Psychose

(Geisteskrankheit)

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Psychose-Definition

Psychose ist ein Sammelbegriff für verschiedene psychische Störungen, die sich darin äußern, dass der der oder die Betroffene den Bezug zur Realität verliert. Ein einheitliches Krankheitsbild ist aufgrund unterschiedlicher Formen einer Psychose und verschiedenen Ursachen nicht möglich. Allen Betroffenen ist gemein, dass ihr Denken, die Wahrnehmung oder die Motorik gestört ist. Typische Symptome sind Wahnvorstellungen wie das Hören von Stimmen, die Überzeugung verfolgt zu werden oder Halluzinationen. Diese Halluzinationen und Wahnvorstellungen scheinen für den Betroffenen der Realität zu entsprechen, sodass dieser oft nicht merkt, dass er psychisch krank ist.

Anzeichen und Symptome einer Pschose

Halluzinationen

Eine Halluzination ist definiert als Sinneswahrnehmung ohne äußere Reize. Halluzinationen unterscheiden sich von Illusionen oder Wahrnehmungsverzerrungen, die die falsche Wahrnehmung von äußeren Reizen sind. Halluzinationen können in allen Sinnen auftreten und fast jede Form annehmen, die einfache Empfindungen (wie Licht, Farben, Geschmäcker und Gerüche) bis hin zu Erfahrungen wie das Sehen und Interagieren mit Tieren und Menschen, das Hören von Stimmen und komplexe taktile Empfindungen umfassen kann. Halluzinationen werden allgemein als lebhaft und unkontrollierbar bezeichnet. Auditive Halluzinationen, insbesondere das Hören von Stimmen, sind das häufigste Merkmal einer Psychose.

Bis zu 15% der Bevölkerung können akustische Halluzinationen erleben. Die Prävalenz bei Schizophrenie liegt im Allgemeinen bei etwa 70%, kann aber bis zu 98% betragen. Während des frühen 20. Jahrhunderts waren akustische Halluzinationen häufiger als visuelle Halluzinationen. Auditive Halluzinationen in From Stimmen zu hören, ist am häufigsten verbreitet. Wenn Stimmen vorhanden sind, wurde die durchschnittliche Anzahl auf drei geschätzt. Der Inhalt, wie die Häufigkeit, unterscheidet sich erheblich, vor allem zwischen den Kulturen und der Demographie. Menschen, die akustische Halluzinationen erleben, können häufig die Lautstärke, den Entstehungsort und die Identität von Stimmen erkennen.

Halluzinationen können einer Person befehlen, etwas zu tun, das gefährlich sein kann. Extrakampine Halluzinationen sind akustische Halluzinationen, die von einem bestimmten Körperteil (z.B. einer Stimme aus dem Knie einer Person) ausgehen. Visuelle Halluzinationen treten bei etwa bei einem Drittel der Menschen mit Schizophrenie auf. Häufig handelt es sich dabei um animierte Objekte, obwohl Wahrnehmungsstörungen wie Lichtveränderungen, Schattierungen, Streifen oder Linien auftreten können. Visuelle Anomalien können mit propriozeptiven Informationen kollidieren, und Visionen können Erfahrungen wie das Kippen des Bodens beinhalten. Liliputanische Halluzinationen sind bei Schizophrenie seltener und treten häufiger bei verschiedenen Formen der Enzephalopathie auf (z.B. Halluzinose). Eine viszerale Halluzination, auch cenesthetic hallucination genannt, ist durch viszerale Empfindungen in Abwesenheit von Reizen gekennzeichnet. Cenesthetic Halluzinationen können Empfindungen des Brennens oder der Neuanordnung der inneren Organe einschließen.

Wahnvorstellungen-Paranoia

Psychosen können dazu führen, dass der oder die Betroffene wahrhaft von den Wahnvorstellungen, die mit einer Psychose einhergehen, überzeugt ist. Wahnvorstellungen sind falsche Überzeugungen, die nicht durch Beweise gestützt werden oder an die trotz widersprüchlicher Beweise geglaubt wird. Wahnvorstellungen sind unvereinbar mit gesellschaftlichen Normen, und einige Überzeugungen stellen in bestimmten Kulturen Wahnvorstellungen dar. Das Glauben an übernatürliche Kräfte ist in der Allgemeinbevölkerung relativ verbreitet, etwa ein Viertel der Menschen glaubt, dass sie eine besondere Macht haben und ein Drittel glaubt an Telepathie. Das Unterscheidungsmerkmal zwischen wahnhaftem Denken und  Wahnvorstellungen ist der Grad, mit dem sie das Denken beeinflussen. Die Wahnvorstellungen hängen von verschiedenen Faktoren an; kulturelle Normen (z.B. die Religiösität) spielen eine wichtige Rolle. 

Die häufigste Art der Wahnvorstellungen ist der Verfolgungswahn: Wenn eine Person glaubt, dass eine andere Person, Organisation oder Gruppe sie verfolgt und versucht, sie zu schädigen. Andere Wahnvorstellungen sind folgende: Die sogenannte Grandiose Wahnvorstellungen (Wahnvorstellungen, dass eine Person eine besondere Macht innehat), Gedankenübertragung (der Glaube, dass die eigenen Gedanken hörbar sind) und Gedankeneinfügung (der Glaube, dass die eigenen Gedanken nicht mehr die eigenen sind).

Das DSM-5 charakterisiert bestimmte Wahnvorstellungen als "bizarr", wenn sie eindeutig unplausibel oder im kulturellen Kontext unvereinbar sind. Der Begriff der bizarren Wahnvorstellungen wurde als zu subjektiv kritisiert. Historisch gesehen hat Karl Jaspers psychotische Wahnvorstellungen in primäre und sekundäre Typen eingeteilt. Primäre Wahnvorstellungen werden definiert als plötzlich auftretend und im Sinne normaler mentaler Prozesse nicht nachvollziehbar, während sekundäre Wahnvorstellungen typischerweise durch den Hintergrund oder die aktuelle Situation der Person (z.B. Ethnizität; auch religiöse, abergläubische oder politische Überzeugungen) beeinflusst werden.

Desorganisation im Denken/Sprechen und der Motorik

Desorganisation ist unterteilt in unorganisiertes Sprechen oder Denken und grob unorganisiertes motorisches Verhalten.

Unorganisierte Sprache, auch formale Denkstörung genannt, ist eine Unordnung des Denkens, die aus der Sprache abgeleitet wird. Zu den Merkmalen des unorganisierten Sprechens gehören schnell wechselnde Themen, die als Entgleisung oder lose Assoziation bezeichnet werden; Wechsel zu Themen, die nichts miteinander zu tun haben, die als tangentiales Denken bezeichnet werden; unverständliche Sprache, die als Wortsalat oder Inkohärenz bezeichnet wird.

Unorganisiertes motorisches Verhalten schließt selten Katatonie (Schizophrenie mit Krampfzuständen der Muskeln und Wahnideen) ein, obwohl es in der Vergangenheit oft miteinander einher ging, wird es heute selten gesehen. Ob dies auf historisch bedingte Behandlungen zurückzuführen ist oder nicht, ist nicht bekannt. Catatonia beschreibt einen zutiefst aufgeregten Zustand, in dem die Erfahrung der Realität allgemein als beeinträchtigt gilt. Es gibt zwei Hauptmanifestationen katatonischen Verhaltens. Die klassische Präsentation ist eine Person, die sich im Wachzustand nicht bewegt oder mit der Welt interagiert. Diese Art der Katatonie präsentiert sich mit wachsartiger Flexibilität.

Diese Waxy Flexibilität ist dann vorhanden, wenn sich jemand physisch bewegt, diese Bewegung jedoch unnatürlich ist, wie die Bewegung einer Person den Arm gerade in die Luft und den Arm bleiben dort. Die andere Art der Katatonie ist eher eine äußerliche Darstellung des oben beschriebenen zutiefst aufgeregten Zustands. Es geht um exzessives und zweckloses motorisches Verhalten, aber auch um extreme mentale Besorgnis, die ein intaktes Erleben der Realität verhindert. Ein Beispiel ist jemand, der sehr schnell im Kreis läuft und dabei alles andere ausklammert, was vor dem Auftreten des Symptoms nicht typisch für die Person war. Bei beiden Arten der Katatonie gibt es im Allgemeinen keine Reaktion auf das, was in der ihnen umgebenen Umwelt geschieht. Es ist wichtig, katatonische Agitation von schwerer bipolarer Manie zu unterscheiden, obwohl auch beides zusammen auftreten kann. 

Symptome für eine Desorganisation

Symptome, die auf Desorganisation hinweisen können, sind verminderte Emotionalität und Probleme mit der Äußerung von Gefühlen, verminderte Motivation und verminderte Spontaneität.

Auslöser: Wie entwickelt sich eine Psychose?

Halluzinationen ohne psychische Erkrankung sind keine Seltenheit

Kurze Halluzinationen sind bei Menschen ohne psychiatrische Erkrankungen keine Seltenheit. Ursachen oder Auslöser sind unter anderem:

  • Einschlafen und Aufwachen: hypnagogische und hypnopompöse Halluzinationen, die völlig normal sind,
  • Trauerfall, bei dem Halluzinationen eines verstorbenen Angehörigen üblich sind, 
  • oder schwerer Schlafentzug.

Trauma in der Kindheit als mögliche Ursache

Es gibt Hinweise darauf, dass ein Trauma in der Kindheit das Risiko einer Psychose erhöht. Etwa 65% derjenigen, die an einer Psychose leiden, haben ein Kindheitstrauma (Missbrauch und Vernachlässigung) erlitten. Die Beziehung scheint kausal und kumulativ zu sein, das heißt je mehr negative Ereignisse in der Kindheit auftreten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Art von Psychose entsteht.

Psychiatrische Störung

Aus diagnostischer Sicht wird angenommen, dass organische Störungen durch eine körperliche Erkrankung des Gehirns (psychiatrische Störungen, die anderen Zuständen untergeordnet sind) verursacht werden, die als Störungen der geistigen Funktion ohne körperliche Störungen (primäre psychische oder psychiatrische Störungen) betrachtet werden. Subtile körperliche Anomalien werden bei Krankheiten diagnostiziert, die traditionell als funktionell gelten, wie es beispielsweise bei Schizophrenie der Fall ist. Die DSM-IV-TR vermeidet die funktionelle/organische Unterscheidung und listet stattdessen traditionelle psychotische Erkrankungen und Psychosen aufgrund allgemeiner Erkrankungen und substanzbedingte Psychosen auf.

Primäre psychiatrische Ursachen der Psychose können sein:

  • Schizophrenie,
  • affektive (Stimmungs-)Störungen, einschließlich schwerer Depressionen und schwerer Depressionen oder Manie bei bipolaren Störungen (manische Depressionen) Menschen, die eine psychotische Episode im Zusammenhang mit Depressionen erleben, können Verfolgungswahn oder Halluzinationen erleben, während Menschen, die eine psychotische Episode im Zusammenhang mit Manie erleben, grandiose Wahnvorstellungen bilden können,
  • schizoaffektive Erkrankung, die sowohl Symptome von Schizophrenie als auch von Stimmungsstörungen mit sich bringt,
  • kurze psychotische Störung oder akute/transiente psychotische Störung,
  • wahnhafte Erkrankung (anhaltende wahnhafte Erkrankung) oder
  • chronische Halluzinations-Psychosen.

Weitere psychotische Symptome:

  • schizotype Persönlichkeitsstörung,
  • bestimmte Persönlichkeitsstörungen bei Stress (einschließlich paranoider Persönlichkeitsstörung, schizoider Persönlichkeitsstörung und Borderline-Persönlichkeitsstörung),
  • schwere depressive Störung, obwohl es möglich und wahrscheinlicher ist, eine schwere Depression ohne Psychose zu haben,
  • bipolare Störung in der manische und gemischte Episoden der bipolaren I-Störung und der depressiven Episoden der beiden bipolaren I und bipolaren II möglich ist. Jedoch müssen solche Symptome nicht zwangsläufig mit Psychosen zusammenhängen,
  • posttraumatische Belastungsstörung,
  • induzierte Wahnvorstellung,
  • Zwangsstörung(en) oder
  • Dissoziative Störungen, aufgrund vieler sich überschneidender Symptome, beinhaltet die sorgfältige Differentialdiagnose besonders dissoziativer Identitätsstörungen.

Es ist bekannt, dass Stress zu psychotischen Zuständen beiträgt und diese auslösen kann. Eine Geschichte von psychologisch traumatischen Ereignissen und die jüngste Erfahrung eines stressigen Ereignisses können beide zur Entwicklung einer Psychose beitragen. Die durch Stress ausgelöste kurzlebige Psychose wird als kurze reaktive Psychose bezeichnet und der Zustand der Patienten kann sich innerhalb von zwei Wochen wieder normalisieren und stabilisieren. 

In einigen seltenen Fällen können Personen über viele Jahre hinweg in einem Zustand einer ausgeprägten Psychose verharren oder haben psychotische Symptome wie Halluzinationen in geringer Intensität. Neurotizismus ist ein unabhängiger Prädiktor für die Entwicklung der Psychose.

Untertypen von Psychosen

Zu den Subtypen der Psychose gehören:

  • die Menstruationspsychose, einschließlich der circa-mensualen (etwa monatlichen) Periodizität, im Rhythmus des Menstruationszyklus.
  • die Postpartale Psychose, die vor kurzem nach der Geburt auftrat.
  • die Monothematische Wahnvorstellungen.
  • die Myxedematöse Psychose.
  • eine Stimulierende Psychose.
  • eine verspätete Psychose.
  • eine gemeinsame Psychose.

Zykloidenpsychose

Zykloidenpsychose ist eine Psychose, die sich von einer minimalen zu einer vollwertigen Psychose entwickelt und in der Regel zwischen einigen Stunden und Tagen besteht, aber nicht im Zusammenhang mit der Einnahme von Medikamenten oder Hirnverletzungen auftritt. Die Zykloidenpsychose hat eine lange Geschichte in der europäischen Psychiatriediagnostik. Der Begriff "Zykloidenpsychose" wurde erstmals 1926 von Karl Kleist verwendet. Trotz der hohen klinischen Relevanz wird diese Diagnose sowohl in der Literatur als auch in der Nosologie vernachlässigt. Die Zykloidenpsychose hat in der internationalen Literatur der letzten 50 Jahre großes Interesse geweckt, jedoch ist die Zahl der wissenschaftlichen Studien in den letzten 15 Jahren stark zurückgegangen.

Die Zykloidenpsychose wird daher in den verwendeten diagnostischen Klassifikationssystemen nur teilweise beschrieben. Die Zykloidenpsychose ist jedoch eine spezifische Krankheit, die sich sowohl von der manisch-depressiven Störung als auch von der Schizophrenie unterscheidet, obwohl die Zykloidenpsychose sowohl bipolare (Grundstimmung) als auch schizophrene Symptome umfassen kann. Die Krankheit ist ein akuter, meist selbstlimitierender, funktionell psychotischer Zustand mit einem sehr unterschiedlichen Krankheitsbild, das fast immer durch ein gewisses Maß an Verwirrung oder beunruhigender Verwirrung, vor allem aber durch die vielfältigen und vielfältigen Ausdrucksformen der Krankheit gekennzeichnet ist.

Hauptmerkmale der Erkrankung ist der akute Ausbruch, das gemeinsame Auftreten anderer Symptome und typischerweise, dass der Akut-Zustand in einen Langzeit-Zustand übergeht.

Darüber hinaus umfassen die diagnostischen Kriterien mindestens vier der folgenden Symptome:

  • Verwirrung,
  • Stimmungsinkongruente Wahnvorstellungen,
  • Halluzinationen,
  • Pan-Angst, eine schwere Angst, die nicht an bestimmte Situationen oder Umstände gebunden ist,
  • Glück oder Ekstase,
  • Motilitätsstörungen des akinetischen oder hyperkinetischen Typs,
  • Sorge bezüglich des Todes,
  • und/oder Stimmungsschwankungen bis zu einem gewissen Grad.

Zykloidenpsychose tritt bei Menschen im Alter von 15-50 Jahren auf.

Medizinische Bedingungen, die eine Pyschose begünstigen können

Eine sehr große Anzahl von Erkrankungen kann eine Psychose verursachen, die manchmal auch als sekundäre Psychose bezeichnet wird. 

Mögliche Ursachen sind: 

  • Delirium verursachende Störungen (toxische Psychose), bei denen das Bewusstsein gestört ist.
  • Neuroentwicklungsstörungen und Chromosomenanomalien, einschließlich des velocardiofazialen Syndroms.
  • neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Demenz mit Lewy-Körpern und Parkinson-Krankheit.
  • fokale neurologische Erkrankungen wie Schlaganfälle, Hirntumore, Multiple Sklerose und einige Formen der Epilepsie.
  • Malignität (typischerweise über Massen im Gehirn, paraneoplastische Syndrome).
  • infektiöse und postinfektiöse Syndrome, einschließlich Delirium, virale Enzephalitis, HIV/AIDS, Malaria oder Syphilis.
  • endokrine Erkrankungen wie Hypothyreose, Hyperthyreose, Cushing-Syndrom, Hypoparathyreose und Hyperparathyreoidismus; Sexualhormone beeinflussen auch psychotische Symptome und manchmal kann die Geburt eine Psychose auslösen, die als postpartale Psychose bezeichnet wird.
  • angeborene Stoffwechselstörungen, wie z.B. Bernsteinsäure-Semialdehyd-Dehydrogenase-Mangel, Porphyrie und metachromatische Leukodystrophie.
  • Nährstoffmangel, wie z.B. Vitamin B12-Mangel.
  • andere erworbene Stoffwechselstörungen, einschließlich Elektrolytstörungen wie Hypokalzämie, Hypernatriämie, Hyponatriämie, Hypokaliämie, Hypomagnesiämie, Hypermagnesiämie, Hyperkalzämie und Hypophosphatämie, aber auch Hypoglykämie, Hypoxie und Versagen der Leber oder der Nieren.
  • Autoimmun- und verwandte Erkrankungen wie systemischer Lupus erythematodes">Lupus erythematodes (Lupus, SLE), Sarkoidose, Hashimoto-Enzephalopathie, Anti-NMDA-Rezeptor-Enzephalitis und Nicht-Zöliakie-Empfindlichkeit.
  • Vergiftungen durch therapeutische Medikamente (siehe unten), Freizeitdrogen (siehe unten) und eine Reihe von Pflanzen, Pilzen, Metallen, organischen Verbindungen und einigen tierischen Giftstoffen.
  • einige Schlafstörungen, einschließlich Halluzinationen bei Narkolepsie (bei denen der REM-Schlaf in die Wachsamkeit eindringt).

Psychoaktive Drogen

Verschiedene psychoaktive Substanzen (sowohl legale als auch illegale) wurden einbezogen, um bei Nutzern das unterschiedliche Evidenzniveau zu untersuchen. Nach dem Gebrauch über einen längeren Zeitraum kann es zu einer Vergiftung führen. Personen, die unter einer substanzinduzierte Psychose leiden, neigen zu einen gesteigerten Bewusstsein für ihre Psychose und ein höheres Maß an Selbstmordgedanken zu haben als Personen, die eine primäre psychotische Krankheit haben. Zu den Drogen, die üblicherweise psychotische Symptome hervorrufen, gehören Alkohol, Cannabis, Kokain, Amphetamine, Kathinone, psychedelische Drogen (wie LSD und Psilocybin), κ-Opioidrezeptoragonisten (wie Enadolin und Salvinorin A) und NMDA-Rezeptorantagonisten (wie Phencyclidin und Ketamin).

Alkohol als möglicher Auslöser einer Psychose

Etwa drei Prozent der Menschen, die an Alkoholismus leiden, erleiden eine Psychose bei akuter Vergiftung oder während des Entzugs. Alkoholbedingte Psychosen können sich durch einen Anzündmechanismus manifestieren. Der Mechanismus der alkoholbedingten Psychose ist auf die Langzeiteffekte des Alkohols zurückzuführen, die zu Verzerrungen der neuronalen Membranen, Genexpression und Thiaminmangel führen. In einigen Fällen ist es möglich, dass Alkoholmissbrauch über einen Anzündmechanismus die Entwicklung einer chronisch substanzinduzierten psychotischen Störung, das heißt eine Schizophrenie, auslösen kann. Die Folgen einer alkoholbedingten Psychose sind ein erhöhtes Risiko für Depressionen und Selbstmord sowie psychosoziale Beeinträchtigungen.

Cannabiskonsum als Auslöser

Nach einigen Studien wird Cannabis umso häufiger konsumiert, je wahrscheinlicher die Entwicklung einer psychotischen Erkrankung ist, wobei der häufige Konsum mit dem doppelten Risiko an einer Psychose und Schizophrenie zu erkranken, korreliert. Während der Cannabiskonsum von einigen als Mitverursacher von Schizophrenie angesehen wird, bleibt dies weiterhin umstritten, obwohl die bereits bestehende Anfälligkeit für Psychosen als Schlüsselfaktor für den Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Psychose gilt.

Einige Studien deuten darauf hin, dass die Wirkungen zweier Wirkstoffe in Cannabis, Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), in Bezug auf die Psychose entgegengesetzte Wirkungen haben. Während THC bei gesunden Menschen psychotische Symptome hervorrufen kann, kann CBD die durch Cannabis verursachten Symptome reduzieren. Der Cannabiskonsum hat in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen, während die Rate der Psychosen nicht zugenommen hat. Gemeinsam deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass Cannabiskonsum den Beginn der Psychose bei denjenigen beschleunigen kann, die bereits für eine Psychose prädisponiert sind. High-Potency Cannabiskonsum scheint tatsächlich den Beginn der Psychose bei prädisponierten Patienten zu beschleunigen. Eine Studie aus dem Jahr 2012 kam zu dem Schluss, dass Cannabis eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Psychosen bei gefährdeten Personen spielt und dass der Cannabiskonsum in der frühen Jugend verhindert werden sollte.

Der Konsum von Methamphetamin als Auslöser

Methamphetamin induziert eine Psychose bei 26-46 Prozent der Konsumenten. Einige dieser Menschen entwickeln eine langanhaltende Psychose, die länger als sechs Monate andauern kann. Die, die eine kurzlebige Psychose durch den Konsum von Methamphetamine hatten, können einen Rückfall der methamphetamine Psychose Jahre nach einem Druckereignis wie extremer Schlaflosigkeit oder erhöhtem Alkoholmissbrauch erleiden. Personen, die eine lange Geschichte des Methamphetaminmissbrauchs haben und die Psychosen in der Vergangenheit durch den Methamphetaminmissbrauch erfahren haben, gelangen sehr wahrscheinlich, schnell zurück in eine Methamphetaminpsychose innerhalb einer Woche.

Medikamente, die psychotische Zustände auslösen können

Die Verabreichung oder auch der Entzug einer großen Anzahl von Medikamenten kann psychotische Symptome hervorrufen. Drogen, die Psychosen einem signifikanten Anteil der Menschen hervorrufen können, sind Amphetamin und andere Sympathomimetika, Dopaminagonisten, Ketamin, Kortikosteroide (oft mit Stimmungsschwankungen ) und einige Antikonvulsiva wie Vigabatrin. Stimulanzien, die dies verursachen können, sind unter anderem Lisdexamfetamin. Meditation kann psychische Nebenwirkungen hervorrufen, einschließlich Depersonalisierung, Derealisierung und psychotische Symptome wie Halluzinationen sowie Stimmungsstörungen.

Pathophysiologie-Funktionsstörung

Neuroimaging

Das erste Hirnbild einer Person mit Psychose wurde bereits 1935 mit einer Technik namens Pneumoenzephalographie (ein schmerzhaftes und inzwischen veraltetes Verfahren, bei dem die Hirnflüssigkeit um das Gehirn herum abgelassen und durch Luft ersetzt wird, um die Struktur des Gehirns auf einem Röntgenbild besser sichtbar zu machen) erstellt. Sowohl die erste Episodenpsychose als auch der hohe Risikostatus sind mit einer Verringerung des Volumens der Grauen Substanz verbunden. Erste Episoden psychotischer und risikoreicher Populationen sind mit ähnlichen, aber deutlichen Anomalien bei GMV assoziiert. Reduzierungen im rechten mittleren temporalen Gyrus, rechten oberen temporalen Gyrus, rechten parahippocampus, rechten Hippocampus, rechten mittleren frontalen Gyrus und linken vorderen cingulären Kortex werden in Hochrisiko-Populationen beobachtet. Verringerungen in der ersten Episode  überspannen eine Region von der rechten STG zur rechten Insula, zur linken Insula und zum Kleinhirn, und sind im rechten ACC, im rechten STG, in der Insula und im Kleinhirn strenger. Eine andere Metaanalyse berichtete über ähnliche Verringerungen in den temporalen, medialen frontalen und insularen Regionen, aber auch über erhöhte GMV im rechten lingualen Gyrus und im linken präzentralen Gyrus.

Die kraeplinische Dichotomie wird durch Anomalien der grauen Substanz bei bipolarer und schizophrener Schizophrenie in Frage gestellt; Schizophrenie unterscheidet sich von bipolarer Schizophrenie dadurch, dass die Regionen der Reduktion der grauen Substanz im Allgemeinen grösser sind, obwohl die Anpassung an Geschlechterunterschiede den Unterschied zur linken dorsomedialen präfrontalen Kortikalis und zur rechten dorsolateralen präfrontalen Kortikalis verringert. Bei Aufmerksamkeitsaufgaben ist die erste Episodenpsychose mit einer Hypoaktivierung im rechten mittleren frontalen Gyrus verbunden, einer Region, die allgemein als die dorsolaterale präfrontale Kortikalis (dlPFC) bezeichnet wird. In Übereinstimmung mit Studien über das Volumen der Grauen Substanz wird auch über Hypoaktivität in der rechten Insula und im rechten unteren Parietallappen berichtet.

Mit Ausnahme der reduzierten Deaktivierung des inferioren frontalen Gyrus während kognitiver Aufgaben (Hyperaktivierung) wird eine hochkonsistente und replizierbare Hypoaktivität in der rechten Insula, DACC und Precuneus sowie eine Hyperaktivität in den rechten Basalganglien und Thalamus beobachtet. Bei der dorsalen ACC, der rechten vorderen/mittleren Insula und der linken mittleren Insula wird ein vermindertes Volumen an Grauer Substanz in Verbindung mit Hypoaktivität beobachtet. Im ventralen ACC (dem pgACC und sgACC) und weiteren hinteren Bereichen der Insula wird ein vermindertes Volumen an Grauer Substanz und Hyperaktivität gemeldet.

Wie entstehen Halluzinationen kognitiv?

Studien während einer akuten Halluzination zeigen eine erhöhte Aktivität in primären oder sekundären sensorischen Kortikalen. Da auditorische Halluzinationen bei Psychosen am häufigsten auftreten, gibt es die stärksten Hinweise auf eine erhöhte Aktivität im linken mittleren Temporal-Gyrus, im linken oberen Temporal-Gyrus und im linken unteren Frontal-Gyrus (im Bereich von Broca).

Aktivität im ventralen Striatum, Hippocampus und ACC stehen im Zusammenhang mit der Klarheit von Halluzinationen und deuten darauf hin, dass die Aktivierung oder Beteiligung von emotionalen Schaltkreisen der Schlüssel zu den Auswirkungen abnormaler Aktivität in sensorischen Kortikales sind. Zusammen weisen diese Befunde auf eine abnormale Verarbeitung von intern erzeugten Sinneserfahrungen hin, verbunden mit einer abnormalen emotionalen Verarbeitung, die zu Halluzinationen führt. Ein vorgeschlagenes Modell beinhaltet ein Versagen der Feedforward-Netzwerke von den sensorischen Kortikalen zur unteren frontalen Kortikalis, die die Aktivität der sensorischen Kortikalis während der intern erzeugten Sprache normal aufheben. Die daraus resultierende Störung in der erwarteten und wahrgenommenen Sprache soll luzide Halluzinationen hervorrufen.

Wahnvorstellungen

Das Zwei-Faktor-Modell der Wahnvorstellungen stellt fest, dass Dysfunktionen sowohl in Glaubensbildungssystemen als auch in Glaubensauswertungssystemen für Wahnvorstellungen notwendig zu sein scheinen. Eine Dysfunktion in den Evaluierungssystemen, die an der rechten lateralen präfrontalen Kortikalis lokalisiert sind, werden durch Neuroimaging-Studien unterstützt und sind kongruent mit ihrer Rolle bei der Konfliktüberwachung bei gesunden Personen.

Eine Abnormale Aktivierung und ein reduziertes Volumen ist bei Menschen mit Wahnvorstellungen, sowie bei Störungen im Zusammenhang mit Wahnvorstellungen wie frontotemporale Demenz, Psychose und Lewy-Körper-Demenz nachgewiesen worden. Darüber hinaus sind Läsionen in dieser Region mit "voreiligen Schlüssen", Schäden in dieser Region mit post-stroke Wahnvorstellungen und Hypometabolismus in dieser Region mit caudate Schlaganfällen, die mit Wahnvorstellungen verbunden sind, verbunden. Das anomale Salienzmodell legt nahe, dass Wahnvorstellungen darauf zurückzuführen sind, dass Menschen irrelevanten Reizen übermäßige Bedeutung beimessen. Zur Unterstützung dieser Hypothese zeigen Regionen, die normalerweise mit dem Salience-Netzwerk assoziiert sind, eine reduzierte graue Substanz bei Menschen mit Wahnvorstellungen, und der Neurotransmitter Dopamin, der stark in die Salience-Verarbeitung involviert ist, ist ebenfalls stark in psychotische Störungen verwickelt. Bestimmte Regionen wurden mit bestimmten Arten von Wahnvorstellungen in Verbindung gebracht. Das Volumen des Hippocampus und des Parahippocampus steht im Zusammenhang mit paranoiden Wahnvorstellungen bei der Alzheimer-Krankheit

Negative Symptome

Eine Psychose ist mit ventraler striataler Hypoaktivität während der Belohnungsvorwegnahme und des Feedbacks verbunden. Die Hypoaktivität im linken ventralen Striatum korreliert mit der Schwere der negativen Symptome. Während Anhedonie (geschlechtliche Empfindungslosigkeit) ein häufig berichtetes Symptom innerhalb einer Psychose, sind hedonische Erfahrungen bei den meisten Menschen mit Schizophrenie vorhanden. Die Beeinträchtigung, die sich als Anhedonie äußern kann, liegt wahrscheinlich in der Unfähigkeit, Ziele zu bestimmen und das Verhalten, das zur Erreichung der Ziele notwendig ist, zu erkennen und sich daran zu orientieren und dementsprechend zu handeln.

Studien unterstützen den Verdacht, dass ein Mangel in der neuronalen Darstellung von Zielen und zielorientiertem Verhalten existiert, indem sie zeigen, dass der Empfang (nicht die Antizipation) von Belohnungen mit einer robusten Reaktion im ventralen Striatum verbunden ist; Verstärkungslernen ist intakt, wenn Eventualitäten implizit sind, aber nicht, wenn sie eine explizite Verarbeitung erfordern; Belohnungsvorhersagefehler (während funktioneller Neuroimaging-Studien), besonders positive PEs sind abnormal; Die ACC-Reaktion, die als Indikator für die Aufwandszuweisung herangezogen wird, steigt nicht mit der Erhöhung der Belohnung oder der Belohnungswahrscheinlichkeit und ist mit negativen Symptomen verbunden; Defizite in der dlPFC-Aktivität und das Versagen, die Leistung bei kognitiven Aufgaben zu verbessern, wenn angebotene monetäre Anreize vorhanden sind; und Dopamin-vermittelte Funktionen sind abnormal.

Neurobiologie

Psychosen sind traditionell mit dem Neurotransmitter Dopamin verbunden. Insbesondere die Dopaminhypothese der Psychose war einflussreich und besagt, dass die Psychose aus einer Überaktivität der Dopaminfunktion im Gehirn resultiert, insbesondere im mesolimbischen Pfad. Die beiden Quellen, die diese Theorie stützen sind, dass Dopaminrezeptor D2 blockierende Medikament, (Antipsychotika) das dazu neigt, die Intensität psychotischer Symptome zu verringern und das Medikament, das die Dopaminfreisetzung verstärkt oder ihre Wiederaufnahme hemmt (wie Amphetamine und Kokain), die bei einigen Menschen Psychosen auslösen können (siehe Amphetamin-Psychose). Die NMDA-Rezeptor-Dysfunktion wurde als ein Mechanismus in der Psychose vorgeschlagen. Diese Theorie wird durch die Tatsache verstärkt, dass dissoziative NMDA-Rezeptor-Antagonisten wie Ketamin, PCP und Dextromethorphan (bei großen Überdosen) einen psychotischen Zustand auslösen.

Die Symptome der dissoziativen Intoxikation werden auch als Spiegel der Symptome der Schizophrenie angesehen, einschließlich negativer psychotischer Symptome. Der NMDA-Rezeptor-Antagonismus imitiert nicht nur Symptome, die an eine Psychose erinnern, sondern auch neurophysiologische Aspekte wie die Verringerung der Amplitude von P50, P300 und MMN evozierten Potentialen. Hierarchische Bayes'sche Neurocomputermodelle des sensorischen Feedbacks, in Übereinstimmung mit der Neuroimaging-Literatur, verbinden NMDA-Rezeptor-Hypofunktion mit wahnhaften oder halluzinatorischen Symptomen, indem sie ein Versagen von NMDA-vermittelten Top-down-Vorhersagen vorschlagen, um verbesserte Bottom-up-AMPA-vermittelte Vorhersagefehler angemessen auszugleichen.

Übermäßige Vorhersagefehler als Reaktion auf Reize, die normalerweise keine solche Reaktion hervorrufen würden, werden als übermäßige Hervorhebung von sonst alltäglichen Ereignissen angesehen. Dsyfunktion höher oben in der Hierarchie, wo die Darstellung abstrakter ist, könnte zu Wahnvorstellungen führen. Der häufige Befund einer verminderten GAD67-Expression bei psychotischen Störungen kann die verstärkte AMPA-vermittelte Signalübertragung erklären, die durch eine verminderte GABAerge Hemmung verursacht wird. Der Zusammenhang zwischen Dopamin und Psychose wird allgemein als komplex angesehen. Während der Dopaminrezeptor D2 die Adenylatzyklaseaktivität unterdrückt, erhöht der D1-Rezeptor sie. Werden D2-blockierende Medikamente verabreicht, läuft das blockierte Dopamin auf die D1-Rezeptoren über. Die erhöhte Adenylatzyklase-Aktivität beeinflusst die genetische Expression in der Nervenzelle, was Zeit braucht. Daher nehmen antipsychotische Medikamente eine oder zwei Wochen in Anspruch, um die Symptome der Psychose zu lindern.

Außerdem blockieren neuere und ebenso wirksame Antipsychotika tatsächlich etwas weniger Dopamin im Gehirn als ältere Medikamente und blockieren gleichzeitig 5-HT2A-Rezeptoren, was darauf hindeutet, dass die"Dopamin-Hypothese" zu stark vereinfacht sein könnte. Soja und Kollegen fanden keine Hinweise auf eine dopaminerge Dysfunktion bei Menschen mit alkoholbedingter Psychose und Zoldan et al. berichteten von einem mäßig erfolgreichen Einsatz von Ondansetron, einem 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten, bei der Behandlung der Levodopa-Psychose bei Parkinson-Patienten. Eine Überprüfung fand einen Zusammenhang zwischen einer ersten Episode von Psychose und Prädiabetes. Längerer oder hochdosierter Gebrauch von Psychostimulanzien kann das normale Funktionieren verändern, wodurch es der manischen Phase der bipolaren Störung ähnelt. NMDA-Antagonisten replizieren einige der so genannten "negativen" Symptome wie Denkstörungen in subanästhetischen Dosen (Dosen, die nicht ausreichen, um eine Anästhesie auszulösen) und Katatonie in hohen Dosen. Psychostimulanzien, besonders in einem, der bereits zu psychotischem Denken neigt, können einige "positive" Symptome hervorrufen, wie beispielsweise wahnhafte Überzeugungen, insbesondere solche, die in der Natur verfolgt werden.

Diagnose einer Psychose

Um eine Diagnose einer psychischen Erkrankung bei jemandem mit Psychose zu stellen, sind andere potentielle Ursachen weitestgehend auszuschließen. Eine erste Beurteilung beinhaltet eine umfassende Anamnese und körperliche Untersuchung durch einen Arzt. Tests können durchgeführt werden, um den Gebrauch von Substanzen, Medikamenten, Toxinen, chirurgischen Komplikationen oder anderen medizinischen Erkrankungen auszuschließen. Delirium sollte ausgeschlossen werden, das sich durch visuelle Halluzinationen, akuten Beginn und schwankende Bewusstseinsstufe, die auf andere zugrundeliegende Faktoren, einschließlich medizinischer Erkrankungen, hinweist, unterscheiden lässt.

Der Ausschluss medizinischer Erkrankungen im Zusammenhang mit Psychosen erfolgt durch Blutuntersuchungen:

  • Schilddrüsen-stimulierendes Hormon zum Ausschluss von Hypo- oder Hyperthyreose,
  • Basische Elektrolyte und Serum-Calcium, um eine Stoffwechselstörung auszuschließen,
  • Vollblutbild einschließlich ESR zum Ausschluss einer systemischen Infektion oder einer chronischen Erkrankung und
  • Serologie zum Ausschluss von Syphilis oder HIV-Infektion.

Andere Untersuchungen umfassen:

  • EEG zum Ausschluss von Epilepsie und eine
  • MRT oder CT des Kopfes, um Hirnläsionen auszuschließen.

Da die Psychose durch gängige Medikamentenklassen ausgelöst oder verschlimmert werden kann, sollte eine medikamenteninduzierte Psychose, insbesondere bei der Erstepisodenpsychose, ausgeschlossen werden. Sowohl substanz- als auch medikamenteninduzierte Psychosen können durch toxikologisches Screening mit hoher Sicherheit ausgeschlossen werden. Da einige Nahrungsergänzungsmittel auch eine Psychose oder Manie auslösen können, aber nicht mit Labortests ausgeschlossen werden können, sollte die Familie, der Partner oder die Freunde einer psychotischen Person gefragt werden, ob der Patient derzeit irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel einnimmt. Häufige Fehler bei der Diagnose von Menschen, die psychotisch sind, schließen ein:

  • Delirium nicht richtig auszuschließen,
  • Medizinische Anomalien (z.B. Lebenszeichen) nicht zu schätzen,
  • Keine Krankengeschichte und Familiengeschichte,
  • Wahlloses Screening ohne organisatorischen Rahmen,
  • Fehlen einer toxischen Psychose durch Nicht-Screening auf Substanzen und Medikamente
  • Nicht die Familie oder andere nach Nahrungsergänzungsmitteln fragen,
  • Vorzeitiger diagnostischer Verschluss und
  • Den ersten diagnostischen Eindruck einer primären psychiatrischen Störung nicht wieder aufgreifen oder in Frage stellen.

Erst nachdem relevante und typische Ursachen für Psychosen ausgeschlossen sind, kann ein Psychater eine psychiatrische Differentialdiagnose anhand der Familiengeschichte einer Person stellen. Arten von Psychosen bei psychiatrischen Störungen können durch formale Ratingskalen festgelegt werden. Die Brief Psychiatric Rating Scale (BPRS) bewertet das Niveau von 18 Symptomkonstrukten der Psychose wie Feindseligkeit, Verdacht, Halluzination und Grandiosität.

Dies basiert auf Interviews des Arztes mit dem Patienten und Beobachtungen über das Verhalten des Patienten in den letzten 2-3 Tagen. Die Familie des Patienten kann auch Fragen zum Verhaltensbericht beantworten. Während der Erstbeurteilung und der Nachsorge können sowohl positive als auch negative Symptome einer Psychose mit Hilfe der PANSS-Skala (Positive and Negative Symptom Scale) beurteilt werden. Das DSM-5 charakterisiert Störungen als psychotisch oder auf dem Schizophrenie-Spektrum, wenn sie Halluzinationen, Wahnvorstellungen, ungeordnetes Denken, grob ungeordnetes motorisches Verhalten oder negative Symptome beinhalten.

Das DSM-5 enthält keine Psychose als Definition im Glossar, obwohl es sowohl "psychotische Merkmale" als auch "Psychotik" in Bezug auf Persönlichkeitsstörungen definiert. Der ICD-10 hat keine spezifische Definition von Psychose. Die Faktorenanalyse von Symptomen, die allgemein als Psychose angesehen werden, ergibt häufig eine Fünf-Faktor-Lösung, wenn auch fünf Faktoren, die sich von den fünf durch das DSM-5 definierten Bereichen unterscheiden, um psychotische oder Schizophrenie-Spektrum-Störungen zu erfassen. Die fünf Faktoren werden häufig als Halluzinationen, Wahnvorstellungen, Desorganisation, Aufregung und emotionale Not bezeichnet. Das DSM-5 betont ein psychotisches Spektrum, wobei das untere Ende durch schizoide Persönlichkeitsstörungen und das obere Ende durch Schizophrenie gekennzeichnet ist.

Prävention einer Psychose

Die Evidenz für die Wirksamkeit von Frühinterventionen zur Vorbeugung von Psychosen scheinen nicht schlüssig zu sein. Während eine frühzeitige Intervention bei Personen mit einer psychotischen Episode die kurzfristigen Ergebnisse verbessern könnte, wurde nach fünf Jahren wenig Nutzen aus diesen Maßnahmen gezogen. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) das Risiko, psychotisch zu werden, bei Personen mit hohem Risiko verringern kann, und 2014 empfahl das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) eine präventive CBT für Menschen mit Psychoserisiko.

Behandlung einer Psychose

Die Behandlung der Psychose hängt von der spezifischen Diagnose ab, ob Schizophrenie, bipolare Störung oder Substanzvergiftung. Die Erstbehandlung vieler psychotischer Störungen ist eine antipsychotische Medikation, die die positiven Symptome der Psychose in etwa sieben bis vierzehn Tagen reduzieren kann.

Medikamentöse Behandlung

Die Wahl des Antipsychotikums richtet sich nach Nutzen, Risiken und Kosten. Es ist fraglich, ob typische oder atypische Antipsychotika besser sind. Vorläufige Beweise belegen, dass Amisulprid, Olanzapin, Risperidon und Clozapin bei positiven Symptomen wirksamer sein können, aber zu mehr Nebenwirkungen führen. Typische Antipsychotika haben bei niedriger bis mittlerer Dosierung die gleiche Ausfallrate und Symptom-Rezidivrate wie atypische Medikamente.

Es gibt eine gute Reaktion in 40-50%, eine partielle Reaktion in 30-40%, und Behandlung Widerstand (Versagen der Symptome zu reagieren zufriedenstellend nach sechs Wochen auf zwei oder drei verschiedene Antipsychotika) in 20% der Menschen. Clozapin ist eine wirksame Behandlung für diejenigen, die schlecht auf andere Medikamente ansprechen ("therapieresistente" oder "refraktäre" Schizophrenie), hat aber bei weniger als 4% der Menschen die potenziell schwerwiegende Nebenwirkung der Agranulozytose (verminderte Anzahl der weißen Blutkörperchen). Die meisten Menschen, die Antipsychotika nehmen bekommen Nebenwirkungen. Patienten, die auf Antipsychotika reagieren, haben ein erhöhtes Risiko Nebenwirkungen zu haben, während einige atypicals mit beträchtlicher Gewichtszunahme, Diabetes und der Gefahr des metabolischen Syndroms verbunden sind; dieses ist mit olanzapine am ausgeprägtesten, während risperidone und quetiapine auch mit Gewichtszunahme verbunden sind. Risperidon hat eine ähnliche Rate von extrapyramidalen Symptomen wie Haloperidol.

Akzeptanz- und Bindungstherapie

Psychologische Behandlungen wie Akzeptanz- und Bindungstherapie (ACT) sind möglicherweise hilfreich bei der Behandlung von Psychosen und helfen den Menschen, sich trotz herausfordernder Symptomatik mehr auf das zu konzentrieren, was sie in Bezug auf ihre Lebensgestaltung als wertvoll und sinnvoll erachten. 

Frühzeitige Intervention

Ein frühzeitiges Eingreifen in die Psychose basiert auf der Beobachtung, dass das Erkennen und Behandeln einer Person im Frühstadium einer Psychose ihr längerfristiges Ergebnis verbessern kann. Dieser Ansatz befürwortet die Verwendung eines intensiven multidisziplinären Ansatzes während der so genannten kritischen Phase, in der die Intervention am effektivsten ist, und verhindert die langfristige Morbidität im Zusammenhang mit chronischen psychotischen Erkrankungen.

Geschichte der Psychosen

Etymologie

Das Wort Psychose wurde 1841 von Karl Friedrich Canstatt in seiner Arbeit Handbuch der Medizinischen Klinik in die psychiatrische Literatur eingeführt. Er benutzte es als Abkürzung für"psychische Neurose". Zu dieser Zeit bedeutete Neurose jede Krankheit des Nervensystems, und Canstatt bezog sich damit auf das, was als psychologische Manifestation einer Hirnerkrankung galt. Ernst von Feuchtersleben wird die Einführung des Begriffs 1854 als Alternative zu Wahnsinn und Manie zugeschrieben. Der Begriff stammt aus der modernen lateinischen Psychose, "eine gebende Seele oder Leben zu, belebend, beschleunigend" und der aus dem Altgriechischen ψυχή (Psyche), "Seele" und dem Suffix -ωσις (-osis), in diesem Fall "abnormaler Zustand".

Klassifizierung

Das Wort wurde auch verwendet, um einen Zustand zu unterscheiden, der als Störung des Geistes gesehen wird, im Gegensatz zur Neurose, die als Störung des Nervensystems angesehen wird. Die Psychosen wurden so zum modernen Äquivalent des alten Begriffs des Wahnsinns, und so wurde viel darüber diskutiert, ob es nur eine (einheitliche) oder viele Formen der neuen Krankheit gab.

Im allgemeinen Sprachgebrauch manifestierte sich später das von Koch 1891 auf die"psychopathischen Minderwertigkeiten" - später von Schneider in"abnormale Persönlichkeiten" umbenannt - eingegrenzt. Die Einteilung der großen Psychosen in manisch-depressive Erkrankungen (heute bipolare Störung) und Demenz praecox (heute Schizophrenie) wurde von Emil Kraepelin vorgenommen, der versuchte, eine Synthese der verschiedenen psychischen Störungen zu schaffen, die von Psychiatern des 19. Jahrhunderts identifiziert wurden, indem er Krankheiten auf der Grundlage einer Klassifizierung der gemeinsamen Symptome zusammenfasst.

Kraepelin nutzte den Begriff "manisch-depressiver Wahnsinn", um das gesamte Spektrum der Stimmungsstörungen zu beschreiben, in einem weitaus weiteren Sinne als es heute üblich ist. In der Klassifikation von Kraepelin würde dies "unipolare" klinische Depressionen, sowie bipolare Störungen und andere Stimmungsstörungen wie Zyklothymie einschließen. Diese sind durch Probleme mit der Stimmungskontrolle gekennzeichnet, und die psychotischen Episoden treten in Verbindung mit Stimmungsstörungen auf, und die Patienten haben zwischen den psychotischen Episoden oft auch ohne Medikamente eine normale Funktionsperiode. Schizophrenie ist gekennzeichnet durch psychotische Episoden, die nichts mit Stimmungsstörungen zu tun haben, und die meisten nicht medikamentösen Patienten zeigen Anzeichen einer Störung zwischen den psychotischen Episoden.

Historische Entwicklung der Behandlungsmethoden

Frühe Zivilisationen betrachteten "den Wahnsinn" als ein übernatürliches Phänomen. Archäologen haben Schädel mit deutlich sichtbaren Bohrungen ausgegraben, von denen einige auf 5000 v. Chr. zurückgehen, was darauf hindeutet, dass das Trepanieren in der Antike eine gängige Behandlung für Psychosen war. Schriftliche Aufzeichnungen über übernatürliche Ursachen und daraus resultierende Behandlungen lassen sich bis ins Neue Testament zurückverfolgen. Markus 5,8-13 beschreibt einen Mann, der heute als psychotische Symptome bezeichnet wird. Christus heilte diesen "dämonischen Wahnsinn", indem er die Dämonen austrieb und in eine Herde von Schweinen schleuderte.

In einigen religiösen Kreisen wird der Exorzismus noch immer als Behandlung für Psychosen eingesetzt, die als dämonische Besessenheit gelten. Eine Forschungsstudie an ambulanten Patienten in psychiatrischen Kliniken ergab, dass 30 Prozent der religiösen Patienten die Ursache ihrer psychotischen Symptome auf böse Geister zurückführen. Viele dieser Patienten durchliefen exorzistische Heilungsrituale, die von den Patienten zwar weitgehend als positive Erfahrungen angesehen wurden, aber keinen Einfluss auf die Symptomatik hatten. Die Ergebnisse zeigten jedoch eine signifikante Verschlechterung der psychotischen Symptome im Zusammenhang mit dem Ausschluss der medizinischen Behandlung von Zwangsformen des Exorzismus.

Die medizinische Lehre des Philosophen und Arztes Hippokrates von Cos aus dem vierten Jahrhundert schlug eine natürliche, nicht übernatürliche Ursache menschlicher Krankheiten vor. In Hippokrates' Werk, dem Hippokratischen Korpus, wurde eine ganzheitliche Erklärung für Gesundheit und Krankheit entwickelt, die den Wahnsinn und andere "Krankheiten des Geistes" einschließt. Hippokrates schreibt: Die Menschen sollten wissen, dass aus dem Gehirn, und nur aus dem Gehirn, unsere Freuden, Freuden, Lachen und Scherze, sowie unsere Sorgen, Schmerzen, Trauer und Tränen entstehen. Gerade dadurch denken, sehen, hören und unterscheiden wir das Hässliche vom Schönen, das Schlechte vom Guten, das Angenehme vom Unangenehmen...... Es ist dasselbe, was uns wahnsinnig oder wahnsinnig macht, uns mit Angst und Schrecken erfüllt, ob bei Nacht oder bei Tag, Schlaflosigkeit, unangemessene Fehler, ziellose Ängste, Zerstreutheit und gewohnheitswidrige Handlungen mit sich bringt.

Hippokrates vertrat eine Theorie des Humoralismus, bei der die Krankheit auf ein sich veränderndes Gleichgewicht der Körperflüssigkeiten einschließlich Blut, Schleim, schwarzer Galle und gelber Galle zurückzuführen ist. Nach dem Humoralismus hat jede Flüssigkeit oder jeder "Humor" eine temperamentvolle oder verhaltensbedingte Korrelation. Im Falle einer Psychose wird angenommen, dass die Symptome durch einen Überschuss an Blut und gelber Galle verursacht werden. So war der  chirurgische Eingriff für psychotisches oder manisches Verhalten der Aderlass. Benjamin Rush, Arzt, Pädagoge und weithin anerkannter "Begründer der amerikanischen Psychiatrie", verschrieb auch Aderlass als Erstbehandlung bei einer Psychose. Obwohl er kein Befürworter des Humoralismus war, glaubte Rush, dass aktives Spülen und Aderlass wirksame Mittel bei Störungen im Kreislaufsystem seien, eine Komplikation, die er für die Hauptursache des "Wahnsinns" hielt, waren dementsprechend der Mangel dessen. Heute gelten Rush's Behandlungsmöglichkeiten als veraltet und brutal, trotzdem waren seine Beiträge zur Psychiatrie, nämlich die biologischen Grundlagen des psychiatrischen Phänomens einschließlich der Psychose, von unschätzbarem Wert für die Wissenschaft. Zu Ehren dieser Beiträge steht Benjamin Rush's Image im offiziellen Siegel der American Psychiatric Association. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Behandlung schwerer und anhaltender Psychosen durch die Betonung der Schockierung des Nervensystems gekennzeichnet. Zu diesen Therapien gehören die Insulinschocktherapie, die Cardiazolschocktherapie und die Elektrokonvulsionstherapie. Trotz erheblichem Risiko galt die Schocktherapie als hochwirksam bei der Behandlung von Psychosen einschließlich Schizophrenie. Die Akzeptanz von Hochrisikobehandlungen führte zu invasiven medizinischen Eingriffen einschließlich der Psychochirurgie. 1888 führte der Schweizer Psychiater Gottlieb Burckhardt die erste medizinisch sanktionierte Psychochirurgie durch, bei der die Hirnrinde entfernt wurde. Obwohl einige Patienten eine Besserung der Symptome zeigten, starb ein Patient und mehrere entwickelten eine Aphasie oder Anfallsleiden. Burckhardt veröffentlichte seine klinischen Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Arbeit. Dieses Verfahren wurde von der medizinischen Fachwelt kritisiert und seine akademischen und chirurgischen Bemühungen wurden weitgehend ignoriert.

In den späten 1930er Jahren konzipierte Egas Moniz die Leukotomie (AKA präfrontale Lobotomie), bei der die Fasern, die die Frontallappen mit dem Rest des Gehirns verbinden, durchtrennt wurden. Moniz' primäre Inspiration stammte aus einer Demonstration der Neurowissenschaftler John Fulton und Carlyles Experiment von 1935, bei dem zwei Schimpansen Leukotomien erhielten und das prä- und postoperative Verhalten verglichen wurde. Vor der Leukotomie haben sich die Schimpansen in typisches Verhalten wie Kotwerfen und Kämpfen verwickelt. Nach dem Eingriff waren beide Schimpansen beruhigt und weniger gewalttätig. Während der Fragerunde fragte Moniz, ob ein solches Verfahren auf Menschen ausgedehnt werden könne, eine Frage, die für Fulton zugegebenermaßen recht überraschend war. Moniz dehnte die umstrittene Praxis auf Menschen mit verschiedenen psychotischen Störungen aus, wofür er 1949 den Nobelpreis erhielt. Zwischen Ende der 1930er und Anfang der 1970er Jahre war die Leukotomie eine weit verbreitete Praxis, die oft in unsterilen Umgebungen wie kleinen Ambulanzen und Patientenhäusern durchgeführt wurde. Die Psychochirurgie blieb bis zur Entdeckung der antipsychotischen Pharmakologie in den 1950er Jahren Standard.

Die erste klinische Studie mit Antipsychotika (auch bekannt als Neuroleptika) zur Behandlung von Psychosen fand 1952 statt. Chlorpromazin (Markenname: Thorazin) bestand klinische Studien und wurde als erstes antipsychotisches Medikament zur Behandlung von akuter und chronischer Psychose zugelassen. Obwohl der Wirkmechanismus erst 1963 entdeckt wurde, markierte die Verabreichung von Chlorpromazin das Aufkommen des Dopamin-Antagonisten, dem Antipsychotikum der ersten Generation. Während klinische Studien eine hohe Ansprechrate sowohl bei akuter Psychose als auch bei Störungen mit psychotischen Merkmalen zeigten, waren die Nebenwirkungen besonders stark, was hohe Raten von oft irreversiblen Parkinson-Symptomen wie Spätdyskinesien einschloss. Mit dem Aufkommen der atypischen Antipsychotika (auch bekannt als Antipsychotika der zweiten Generation) kam ein Dopamin-Antagonist mit einer vergleichbaren Ansprechrate, aber einem weitaus anderen, wenn auch noch umfangreichen Nebenwirkungsprofil, das ein geringeres Risiko für Parkinson-Symptome, aber ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beinhaltet. Atypische Antipsychotika sind nach wie vor die Erstbehandlung von Psychosen im Zusammenhang mit verschiedenen psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen wie Schizophrenie, bipolare Störungen, schwere depressive Störungen, Angststörungen, Demenz und einige Autismus-Spektrumstörungen. Inzwischen ist bekannt, dass Dopamin der primäre Neurotransmitter ist, der in die psychotische Symptomatik involviert ist. Die Blockade der Dopaminrezeptoren (der Dopamin-D2-Rezeptoren) und die Abnahme der dopaminergen Aktivität sind also weiterhin ein wirksames, aber hochgradig unraffiniertes pharmakologisches Ziel der Antipsychotika. Neuere pharmakologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Abnahme der dopaminergen Aktivität keine psychotischen Wahnvorstellungen oder Halluzinationen auslöscht, sondern vielmehr die Belohnungsmechanismen abschwächt, die an der Entwicklung des wahnhaften Denkens beteiligt sind, d.h. die Verbindung oder das Finden von sinnvollen Beziehungen zwischen unzusammenhängenden Reizen oder Ideen.

Der Autor dieses Forschungspapiers erkennt die Bedeutung zukünftiger Untersuchungen an: Das hier vorgestellte Modell basiert auf unvollständigem Wissen über Dopamin, Schizophrenie und Antipsychotika - und muss sich als solches weiterentwickeln, wenn mehr darüber bekannt ist.

Kritik an der Pharmaindustrie

Der Psychiater David Healy hat pharmazeutische Unternehmen dafür kritisiert, dass sie vereinfachte biologische Theorien über psychische Erkrankungen fördern, die den Vorrang pharmazeutischer Behandlungen implizieren und dabei soziale und entwicklungspolitische Faktoren ignorieren, die als wichtige Einflüsse in der Ätiologie der Psychose bekannt sind.

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