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Studie: Blaulicht im Handydisplay kann blind machen

Studie: Blaulicht im Handydisplay kann blind machen

Wer kennt es nicht: Vorm Schlafen gehen im Bett oder auf dem Sofa noch einmal zum Handy greifen, E-Mails und Nachrichten checken oder Videos im Netz anschauen. Gehören auch Sie zu den Handy-Klickern am Abend? Wenn ja, dann aufgepasst: Neue Studien beweisen, dass das Blaulicht die Netzhaut der Augen dauerhaft schädigen kann. Blaulicht befindet sich unter anderem auch in Smartphones und Tablets. Auch Kurzsichtigkeit und eine schlechte Schlafqualität sollen auf den Einfluss von HEV-Licht und Smartphone zurückzuführen sein. Handelt es sich wirklich um Tatsachen oder ist die Gefahr durch das Blaulicht mehr Mythos als Wahrheit? Erhalten Sie hier die Fakten rund um das Blaulicht in Ihrem Smartphone.

Von Anastasia Johlen

Wie gefährlich ist das bläuliche HEV-Licht wirklich?

Computer-Bildschirme, LED-Lampen und Tablets sowie Smartphones geben überwiegend bläuliches Licht ab, welches als High Energy visible Light (hochenergetisches, sichtbares Licht -kurz HEV-Licht) bezeichnet wird. Im Lichtspektrum liegt es sehr nah an den UV-Strahlen, welche bekannterweise die Haut früher altern lassen und sogar Hautkrebs begünstigen können.

Das Hauptproblem bei dem blauen Licht sind die kürzeren Wellenlängen und die stärkere Energie als bei anderen Lichtfarben. So sollen die „kalten“ blauen Lichtquellen schlecht für Haut und Augen sein, anders als „warme“ Lichtquellen mit einem eher rötlichen Licht, wie Kerzen oder Wohnzimmerlampen.

Warum wird Blaulicht genutzt?

Viele Hersteller nutzen für die Displays von Mobilgeräten und Tablets eine kühlere Darstellung, damit die Nutzer ein möglichst helles Bild haben. Der blaue Lichtanteil kann nicht vollkommen vermieden werden, denn ansonsten wäre die Darstellung stark rot-, grün- oder gelbstichig. Da ein kühles (bläuliches) Weiß heller wirkt als ein warmes (gelbliches Weiß), sind besonders Smartphone-Displays stark blaustichig.

Studie: Fotorezeptoren werden abgetötet

Wissenschaftler der Universität Toledo haben im Rahmen einer Studie herausgefunden, dass das blaue Licht, welches auch in digitalen Geräten, wie zum Beispiel Smartphones enthalten ist, wichtige Bestandteile in der Netzhaut der Augen angreift. Durch das blaue Licht kann es zu einer sogenannten Makuladegeneration kommen: Die Fotorezeptorzellen im Auge benötigen Moleküle namens Retina, um Licht zu erfassen. Die Forscher fanden jedoch heraus, dass blaues Licht die Netzhaut verändern und Fotorezeptorzellen abtöten kann, indem es einige ihrer Membranen auflöst.

Durch das blaue Licht auf der Netzhaut werden Reaktionen ausgelöst, welche giftige chemische Moleküle im Sehnerv erzeugen. So sollen einzelne Moleküle, Retinal, durch das blaue Licht toxisch werden. Das blaue Licht tötet laut der wissenschaftlichen Untersuchung die Fotorezeptorzellen, welche nicht wieder regeneriert werden können. Die Auge können das Blaulicht nicht filtern oder reflektieren. Die Folge kann Blindheit sein.

Im Weiteren fügten die Wissenschaftler Blaulicht in Kombination mit Retinal zu Neuronen und Krebszellen hinzu. Auch dort konnten abtötende Reaktion durch das toxische Molekül beobachtet werden.

Möchten Sie genauere Einblicke in die Studie zum HEV-Licht erhalten? Die Studie finden Sie auf englisch hier unter www.nature.com. (Quelle: https://www.nature.com/articles/s41598-018-28254-8)

Macht das HEV-Licht im Smartphone die Augen tatsächlich kaputt?

Sicherlich sprechen die Forschungsergebnisse für sich, dennoch können die Bedingungen und Situationen einer wissenschaftlichen Studie nicht eins zu eins auf den Alltag übertragen werden. So unterliegen unsere Augen im Alltag vermutlich ganz anderen Bedingung, als bei einer künstlich geschaffenen Konstruktion. Ebenfalls spielen individuelle Verhaltensweisen eine Rolle, in wie Fern das Handylicht schädlich ist.

Zum einen wurde bei der Studie der Universität Toledo viel stärkeres HEV-Licht genutzt, als ein Smartphone produziert, und zum anderen wird ein Großteil der Strahlung durch die Linse im menschlichen Auge herausgefiltert. Im Vergleich zur Bestrahlung durch Sonnenlicht ist die Menge des blauen Displaylichts in Smartphone & Co. gering.

So ist, wie so oft, die Menge und Dauer der Bestrahlung durch das blaue Licht ausschlaggebend. Das Blaulicht im Smartphone muss nicht die Ursache für eine Augenkrankheit oder gar Blindheit sein, ob es jedoch tatsächlich schädlich für die Augen ist, kann erst in 20 oder 30 Jahren gesagt werden.

Auch wenn Studien über das Blaulicht existieren, können diese nicht auf den Alltag projiziert werden. Generell steht jedoch fest, dass HEV-Licht unter bestimmten Bedingungen erheblichen Schaden in den Augen anrichten kann.

Display - Blaulicht am Abend gefährlicher als tagsüber

Blaulicht ist aus der Natur bekannt, weshalb das Auge einen natürlichen Blaulichtschutz bzw. Blaulichtfilter besitzt. Im Zentrum des schärfsten Sehend (Makula) filtern gelbe Farbstoffe den Blauanteil raus. Ebenfalls verhindert die Verengung der Pupille das weniger Blaulicht ins Auge fällt, beeinflusst durch die äußere Helligkeit.

Das Problem ist, dass abends im Dunklen, sich die Pupillen weiten. So verengt sich die Pupille abends im Bett weniger stark als tagsüber im heller Umgebung, auch wenn das Smartphone in der Hand ist. Dadurch fällt abends mehr blaues Licht vom Smartphone auf die Netzhaut in den Augen.

Smartphone und Tablet am Abend smart nutzen

Spätestens zwei Stunden vom Schlafen sollten Sie keine beleuchteten Displays mehr nutzen. Können Sie abends nicht auf Smartphone oder Tablet verzichten? Dann reduzieren Sie wenigstens den Blaulichtanteil in den Einstellung Ihres Smartphones. Mittlerweile bieten viele Hersteller einen speziellen Nachtmodus, wodurch der Blaulichtanteil der Bildschirme reduziert wird.

Besitzen Sie ein älteres Modell, können Sie mit bestimmten Apps das Bildschirmlicht beeinflussen. So können die Intensität des Blaufilters an Ihre Bedürfnisse anpassen und müssen abends nicht vollkommen auf Ihr Smartphone oder Tablet verzichten. Zu Beginn können die anderen Licht- und Farbverhältnisse ungewohnt sein, jedoch sind sie deutlich gesünder für Ihre Augen.

Smartphones verursachen Kurzsichtigkeit

Fakt ist, dass der Abstand zwischen Augen und Smartphone ausschlaggebend für eine verminderte Sehfähigkeit ist. So kann besonders in jungen Jahren dieser Abstand relevant sein und unter Umstände eine Kurzsichtigkeit begünstigen. Besonders wenn Kinder lange auf etwas schauen, das in kurzer Entfernung liegt, ist die Entstehung einer Kurzsichtigkeit nicht auszuschließen. Dazu zählt nicht nur das Schauen auf das Smartphone, sondern auch das Lesen in Büchern.

Allgemein sind Menschen in Industrieländern deutlich häufiger kurzsichtig als in Schwellenländern. Grund sind scheinbar die Verhaltensweisen in Industrieländern, denn dort werden vermehrt Bücher gelesen, Smartphones genutzt und Naharbeiten vollzogen.

Somit erhöht der geringe Abstand zwischen Augen und Objekten, die sogenannte Naharbeit, das Kurzsichtigkeitsrisiko. Auch bei diesem Phänomen können die Auswirkung von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Augenärzte empfehlen einen Abstand von circa 40 Zentimetern zwischen Auge und Objekt.

Schlafstörungen: Blaulicht stört einen erholsamen Schlaf

Ebenfalls ist es ratsam bereits ein bis zwei Stunden vor dem Schlafen das Handy auszuschalten beziehungsweise die blaue Lichtquelle zu vermeiden, indem das Handy nicht genutzt wird. Durch das blaue HEV-Licht, welches in seinem Farbspektrum stark dem Tageslicht ähnelt, bleibt der Körper im Wachmodus. Tagsüber ist dieser Effekt praktisch, weil das Tageslicht wach hält, jedoch ist es unvorteilhaft, wenn künstliche Lichtquellen wach halten.

Das menschliche Gehirn produziert während des gesamten Tages geringe Mengen des Schlafhormons Melatonin, bei Dunkelheit steigt die Produktion automatisch und Müdigkeit kommt auf. Bei einem festen Schlafryhthmus beginnt die erhöhte Melatoninproduktion bereits zwei Stunden vor dem gewohnten Schlaf. Nutzen Sie abends noch das Smartphone, dringt das sichtbare Blaulicht in das Auge.

Durch das blaue Licht wird die Produktion vom Schlafhormon Melatonin gehemmt, sodass auch weniger von davon ausgeschüttet wird. Durch unzureichende Anzahl des Schlafhormons ist ein schlechter Schlaf  vorprogrammiert. Mit weniger Melatonin schlafen Sie schlechter ein und es folgt eine insgesamt unruhige Nacht mit wenig Erholung. In der Regel hat langwelliges rotes Licht keinen Einfluss auf die Melatoninproduktion, weshalb eine warmweiße Lampe eher keinen negativen Effekt auf die Schlafqualität hat, als eine tageslichtweiße LED mit 6000 Kelvin.

Auch wenn Sie abends noch am Smartphone scrollen, tippen und wischen, muss Ihr Schlaf nicht unbedingt gestört sein. Jeder Mensch reagiert anders. So können die Auswirkungen von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich sein. Haben Sie generell keine Schwierigkeiten mit dem Einschlafen, wird Ihnen vermutlich das blaue Handy-Licht auch nicht den Schlaf rauben.

Schlafstörungen durch HEV-Licht verhindern

Abhilfe bei Schlafstörungen schafft ein dunkles Schlafzimmer, so sollten jegliche Lichtquellen auf ein Minimum reduziert werden. Denn unter anderem kann bereits eine zu helle Nachttischlampe Ihren Körper in den Wachmodus versetzen. Einige Menschen reagieren empfindlicher auf Lichtquellen, als andere.

Ebenfalls sinnvoll ist es, die Helligkeit des Smartphone-Displays zu reduzieren oder den Nachtmodus einzuschalten. Das beeinflusst nicht nur Ihre Schlafqualität positiv, sondern ist auch für Ihre Augen schonender.

Alles im allen können Sie festhalten, dass Blaulicht einen Einfluss auf Ihre Gesundheit nehmen kann. Versuchen Sie deshalb die Bestrahlung mit HEV-Licht so gering wie möglich zu halten. Nutzen Sie den Nachtmodus Ihres Smartphones oder technischen Geräts und reduzieren Sie dadurch die Gefahr des Blaulichts. Falls Sie unter Schlafstörungen oder Einschlafproblemen leiden, sollten Sie vielleicht einige Male den Handykonsum vor dem Schlafen einschränken oder gänzlich einstellen. Viel Erfolg beim Abdunkeln!