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Zecken: Wie gefährlich sind Zeckenstiche wirklich?

Zecken: Wie gefährlich sind Zeckenstiche wirklich?

Mit den höheren Temperaturen rückt auch die Zeckenzeit näher. Bei vielen Menschen sorgen die kleinen Blutsauger regelrecht für Panik, denn Zecken können Krankheiten übertragen. Besonders vor Infektionen mit Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wird immer wieder gewarnt. Doch wie gefährlich sind Zecken wirklich? Gibt es in Deutschland bestimmte Risikogebiete? Muss jeder Zeckenbiss gefährlich sein? Erhalten Sie hier die wichtigsten Antworten rund um die Zecke.

Von Anastasia Johlen

Überlebenskünstler: Wann und wo kommen Zecken vor?

Zecken lauern nicht nur in den Tiefen von Wäldern und Wiesen, sondern auch im heimischen Garten oder in Parks. Wurden Zecken vor einigen Jahren überwiegend in Wald und Wiese vermutete, weiß man heute, dass Zecken auch in Kleingartenkolonien und Parks von Städten sitzen. Laut Experten ist diese Ausbreitung des Lebensraums besonders den Vögeln, Haus-, Wild-, und Nagetieren zuzuschreiben.

Vorwiegend in der milden Jahreszeit, etwa von April bis Oktober, befinden sich die kleinen Blutsauger in und auf Gebüsch, Gestrüpp und Gras.

In der Regel halten Zecken von November bis Februar Winterruhe, jedoch keinen Winterschlaf. So kann sich aufgrund von einem milden Winter die Zeckenaktivität durchaus früher zeigen.

Pflanzen auf Hüfthöhe sind perfekt

Es besteht der Mythos, dass sich Zecken von Bäumen fallen lassen und sich beim Wirt, ob Mensch oder Tier, festsaugen. Vielmehr befinden sich die Zecken auf Pflanzen in Hüfthöhe, wie Büsche, Sträucher und Gräser. Bis zu zwei Jahre lang können die kleinen Krabbeltiere ausharren und warten bis ein geeigneter Wirt vorbeikommt.

Zeckenbiss oder Zeckenstich: Stechen oder beißen Zecken?

Wissenschaftlich betrachtet beißen Zecken ihre Opfer nicht, sondern sie stechen. Deshalb muss im eigentlichen Sinne von einem Zeckenstich und nicht von einem Zeckenbiss gesprochen werden. Denn Zecken haben einen Stechrüssel, durch den sie das Blut ihres Wirts saugen sowie scherenartiges Mundwerkzeug.

Auch, wenn aus fachlicher Sicht die Bezeichnung Zeckenstich richtig ist, spricht der Volksmund oft vom Zeckenbiss und vom Beißen, statt vom Stechen einer Zecke.

Was sind Zecken genau?

Zecken haben acht Beine und gehören zu den Spinnentieren. Weltweit sind tausende verschiedene Zeckenarten bekannt. In Deutschland sind circa zwanzig Arten verbreitet. In 90 Prozent der Fälle handelt es sich hierzulande um die Zeckenart „Der gemeine Holzbock“.

Diese Zeckenart ist zwar blind, kann aber ausgezeichnet riechen und nimmt so seinen Wirt per Geruch wahr. Besonders Kohlendioxid im menschlichen Atem und der Schweiß sind wesentliche Geruchsfaktoren.

Im Volksmund wir nicht zwischen den Arten unterschieden, sondern im Allgemeinen von der Zecke gesprochen.

10 Fakten rund um die Zecke

Fakt 1: Zecken überleben unter Wasser

Bis zu drei Wochen können die kleinen Blutsauger unter Wasser überleben. Deshalb sollten Sie eine Zecke nicht lebendig die Toilette hinunterspülen. Das heißt auch, dass Zecken eine Karussellfahrt in der Waschmaschine überleben. Sollte sich eine Zecke in ihrer Kleidung verstecken, hilft eine Wäsche bei 40 °C wohl kaum. Jedoch sterben Zecken in der Regel im Wäschetrockner und bei höheren Waschtemperaturen.

Fakt 2: Zecken sind Spinnentiere

Bei einer Zecke handelt es sich nicht um ein Insekt. Zecken haben acht Beine, genau wie Spinnen und Skorpione.

Fakt 3: Zecken überleben im Gefrierfach

In einem Gefrierfach bei -12 °C können Zecken 24 Stunden lang überleben. Die kleinen Blutsauger sind zähe Überlebenskünstler.

Fakt 4: Zecken zählen zu dem größten Verbreiter von Krankheiten

Neben den Mücken sind Zecken weltweit die größten Verbreiter von Krankheiten. Alleine in Deutschland erkranken jährlich mehr als 100.000 Menschen infolge eines Zeckenbisses.

Fakt 5: Zecken überleben in der Wohnung

Zecken können bis zu 10 Tage in der Wohnung überleben und benötigen in dieser Zeit weder Wald noch Wiese. Deshalb können Sie sogar in der Wohnung von einer Zecke gebissen werden, wenn diese etwa über ein Haustier oder unbemerkt auf Ihnen in die eigenen vier Wände gelangt.

Fakt 6: Zecken können 9 Jahre alt werden

Wenn Zecken es schaffen, können sie sogar relativ alt werden. Immerhin macht ihnen Wasser und Minustemperaturen eine gewisse Zeit nichts aus. Es existiert sogar ein Fall, in dem eine Taubenzecke (Argas reflexus) 21 Jahre alt wurde.

Fakt 7: In Risikogebieten sind mehr als 50 % der Zecken infiziert

Etwa in Baden-Württemberg und Bayern sind mehr als die Hälfte der Zecken mit der Borrelia-Bakterie infiziert.

Fakt 8: Zecken überleben im Winter

Nein, Zecken sterben nicht im Winter. Sie überdauern diesen in Mäusenestern und schützen sich dadurch vor den Minustemperaturen. Dadurch können die kleinen Krabbeltiere wochenlang bei Temperaturen bis zu -15/ -20 Grad überleben. Ein milder Winter und die Erderwärmung kommen den Zecken also zu Gute. Ab 5 °C werden Zecken auch im Winter aktiv.

Fakt 9: Zecken bevorzugen eine feuchte Umgebung

Bevorzugt wählen Zecken Umgebungen mit einer Luftfeuchtigkeit über 85 %. Deshalb sind Zecken vor allem nach einer längeren Regenzeit sehr aktiv. Deshalb sollten Sie im Sommer nach einem Regenschauer nicht unbedingt durch Wald und Wiesen laufen.

Fakt 10: Zecken sind faul

Zecken gehen nicht aktiv auf die Suche nach einem Wirt. Sie sind eher von Natur aus faul und warten ab bis der geeignete Wirt vorbeikommt. Sie können bis zu zwei Jahre ausharren und auf ein geeigneten „Blutspender“ warten. In ihrem ganzen Leben bewegen sich Zecken nicht mehr als ein bis zwei Meter von selbst.

Wohin sticht die Zecke am liebsten?

Besonders weiche Hautpartien werden von Zecken bevorzugt, so gelangen sie auf vorbeilaufende Tiere oder Menschen und weißen sich etwa in die Kniekehle, unter den Armen oder am Haaransatz fest. Oft werden Zeckenbisse auch in der Bauch- und Brustregion beobachtet, bei Kindern ist auch oft der Kopf betroffen.

Generell kann gesagt werden, dass in der Regel jede Körperpartie von einer Zecke aufgesucht werden kann. Einige Menschen werden oft von Zecken gebissen, andere selten oder sogar noch nie. Vermutlich hängt dieses Phänomen mit bestimmten Körpergerüchen zusammen.

Wie können Sie sich vor Zeckenbissen schützen?

Schutz vor Zecken bieten hohe Schuhe und geschlossene Kleidung. Sollten Sie mit Ihren Kindern oder auch ohne Kinder eine Wanderung durch Wald und Wiese planen, sollten Sie zu langen Hosen greifen. Dadurch ist die vermeintliche Lieblingsstelle der Zecke, die Kniekehle, bedeckt. Zusätzlich hilft es die Hosenbeine in Schuhe und Socken zu stecken, denn so kann der kleine Blutsauger nicht von unten am Bein hoch krabbeln.

Auch das Material und die Farbe der Kleidung spielen eine Rolle: Glatte und helle Kleidung ist für Zecken weniger geeignet. Ebenfalls kann ein spezieller Zeckenschutz aus der Apotheke vor den kleinen Spinnentieren schützen.

Welche Krankheitserreger können Zecken übertragen?

Nach einem Zeckenstich kann sich eine große Zahl an Krankheiten entwickeln. Doch nicht immer überträgt eine infizierte Zecke auch die Krankheit an ihren Wirt. Denn, ab wann eine Zecke die Krankheitserreger überträgt, ist unterschiedlich und hängt davon ab, wo im Körper der Zecke der Erreger sitzt.

Einige Erreger gelangen direkt beim Einstich in den Organismus des Opfers und andere Erreger werden erst nach 12 Stunden des Blutsaugens übertragen. Hier erhalten Sie eine Übersicht einiger Krankheiten, welche infolge eines Zeckenbisses beim Menschen auftreten können. Zu den bekanntesten Krankheiten in Deutschland zählen wohl Borreliose und FSME.

Babesiose

Kommt überwiegend in den Regionen am Mittelmeer vor und äußert sich durch Fieber, Müdigkeit und Muskelschmerzen. Bei Menschen kommt diese Krankheit eher selten vor. Häufig sind Hunde und auch Rinder betroffen, welche zum Tode führen kann. Da sich diese Krankheit der menschlichen Malaria ähnelt, spricht man in Deutschland auch von „Hundemalaria“.

Borreliose

Die Erkrankung wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst, welches das Nervensystem, Gelenke, Organe und Gewebe angreifen. Dadurch entstehen in den genannten Bereichen schwerste Schäden. Im Frühstadium erkannt, kann Borreliose mit Antibiotika behandelt werden. Eine Impfung gegen diese Erkrankung gibt es nicht.

Ehrlichiose

Diese Erkrankung entsteht durch die Bakterien Ehrlichien und verläuft häufig ohne Symptome. In einigen Fällen kann es zu Fieber, Kopf-, Rücken- und Muskelschmerzen kommen.

Rickettsiose (Fleckfieber)

Verschiedene Erreger einer infizierten Zecke können Fleckfieber auslösen. Menschen und Tiere können an dem in Europa bekannten Mittelmeer-Fleckfieber erkranken.

FSME – Frühsommer- Meningoenzephalitis

FSME wird durch das FSME-Virus ausgelöst und führt bei den Betroffenen zu einer Hirnhautentzündung und oder des Rückenmarks. Diese Entzündung kann sogar tödlich enden. Ursächlich kann FSME nicht behandelt werden, sodass der Organismus des Patienten an sich mit dem Virus zurechtkommen muss. Beschwerden wie Fieber oder Schmerzen können medizinische gelindert werden. Nach einer überstandenen FSME-Virusinfektion können Folge- und Langzeitschäden, wie Lähmungserscheinungen oder Schluckbeschwerden, auftreten. Eine Impfung in den Risikogebieten wird empfohlen.

Krim-Kongo-Fieber

Diese Erkrankung ist bisher in Südosteuropa (Schwarzmeerküste), Asien und Afrika aufgetreten und kann tödlich enden. Einen Impfstoff gibt es nicht. Krim-Kongo-Fieber wird durch das CCHF-Virus ausgelöst und wird durch infizierte Tiere an die Zecke weitergeben. Die Zecke nistet auf Schafen, Ziegen, Hasen, Kamelen oder Kühen und nimmt das Virus über das Blut auf. Menschen können sich auch in direktem Kontakt mit einem infizierten Tier anstecken.

Was sind die Symptome einer Krankheit nach einem Zeckenbiss?

Leiden Sie innerhalb von vier Wochen nach einem Zeckenbiss an grippeähnlichen Symptomen, geschwollenen Lymphknoten, Fieber oder Wanderröte sollten Sie unverzüglich einen Arzt aufsuchen.

Besteht eine Infektion, die nicht erkannt wird, kann es zu späteren Folgen oder im schlimmsten Fall zum Tod führen. Umso früher eine Infektionserkrankung aufgrund von Zecken erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf eine entsprechende Behandlung.

Wie hoch ist das Risiko einer Erkrankung?

Die Infektion mit Borrelien wird erst nach 24 Stunden, nachdem die Zecke ihren Wirt sticht, übertragen. FSME-Viren werden hingegen direkt zu Beginn an den Menschen weitergeben. Doch keine Panik, selbst in den FSME- Risikogebieten hierzulande, sind tatsächlich nur wenige Zecken infiziert.

Im Schnitt sind es 0,1 bis 3,4 Prozent: Laut Studien tritt bei ungefähr 5 Prozent der gestochenen Menschen eine Lyme-Borreliose auf. Nur ein Prozent der Infizierten entwickeln Krankheitssymptome.

Wo sind die Risikogebiete in Deutschland?

Als Risikogebiet der FSME-Infektion gelten in Deutschland besonders Baden-Württemberg, Südhessen, Bayern und das südöstliche Thüringen. Jedoch konnten in fast allen Bundesländern auch Einzelfälle beobachtet werden, was sicherlich auch auf Reisen und Urlaube zurückzuführen ist. Borreliose kommt in ganz Deutschland vor.

Die genauen FSME-Risikogebiete in Deutschland finden Sie in einer Karte des Robert Koch Instituts unter folgendem Link: www.rki.de

Wie entfernen Sie eine Zecke richtig?

Entdecken Sie eine Zecke sollten Sie diese so schnell wie möglich entfernen. Aber halt: Bitte verwenden Sie dazu nicht Ihre Finger. Am besten nehmen Sie eine Pinzette oder eine spezielle Zeckenzange zum Herausdrehen des kleinen Blutsaugers.

  • Bitte beachten Sie, dass Sie das Krabbeltier rausdrehen und nicht einfach ziehen.
  • Greifen Sie die Zecke direkt hinter ihrem Kopf, so nah wie möglich an ihrer Haut. Versuchen Sie die Zecke vorsichtig und gleichmäßig zu entfernen.
  • Bitte quetschen Sie die Zecke bloß nicht! Ebenfalls sollten Sie auf „Hausmittel“, Klebstoff und Öl verzichten: Im Todeskampf reagieren die Zecken und geben vermehrt Körperflüssigkeit in Ihre Bisswunde. Dadurch steigt das Risiko einer Infektion.
  • Anschließend sollten Sie die Stichstelle mit einem Antiseptikum desinfizieren.
  • Markieren Sie die Stichstelle und beobachten Sie diese mindestens sieben Tage lang, ist eine ringförmige Rötung erkennbar oder wandert diese, spricht dies womöglich für eine Borrelioseinfektion. Suchen Sie umgehend einen Arzt auf.

Sind Sie sich beim Entfernen der Zecke zu unsicher oder befürchten Sie etwas falsch zu machen, können Sie auch einen Arzt aufsuchen. Wichtig ist, dass Sie die Zecke nach dem Entfernen auch töten.

Ansonsten besteht die Gefahr, dass diese zwar entfernt wurde, aber auf den nächst besten Wirt krabbelt. Am besten zerschlagen Sie die Zecke mit einem Stein, aber bedenken Sie: Die kleinen Blutsauger sind robust!

Nach dem Zeckenstich: War die Zecke infiziert?

Unsicherheit, Angst oder ein Risikogebiet: Es gibt Umstände, welche Menschen dazu verleiten, die entfernte Zecke untersuchen zu lassen. Entsprechend können Sie die tote Zecke zu einem speziellen Labor schicken und dort auf Infektionen untersuchen lassen.

Antibiotische Prophylaxe notwendig?

Viele Menschen sind nach einem Zeckenstich unsicher und fürchten eine Infektionskrankheit. Deshalb wünschen sich viele Betroffene eine prophylaktische Behandlung mit Antibiotikum. Jedoch ist dieser Schritt meistens eher nicht als Prophylaxe anzusehen, denn nach einem Zeckenstich ist in den ungünstigen Fällen die Borrelien bereits übertragen.

Bitte geraten Sie bei einem Zeckenstich nicht sofort in Panik, selbst, wenn Sie in einem Risikogebiet leben. Wenn Sie entsprechende Vorkehrungen treffen, kann ein Zeckenstich verhindert werden. Zusätzlich sollten Sie den gesamten Körper, besonders bei Kindern, gründlich absuchen, umso schnell wie möglich die kleinen Blutsauger zu entdecken.