Spondylolisthesis

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Terminologie

Spondylolisthesis wird in der Literatur oft als Verschiebung in eine beliebige Richtung definiert. In medizinischen Wörterbüchern wird die Spondylolisthese jedoch gewöhnlich spezifisch als Vorwärts- oder Vorwärtsverschiebung eines Wirbels über den Wirbel unterhalb des Wirbels (oder des Kreuzbeins) definiert. Die Olisthesis ist ein Begriff, der expliziter die Verschiebung in jede Richtung bezeichnet. Vorwärts- oder anteriore Verschiebung kann spezifisch als Anterolisthesis bezeichnet werden. Eine Anterolisthesis betrifft gewöhnlich den fünften Lendenwirbel. Eine Rückwärtsverlagerung wird als Retrolisthesis bezeichnet. Eine laterale Verschiebung wird laterale Listhesis oder Laterolisthesis genannt. Ein Henkersbruch ist eine spezifische Form der Spondylolisthese, bei der der zweite Halswirbel (C2) aufgrund von Brüchen der Pedikel des C2-Wirbels gegenüber dem C3-Wirbel nach anterior verlagert ist.

Anterolisthese

Anzeichen und Symptome

Zu den Symptomen der Anterolisthesis gehören:
  • Eine allgemeine Versteifung des Rückens und eine Straffung der Kniesehnen, was zu einer Veränderung sowohl der Haltung als auch des Gangs führen kann.
  • Aufgrund kompensatorischer Veränderungen kann eine nach vorne gelehnte oder halb-kyphotische Körperhaltung beobachtet werden.
  • Ein "Watscheln" kann bei fortgeschritteneren Ursachen aufgrund einer kompensatorischen Beckenrotation aufgrund einer verminderten Rotation der Lendenwirbelsäule auftreten.
  • Eine Folge der Gangänderung ist häufig eine auffällige Atrophie der Gesäßmuskulatur aufgrund mangelnder Benutzung.
  • Es können auch generalisierte Schmerzen im unteren Rückenbereich auftreten, mit intermittierend schießenden Schmerzen vom Gesäß zum hinteren Oberschenkel und/oder Unterschenkel über den Ischiasnerv.
Weitere Symptome können Kribbeln und Taubheit sein. Husten und Niesen kann die Schmerzen verstärken. Eine Person kann auch ein "Rutschgefühl" verspüren, wenn sie sich in eine aufrechte Position bewegt. Das Sitzen und der Versuch, aufzustehen, kann schmerzhaft und schwierig sein.

Klassifizierung

Anterolisthesis kann nach Ursache, Ort und Schweregrad kategorisiert werden.

Nach Ursachen

  • Diedegenerative Anterolisthesis (auch bekannt als Typ 3) ist eine Erkrankung des älteren Erwachsenen, die als Folge einer Facettenarthritis und eines Gelenkumbaus entsteht. Eine Gelenkarthrose und eine Schwäche des Ligamentum flavum können zum Gleiten eines Wirbels führen. Degenerative Formen treten häufiger bei Frauen, Personen über fünfzig Jahren und Afroamerikanern auf.
  • Einetraumatische Anterolisthesis ist selten und resultiert aus akuten Frakturen des Nervenbogens, mit Ausnahme der Pars.
  • Diedysplastische Anterolisthesis (auch bekannt als Typ 1) resultiert aus angeborenen Anomalien der oberen Sakralfacetten oder der unteren Facetten des fünften Lendenwirbels und macht 14% bis 21% aller Anterolisthesen aus.
  • Dieischämische Anterolisthesis (auch bekannt als Typ 2) wird durch einen Defekt der Pars interarticularis verursacht, kann aber auch mit einer verlängerten Pars gesehen werden.
  • Diepathologische Anterolisthesis (auch bekannt als Typ 5) wird entweder durch eine Infektion oder durch ein Malignom verursacht.
  • Diepostoperative/iatrogene Anterolisthesis (auch Typ 6 genannt) wird durch Komplikationen nach der Operation verursacht.

Nach Standort

Der Ort der Anterolisthesis gibt an, welche Wirbel betroffen sind, und kann auch angeben, welche Teile der Wirbel betroffen sind. Bei derischämischen Anterolisthesis liegt ein Defekt der Pars interarticularis vor. Sie ist die häufigste Form der Spondylolisthesis; sie wird auch spondylolytische Spondylolisthesis genannt und tritt mit einer berichteten Prävalenz von 5-7 Prozent in der US-Bevölkerung auf. Ein Verrutschen oder Bruch des intravertebralen Gelenks wird in der Regel im Alter zwischen 6 und 16 Jahren erworben, bleibt aber bis ins Erwachsenenalter unbemerkt. Etwa 90 Prozent dieser isthmischen Ausrutscher sind geringgradig (weniger als 50 Prozent Ausrutschen) und 10 Prozent sind hochgradig (mehr als 50 Prozent Ausrutschen). Sie werden in drei Subtypen unterteilt:
    • A: Pars-Ermüdungsbruch
    • B: Pars-Dehnung aufgrund von mehrfach verheilten Stresseffekten
    • C: Pars akute Fraktur

Schweregrad

Klassifikation nach dem Grad des Gleitens, gemessen in Prozent der Breite des Wirbelkörpers:
  • Besoldungsgruppe I: 0-25 %.
  • Besoldungsgruppe II: 25-50 %.
  • Besoldungsgruppe III: 50-75%.
  • Besoldungsgruppe IV: 75-100%.
  • Grad V: mehr als 100%.

Behandlung

Konservativ

Patienten mit symptomatischer isthmischer Anterolisthesis wird zunächst eine konservative Behandlung angeboten, die aus Aktivitätsmodifikation, pharmakologischer Intervention und einer physiotherapeutischen Beratung besteht.
  • Physikalische Therapie kann Haltungsanomalien und kompensatorische Bewegungsanomalien beurteilen und behandeln.
  • Zunächst können entzündungshemmende Medikamente (NSAIDS) in Kombination mit Paracetamol (Tylenol) versucht werden. Wenn eine schwere radikuläre Komponente vorhanden ist, kann eine kurzzeitige Gabe von oralen Steroiden wie Prednison oder Methylprednisolon in Betracht gezogen werden. Epidurale Steroidinjektionen, entweder interlaminal oder transforaminal, die unter fluoroskopischer Anleitung durchgeführt werden, können bei schweren radikulären (Bein-)Schmerzen helfen. Lumbosakrale Orthesen können für einige Patienten von Nutzen sein, sollten jedoch nur vorübergehend eingesetzt werden, um einer Spinalen Muskelatrophie und dem Verlust der Propriozeption vorzubeugen.

Chirurgische

Die degenerative Anterolisthesis mit Spinalkanalstenose ist eine der häufigsten Indikationen für eine Wirbelsäulenoperation (typischerweise eine Laminektomie) bei älteren Erwachsenen. Zur Behandlung der Anterolisthesis werden sowohl minimal-invasive als auch offene Operationstechniken eingesetzt.

Retrolisthesis

Eine Retrolisthesis ist eine hintere Verschiebung eines Wirbelkörpers gegenüber dem darunter liegenden Wirbelkörper, die geringer ist als eine Luxation (Verrenkung). Retrolisthesen lassen sich am einfachsten auf seitlichen Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule diagnostizieren. Die beste diagnostische Qualität bieten Ansichten, bei denen darauf geachtet wurde, eine echte laterale Ansicht ohne jegliche Rotation freizulegen. Retrolisthesen finden sich am prominentesten im Bereich der Halswirbelsäule und der Lendenwirbelsäule, können aber auch im Brustbereich gesehen werden.

Geschichte

Die Spondylolisthese wurde erstmals 1782 vom belgischen Geburtshelfer Herbinaux beschrieben. Er berichtete von einer knöchernen Vorwölbung vor dem Kreuzbein, die bei einer kleinen Anzahl von Patientinnen die Vagina verschloss. Der Begriff "Spondylolisthesis" wurde 1854 aus dem Griechischen geprägt σπονδυλος, "spondylos" = "Wirbel" und ὀλισθός "olisthos" = "Glätte", "ein Ausrutscher".

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