Ringelröteln

(Erythema infectiosum)

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Was sind Ringelröteln?

Bei Ringelröteln handelt es sich um eine typische Kinderkrankheit, die jedoch auch bei Erwachsenen auftreten kann. In anderen Sprachräumen wird diese Krankheit übersetzt als Ohrfeigenkrankheit bezeichnet, da besonders im Wangen und Stirnbereich ein roter Hautausschlag entstehen kann. Es handelt sich um eine harmlose Krankheit, jedoch ist eine Infektion in der Schwangerschaft für das ungeborene Kind gefährlich. 

Gegen den Erreger der Ringelröteln gibt es keinen Impfstoff und diese Infektion ist nicht mit Röteln zu verwechseln!

Anzeichen von Ringelröteln

Die Erkrankung beginnt mit leichtem Fieber, Kopfschmerzen und Erkältungsähnlichen Symptomen, wie eine laufenden oder verstopfte Nase. Ähnlich wie bei Scharlach und Röteln beginnt diese Krankheit mit scheinbar harmlosen Erkältungssymptomen mit darauf folgendem Hautausschlag. Oft können bei Ringelröteln Durchfall und Übelkeit weitere Symptome sein.

Nach zwei bis fünf Tagen bildet sich der Ausschlag. Der leuchtend rote Ausschlag tritt am häufigsten im Gesicht auf, besonders an den Wangen. Bei Kindern sind die ersten Anzeichen rote Wangen; es zählt zu einem auffallenden Symptom. Einige Tage späterfolgt der typisch girlanden- oder ringelförmige Ausschlag der Ringelröteln. Dieser Ausschlag tritt jedoch nur bei etwa einem von vier Patienten auf. Scheinbar wird dieser Ausschlag nicht vom Ringelröteln-Virus ausgelöst, sondern durch die körpereigene Immunreaktion gegen den Ringelröteln-Erreger.

Der Ausschlag zeigt sich zunächst im Gesicht, besonders an Wangen und Stirn und breitet sich dann auf Arme, Beine und Po aus. Die roten Wangen sind ein aussagekräftiges Symptom der Infektion bei Kindern, daher der Name "slapped cheek disease" im englischen Sprachraum.

Gelegentlich erstreckt sich der Ausschlag über den Nasenrücken oder um den Mund herum, oft breitet sich der Ausschlag von der Nase her flügelförmig aus, weshalb er auch Schmetterlingsexanthem genannt wird. Zusätzlich zu den roten Wangen entwickeln Kinder oft einen roten, stecknadelkopfgrißen Ausschlag am Rest des Körpers, wobei die Oberarme, der Oberkörper und die Beine die häufigsten Stellen sind. Der Ausschlag dauert in der Regel ein paar Tage und kann jucken; jedoch juckt der Ausschlag in der Regel nicht. 

Ist der Ausschlag ausgebrochen sind die Patienten in der Regel nicht mehr infektiös. Jugendliche und Erwachsene können mit einer selbstlimitierten Arthritis auftreten. Es manifestiert sich in einer schmerzhaften Schwellung der Gelenke, die sich ähnlich wie Arthritis anfühlt. Ältere Kinder und Erwachsene können Schwierigkeiten beim Gehen und beim Beugen von Gelenken wie Handgelenken, Knien, Knöcheln, Fingern und Schultern haben.

Die Krankheit ist in der Regel mild, kann aber in bestimmten Risikogruppen schwerwiegende Folgen haben:

  • Bei schwangeren Frauen wurde die Infektion im ersten Trimester mit Hydrops fetalis in Verbindung gebracht, was zu spontanen Fehlgeburten führte. Anders als bei Röteln kommt es nicht zu angeborenen Schädigung, entweder stirbt das Ungeborene im Mutterleib oder es kommt gesund zur Welt.
  • Das Ungeborene kann aufgrund einer infektiös bedingten Blutarmut (Anämie) an Wasseransammlungen leiden oder das Herz versagt
  • Bei Menschen mit Sichelzellkrankheiten oder anderen Formen der chronischen hämolytischen Anämie, wie z.B. der hereditären Sphärozytose, kann eine Infektion eine aplastische Krise auslösen.
  • Diejenigen, die immunsupprimiert sind (HIV/AIDS, Chemotherapie), können bei Exposition Komplikationen riskieren.

Diagnose Ringelröteln

Anhand des typischen Hautausschlags können Ringelröteln diagnostiziert werden. Ein Bluttest kann den Verdacht auf diese Krankheit bestätigen, entweder sind im Blut Antikörper gegen das Ringelröteln-Virus zu finden oder das Virus selbst.

Übertragung des Virus

Auslöser der Ringelröteln ist der Erreger Parvovirus B19. Dieser Virus wird durch Tröpfcheninfektion, also hauptsächlich durch Atemwegssekrete (Speichel, Schleim, etc.) übertragen, kann aber auch durch Kontakt mit infiziertem Blut übertragen werden. Die Inkubationszeit (die Zeit zwischen der Erstinfektion und dem Auftreten der Symptome) liegt in der Regel zwischen 4 und 21 Tagen.

In der Regel sind Schulkinder, Kindergärtner, Lehrer und Eltern dem Virus am ehesten ausgesetzt. Wenn die Symptome offensichtlich sind, ist das Risiko einer Übertragung gering; daher müssen symptomatische Personen nicht isoliert werden.

Behandlung von Ringelröteln

Es gibt keine akute Behandlung gegen Ringelröteln, lediglich die Beschwerden können gelindert werden. Die Behandlung ist unterstützend, da die Infektion häufig selbstlimitierend ist. Antipyretika (d.h. Fiebersenker) werden häufig eingesetzt. Der Ausschlag juckt normalerweise nicht, kann aber leicht schmerzhaft sein. Es wird keine spezifische Therapie empfohlen.

Verlauf der Erkrankung

Oft bemerken Infizierte gar nicht, dass sie sich mit dem Erreger der Ringelröteln angesteckt haben. Besonders bei jungen Frauen kann es sein, dass die üblichen Symptome ausfallen und lediglich Gelenkschmerzen auftreten. Generell sind Ringelröteln ungefährlich und der Körper schafft es von selbst die Infektion erfolgreich zu bekämpfen. Jedoch kann es bei Schwangeren und Menschen mit geschwächten Immunsystem zu Komplikationen kommen. 

Wie weit sind Ringelröteln verbreitet

Jedes Alter kann betroffen sein, obwohl es am häufigsten bei Kindern im Alter von 5 bis 15 Jahren vorkommt. Bis zum Erreichen des Erwachsenenalters wird etwa die Hälfte der Bevölkerung nach einer Infektion irgendwann in der Vergangenheit immun geworden sein. Ausbrüche können vor allem in Kindergärten, Vorschulen und Grundschulen auftreten. Infektionen sind ein Berufsrisiko für Schul- und Tagespflegepersonal. Für das humane Parvovirus B19 gibt es keinen Impfstoff, obwohl man versucht hat, einen zu entwickeln.

Die Röteln-Impfung bietet keinen Schutz gegen Ringelröteln! Jedoch sind die meisten Menschen nach einer Ringelröteln-Erkrankung dauerhaft immun. 

Geschichte

Es wurde erstmals 1799 von Robert Willan als "rubeola, sine catarrho" beschrieben. Sie wurde 1889 von Anton Tschamer besser als"Ortliche Rotheln" definiert, 1896 von Theodor Escherich als eigenständiger Zustand identifiziert und 1899 als "erythema infectiosum" bezeichnet. Das Virus wurde erstmals 1957 an der University of Pennsylvania von Werner, Brachman et al. beschrieben.

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