwand in der Gruppenbetreuung, insbesondere bei Kindern mit einer großen Anzahl von Kindern, verbunden. Diese Risikofaktoren erhöhen die Häufigkeit und Dauer von OME in den ersten beiden Lebensjahren.

Chronische eitrige Otitis media

Chronisch eitrige Otitis media (CSOM) ist eine chronische Entzündung des Mittelohrs und der Mastoidhöhle, die durch eine perforierte Trommelfellmembran für mindestens 6 Wochen gekennzeichnet ist. CSOM tritt nach einer Infektion der oberen Atemwege auf, die zu einer akuten Otitis media geführt hat. Dies führt zu einer verlängerten Entzündungsreaktion, die ein Schleimhautödem (Mittelohr), Ulzerationen und Perforationen verursacht. Das Mittelohr versucht, dieses Geschwür durch Bildung von Granulationsgewebe und Polypenbildung zu lösen. Dies kann zu einer erhöhten Entladung und zum Versagen der Entzündung und zur Entwicklung von CSOM führen, die oft auch mit einem Cholesteatom in Verbindung gebracht wird.

Es kann genügend Eiter vorhanden sein, der nach außen abfließt (Otorrhoe), oder der Eiter ist minimal genug, um nur bei einer Untersuchung mit einem Otoskop oder Binokularmikroskop gesehen zu werden. Hörschäden gehen oft mit dieser Krankheit einher. Leute sind an der erhöhten Gefahr des Entwickelns von CSOM, wenn sie schlechte eustachian Schlauchfunktion, eine Geschichte der mehrfachen Episoden der akuten otitismittel haben, leben in gedrängten Bedingungen und bedienen pädiatrische Tagesstätte.

Bei kraniofazialen Fehlbildungen wie Lippen- und Gaumenspalte, Down-Syndrom und Mikrozephalie besteht ein erhöhtes Risiko. Weltweit sind jährlich etwa 11% der Bevölkerung von AOM betroffen, das sind 709 Millionen Fälle. Etwa 4,4% der Bevölkerung entwickeln CSOM. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist CSOM eine der Hauptursachen für Hörverlust bei Kindern. Erwachsene mit wiederkehrenden Episoden von CSOM haben ein höheres Risiko, einen dauerhaften Schallleitungs- und Schallempfindungsschwerhörigkeitsverlust zu entwickeln. In Großbritannien haben 0,9% der Kinder und 0,5% der Erwachsenen CSOM, ohne Unterschied zwischen den Geschlechtern. Die Inzidenz von CSOM ist weltweit sehr unterschiedlich, wenn Länder mit hohem Einkommen eine relativ niedrige Prävalenz haben, während sie in Ländern mit niedrigem Einkommen bis zu dreimal so hoch sein kann. Jedes Jahr sterben weltweit 21.000 Menschen an den Folgen von CSOM.

Adhäsive Otitis media

Eine adhäsive Otitis media tritt auf, wenn ein dünnes eingezogenes Trommelfell in den Mittelohrraum gesaugt wird und an den Gehörknöcheln und anderen Knochen des Mittelohrs haftet.

Prävention: Wie kann eine Mittelohrentzündung verhindert werden?

Eine mittelohrentzündung ist bei gestillten Säuglingen weitaus seltener als bei Säuglingen, und der größte Schutz wird in den ersten sechs Lebensmonaten mit ausschließlichem Stillen (ohne Verwendung von Milchnahrung) in Verbindung gebracht. Eine längere Stillzeit ist mit einer längeren Schutzwirkung verbunden. Pneumokokken-Konjugat-Impfstoffe (PCV) im frühen Kindesalter verringern das Risiko einer akuten Otitis media bei gesunden Säuglingen. PCV wird für alle Kinder empfohlen, und wenn es breit angewendet würde, hätte es einen erheblichen Nutzen für die öffentliche Gesundheit. Influenza-Impfstoff wird jährlich für alle Kinder empfohlen. PCV scheint das Risiko einer Mittelohrentzündung nicht zu verringern, wenn es an Hochrisikokinder oder an ältere Kinder gegeben wird, die zuvor eine Mittelohrentzündung erlebt haben.

Risikofaktoren wie Jahreszeit, Allergieveranlagung und das Vorhandensein älterer Geschwister sind als Determinanten für wiederkehrende Otitis media und persistierende Mittelohrergüsse (MEE) bekannt. Die Geschichte des Wiederauftretens, die Belastung der Umwelt durch Tabakrauch, die Nutzung von Kindertagesstätten und das Fehlen des Stillens wurden alle mit einem erhöhten Risiko der Entwicklung, Wiederholung und anhaltenden MEE in Verbindung gebracht. Schnullergebrauch ist mit häufigeren Episoden von AOM verbunden gewesen.

Langfristige Antibiotika, während sie die Infektionsrate während der Behandlung senken, haben eine unbekannte Wirkung auf Langzeitfolgen wie z.B. Hörverlust. Diese Methode der Prävention wurde mit der Entstehung von antibiotikaresistenten Otitischen Bakterien in Verbindung gebracht. Sie werden daher nicht empfohlen. Beweis unterstützt nicht Zinkergänzung als Bemühung, otitis Rate ausgenommen möglicherweise in denen mit strenger Unterernährung wie Marasmus zu verringern.

Behandlung einer Mittelohrentzündung

Mündliche und topische Schmerzmittel sind wirksam zur Behandlung der durch Otitis media verursachten Schmerzen. Orale Wirkstoffe sind Ibuprofen, Paracetamol (Acetaminophen) und Opiate. Zu den topischen Wirkstoffen, die sich als wirksam erwiesen haben, gehören Antipyrin- und Benzocain-Ohrtröpfchen. Abschwellende Mittel und Antihistaminika, entweder nasal oder oral, werden nicht empfohlen, da sie keinen Nutzen haben und keine Nebenwirkungen haben. Die Hälfte der Fälle von Ohrenschmerzen bei Kindern lösen sich ohne Behandlung in drei Tagen und 90% in sieben oder acht Tagen. Die Verwendung von Steroiden wird durch die Hinweise auf akute Otitis media nicht unterstützt.

Einsatz von Antibiotika?

Es ist wichtig, die Vorteile und Schäden abzuwägen, bevor man Antibiotika gegen akute Otitis media einsetzt. Da sich über 82% der akuten Episoden ohne Behandlung absetzen, müssen etwa 20 Kinder behandelt werden, um einen Fall von Ohrenschmerzen zu verhindern, 33 Kinder, um eine Perforation zu verhindern, und 11 Kinder, um eine gegensätzliche Ohrinfektion zu verhindern. Für jedes 14. Kind, das mit Antibiotika behandelt wird, hat ein Kind eine Episode von Erbrechen, Durchfall oder Ausschlag. Wenn Schmerzen vorhanden sind, sollte eine Behandlung zur Linderung eingeleitet werden.

  • Antibiotika sollten bei schweren bilateralen oder einseitigen Erkrankungen bei allen Säuglingen und Kindern mit schweren Anzeichen und Symptomen wie mäßigen bis starken Ohrenschmerzen und hohem Fieber verschrieben werden.
  • Bei beidseitiger akuter Otitis media bei Säuglingen unter 24 Monaten, ohne schwere Anzeichen und Symptome, sollten Antibiotika verschrieben werden.
  • Wenn bei Kleinkindern eine nicht schwere einseitige akute Otitis media diagnostiziert wird, wird entweder eine Antibiotikatherapie oder eine Beobachtung mit genauer Beobachtung durchgeführt, die auf einer gemeinsamen Entscheidungsfindung zwischen Elternteil(en)/Caregiver bei Säuglingen im Alter von 6 bis 23 Monaten beruht. Wenn sich das Kind innerhalb von 2 bis 3 Tagen verschlechtert oder sich nicht bessert, sollten Antibiotika verabreicht werden.
  • Kinder ab 24 Monaten mit nicht schwerer Erkrankung können entweder Antibiotika oder Beobachtungen haben.

Die erste Linie Antibiotika-Behandlung, wenn gerechtfertigt, ist Amoxicillin. Wenn es in den letzten 30 Tagen eine Resistenz oder Verwendung von Amoxicillin gibt, wird Amoxicillin-Clavulanat oder ein anderes Penicillin-Derivat plus Beta-Lactamase-Inhibitor empfohlen. Die Einnahme von Amoxicillin einmal täglich kann genauso wirksam sein wie zweimal oder dreimal täglich. Während weniger als 7 Tage Antibiotika weniger Nebenwirkungen haben, scheinen mehr als 7 Tage effektiver zu sein. Wenn nach 2-3 Tagen keine Besserung eintritt, kann eine Änderung der Therapie in Betracht gezogen werden. Eine Behandlungsoption für chronisch eitrige Otitis media mit Ausfluss sind topische Antibiotika. Ein Cochrane-Review ergab, dass topische Chinolon-Antibiotika die Entladung besser verbessern können als orale Antibiotika. Die Sicherheit ist nicht ganz klar.

Tympanostomiekanüle

Tympanostomiekanülen (auch "Grommets" genannt) werden bei drei oder mehr Episoden akuter Otitis media in 6 Monaten oder vier oder mehr in einem Jahr mit mindestens einer Episode oder mehr Attacken in den letzten 6 Monaten empfohlen. Es gibt vorläufige Hinweise auf reduzierte Rezidivraten in den 6 Monaten nach der Platzierung. Beweise unterstützen keinen Einfluss auf das langfristige Hören oder die Sprachentwicklung. Eine häufige Komplikation einer Tympanostomiekanüle ist Ohrenfluss (Otorrhoe). Orale Antibiotika sollten nicht zur Behandlung der unkomplizierten akuten Tympanostomiekanüle Otorrhoe eingesetzt werden. Orale Antibiotika sind keine ausreichende Reaktion auf Bakterien, die diese Erkrankung verursachen und erhebliche Nebenwirkungen haben, einschließlich eines erhöhten Risikos einer opportunistischen Infektion. Im Gegensatz dazu können topische antibiotische Ohrgehänge diese Erkrankung behandeln.

Mittelohrentzündung mit Erguss

Die Entscheidung zur Behandlung wird in der Regel nach einer Kombination aus körperlicher Untersuchung und Labordiagnose getroffen, mit zusätzlichen Tests wie Audiometrie, Tympanogramm, Schläfenbein-CT und MRT. Abschwellungsmittel, Glukokortikoide und topische Antibiotika sind in der Regel nicht wirksam zur Behandlung von nicht infektiösen oder serösen Ursachen des Mastoidergusses. Außerdem wird empfohlen, bei Kindern mit OME keine Antihistaminika und Abschwellungsmittel zu verwenden. In weniger schweren Fällen oder ohne signifikante Hörschäden kann der Erguss spontan oder mit konservativeren Maßnahmen, wie z.B. der Autoinflation, aufgelöst werden. In schwereren Fällen können Tympanostomiekanülen eingesetzt werden, möglicherweise mit adjuvanter Adenoidektomie, da diese einen signifikanten Vorteil hinsichtlich der Auflösung des Mittelohrergusses bei Kindern mit OME zeigt.

Hausmittel & Alternative Medizin

Oft ist ein Antibiotika nicht notwenig oder kann keine Abhilfe schaffen, da diese nur gegen Bakterien helfen. Oft sind aber Viren-Infekte Schuld an den Ohrenschmerzen und der Mittelohrentzündung. Wunderhausmittel gegen die Beschwerden sind Zwiebel, da diese eine antibakterielle Wirkung haben, aber auch weichgekochte, gestampfte Kartoffel können helfen. 

Die Zwiebeln werden kleingeschnitten und in ein Tuch gewickelt und verschlossen. Das Zwiebelsäckchen wird über heißen Wasserdampf erwärmt und danach für eine halbe Stunde auf das schmerzende Ohr gelegt. Dieses Vorgehen sollte mehrmals am Tag wiederholt werden. Wärme unterstützt die Heilung, weshalb auch eine Rotlichtlampe Linderung verschaffen kann. Auch eine Wärmflasche oder ein warmes Körnerkissen könnten alternativ helfen. (Quelle: www.amplifon.com)

Komplementäre und alternative Medizin wird nicht empfohlen für Otitis media mit Erguss, da es keine Hinweise auf einen Nutzen gibt. Homöopathische Behandlungen haben sich bei akuter Otitis media in einer Studie mit Kindern nicht bewährt. Eine osteopathische Manipulationstechnik namens Galbreath-Technik wurde in einer randomisierten, kontrollierten klinischen Studie evaluiert; ein Gutachter kam zu dem Schluss, dass sie vielversprechend war, aber ein Beweisbericht aus dem Jahr 2010 fand den Beweis nicht schlüssig.

Komplikation oder Spätfolgen einer Mittelohrentzündung?

Komplikationen der akuten Otitis media bestehen aus einer Perforation des Trommelfells, einer Infektion des Mastoidraumes hinter dem Ohr (Mastoiditis) und seltener können intrakranielle Komplikationen wie bakterielle Meningitis, Hirnabszess oder Dural-Sinus-Thrombose auftreten. Es wird geschätzt, dass jedes Jahr 21.000 Menschen an den Folgen einer Otitis media sterben.

Trommelfell platzt

In schweren oder unbehandelten Fällen kann die Trommelfellmembran perforieren, so dass der Eiter im Mittelohrraum in den Gehörgang abfließen kann. Wenn es genug gibt, kann diese Entwässerung offensichtlich sein. Auch wenn die Perforation der Trommelfellmembran einen sehr schmerzhaften und traumatischen Prozess suggeriert, ist sie fast immer mit einer dramatischen Druck- und Schmerzlinderung verbunden. In einem einfachen Fall von akuter Otitis media bei einem ansonsten gesunden Menschen ist es wahrscheinlich, dass die Abwehrkräfte des Körpers die Infektion lösen und das Trommelfell fast immer heilt. Eine Option für schwere akute Otitis media, bei denen Analgetika die Ohrschmerzen nicht kontrollieren, ist die Durchführung einer Tympanozentese, d.h. die Nadelaspiration durch die Trommelfellmembran, um die Ohrschmerzen zu lindern und den/die verursachenden Organismus(e) zu identifizieren.

Hörverlust

Kinder mit wiederkehrenden Episoden einer akuten Otitis media und Kinder mit einer Otitis media mit Erguss oder einer chronischen eitrigen Otitis media haben ein höheres Risiko, einen leitfähigen und sensorineuralen Hörverlust zu entwickeln. Weltweit haben etwa 141 Millionen Menschen einen leichten Hörverlust aufgrund von Otitis media (2,1% der Bevölkerung). Dies ist bei Männern (2,3%) häufiger als bei Frauen (1,8%). Dieser Hörverlust ist hauptsächlich auf Flüssigkeit im Mittelohr oder einen Riss der Trommelfellmembran zurückzuführen.

Eine längere Dauer der Otitis media ist mit ossikulären Komplikationen verbunden und trägt zusammen mit einer anhaltenden Trommelfellperforation zur Schwere der Erkrankung und zum Hörverlust bei. Wenn ein Cholesteatom oder Granulationsgewebe im Mittelohr vorhanden ist, ist der Grad des Hörverlustes und der Zerstörung der Gehörknöchelchen noch größer. Perioden von Schallleitungsschwerhörigkeit durch Otitis media können sich nachteilig auf die Sprachentwicklung bei Kindern auswirken. Einige Studien haben Otitis media mit Lernproblemen, Aufmerksamkeitsstörungen und Problemen der sozialen Anpassung in Verbindung gebracht. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass Patienten mit Otitis media im Vergleich zu Personen mit normalem Gehör mehr Depressionen/Angststörungen haben. Sobald sich die Infektionen aufgelöst haben und die Hörschwellen wieder normalisiert haben, kann die Mittelohrentzündung im Kindesalter immer noch leichte und irreversible Schäden am Mittelohr und an der Cochlea verursachen.

Epidemiologie

Akute Otitis media ist in der Kindheit sehr verbreitet. Es ist die häufigste Erkrankung, die bei Kindern unter fünf Jahren behandelt wird.  Otitis media führte zu 2.400 Todesfällen im Jahr 2013 - gegenüber 4.900 Todesfällen im Jahr 1990.

Etymologie

Otitis media ist lateinisch für "Mittelohrentzündung".

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