Myokarditis

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Anzeichen und Symptome

Die Zeichen und Symptome der Myokarditis sind vielfältig und beziehen sich entweder auf die eigentliche Entzündung des Herzmuskels oder auf die Schwäche des Herzmuskels, die der Entzündung untergeordnet ist. Anzeichen und Symptome einer Myokarditis sind u.a:
  • Brustschmerzen (oft als "stechend" bezeichnet)
  • Herzinsuffizienz (führt zu Schwellungen, Atemnot und Leberstauungen)
  • Herzklopfen (aufgrund von Herzrhythmusstörungen)
  • Plötzlicher Tod (bei jungen Erwachsenen verursacht Myokarditis bis zu 20% aller Fälle von plötzlichem Tod)
  • Fieber (besonders bei Infektionen, z.B. bei rheumatischem Fieber)
  • Die Symptome bei Kleinkindern sind eher unspezifisch, mit generalisiertem Unwohlsein, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und chronischem Husten. Spätere Stadien der Erkrankung führen zu Atemwegsbeschwerden mit erhöhter Atemarbeit und werden oft mit Asthma verwechselt.
Da die Myokarditis oft auf eine Viruserkrankung zurückzuführen ist, geben viele Patienten eine Vorgeschichte von Symptomen, die mit einer kürzlichen Virusinfektion übereinstimmen, einschließlich Fieber, Ausschlag, Durchfall, Gelenkschmerzen und leichter Müdigkeit. Myokarditis ist oft mit Perikarditis assoziiert, und viele Menschen mit Myokarditis haben Anzeichen und Symptome, die auf Myokarditis und Perikarditis gleichzeitig hinweisen.

Ursachen

Eine große Anzahl von Ursachen für Myokarditis wurde identifiziert, aber oft kann keine Ursache gefunden werden. In Europa und Nordamerika sind Viren weit verbreitet. Die weltweit häufigste Ursache ist jedoch die Chagas-Krankheit, eine in Mittel- und Südamerika endemische Krankheit, die auf eine Infektion mit dem Protozoen Trypanosoma cruzi zurückzuführen ist. Viele der unten aufgeführten Ursachen, insbesondere Protozoen, Pilze, Parasiten, Allergien, Autoimmunerkrankungen und Medikamente, sind ebenfalls Ursachen der eosinophilen Myokarditis.

Infektionen

  • Virus (Adenovirus, Parvovirus B19, Coxsackie-Virus, HIV, Enterovirus, Röteln-Virus, Poliovirus, Cytomegalovirus, humanes Herpesvirus 6 und möglicherweise Hepatitis C)
  • Protozoen (Trypanosoma cruzi verursacht Chagas-Krankheit und Toxoplasma gondii)
  • Bakterien (Brucella, Corynebacterium diphtheriae, Gonococcus, Haemophilus influenzae, Actinomyces, Tropheryma whipplei, Vibrio cholerae, Borrelia burgdorferi, Leptospirose und Rickettsia, Mycoplasma pneumoniae)
  • Pilz (Aspergillus)
  • Parasiten (Ascaris, Echinococcus granulosus, Paragonimus westermani, Schistosoma, Taenia solium, Trichinella spiralis, viszerale Larvenmigranten, Wuchereria bancrofti)
Bakterielle Myokarditis ist bei Patienten ohne Immunschwäche selten.

Gifte

  • Drogen, einschließlich Alkohol, Anthrazykline und einige andere Formen der Chemotherapie, und Antipsychotika, z.B. Clozapin, sowie einige Designerdrogen wie Mephedron.

Immunologisches

  • Allergisch (Acetazolamid, Amitriptylin)
  • Abstoßung nach einer Herztransplantation
  • Autoantigene (Sklerodermie">Sklerodermie, systemischer Lupus erythematodes">Lupus erythematodes, Sarkoidose, systemische Vaskulitis wie eosinophile Granulomatose mit Polyangiitis und Granulomatose mit Polyangiitis, Kawasaki-Krankheit)
  • Toxine (Arsen, toxisches Schocksyndrom, Kohlenmonoxid oder Schlangengift)
  • Schwermetalle (Kupfer oder Eisen)

Physikalische Agenzien

  • Elektroschock, Hyperpyrexie und Strahlung

Mechanismus

Die meisten Formen der Myokarditis betreffen die Infiltration von Herzgewebe durch eine oder zwei Arten von pro-inflammatorischen Blutzellen, Lymphozyten und Makrophagen sowie zwei entsprechende Nachkommen dieser Zellen, NK-Zellen und Makrophagen. Eosinophile Myokarditis ist eine Unterart der Myokarditis, bei der das Herzgewebe durch eine andere Art von pro-inflammatorischen Blutkörperchen, das Eosinophile, infiltriert wird. Eosinophile Myokarditis unterscheidet sich weiter von nicht-eosinophiler Myokarditis durch unterschiedliche Ursachen und Behandlungsempfehlungen.

Diagnose

Myokarditis bezieht sich auf einen zugrunde liegenden Prozess, der Entzündungen und Verletzungen des Herzens verursacht. Es bezieht sich nicht auf eine Entzündung des Herzens als Folge einer anderen Beleidigung. Viele sekundäre Ursachen, wie z.B. ein Herzinfarkt, können zu einer Entzündung des Herzmuskels führen, so dass die Diagnose einer Myokarditis nicht allein durch den Nachweis einer Entzündung des Herzmuskels gestellt werden kann. Eine Myokardentzündung kann aufgrund von elektrokardiographischen (EKG) Ergebnissen, erhöhten C-reaktiven Proteinen (CRP) und/oder Erythrozytensedimentationsraten (ESR) und erhöhtem IgM (Serologie) gegen Viren, die das Myokard beeinflussen, vermutet werden. Marker für Herzmuskelschäden (Troponin- oder Kreatinkinase-Isoenzyme) sind erhöht. Die häufigsten EKG-Befunde bei Myokarditis sind diffuse T-Welleninversionen, wobei sattelförmige ST-Streckenerhebungen vorliegen können (diese sind auch bei Perikarditis zu beobachten). Der Goldstandard ist nach wie vor die Biopsie des Herzmuskels, die in der Regel im Rahmen der Angiographie durchgeführt wird. Eine kleine Gewebeprobe von Endokard und Myokard wird entnommen und von einem Pathologen lichtmikroskopisch und - falls erforderlich - immunchemisch und mit speziellen Färbemethoden untersucht. Histopathologische Merkmale sind myokardiales Interstitium mit reichlich Ödemen und entzündlichem Infiltrat, reich an Lymphozyten und Makrophagen. Die fokale Zerstörung der Myozyten erklärt den Ausfall der Herzmuskelpumpe. Die kardiale Magnetresonanztomographie (cMRI oder CMR) hat sich als sehr nützlich bei der Diagnose von Myokarditis erwiesen, indem sie Marker für eine Entzündung des Herzmuskels sichtbar macht. Kürzlich wurden Konsenskriterien für die Diagnose der Myokarditis durch CMR veröffentlicht.

Behandlung

Wie bei den meisten Virusinfektionen ist die symptomatische Behandlung die einzige Therapieform für die meisten Formen der Myokarditis. In der Akutphase ist eine unterstützende Therapie inklusive Bettruhe angezeigt.

Medikamente

Bei Menschen mit Symptomen können Digoxin und Diuretika helfen. Bei Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Dysfunktion kann die Herzfunktion durch den Einsatz von Inotropen wie Milrinon in der Akutphase unterstützt werden, gefolgt von einer oralen Therapie mit ACE-Hemmern bei Verträglichkeit. In mehreren kleinen Fallserien und randomisierten Kontrollstudien haben systemische Kortikosteroide eine positive Wirkung bei Menschen mit nachgewiesener Myokarditis gezeigt. Daten über die Nützlichkeit von Kortikosteroiden sollten jedoch mit Vorsicht interpretiert werden, da sich 58% der Erwachsenen spontan erholen, während den meisten Studien über Kinder Kontrollgruppen fehlen. Ein Cochrane-Review im Jahr 2015 ergab keine Hinweise auf einen Nutzen der Verwendung von intravenösem Immunglobulin (IVIG) bei Erwachsenen und einen vorläufigen Nutzen bei bestimmten Kindern. Es wird nicht routinemäßig empfohlen, bis es bessere Beweise gibt.

Operation

Menschen, die nicht auf eine konventionelle Therapie ansprechen, sind Kandidaten für eine Brückentherapie mit linksventrikulären Assistenzgeräten. Die Herztransplantation ist Menschen vorbehalten, die sich mit der konventionellen Therapie nicht verbessern können. Die extrakorporale Membranoxygenierung kann bei Personen, die kurz vor einem Herzstillstand stehen, eingesetzt werden.

Alternative Medizin

Studien haben keinen Nutzen für den Gebrauch von Kräutermedizin auf allen Ursachen Mortalität in der viralen Myokarditis gezeigt.

Epidemiologie

Die genaue Inzidenz der Myokarditis ist nicht bekannt. In einer Reihe von Routine-Autopsien zeigten jedoch 1-9% aller Patienten eine Myokardentzündung. Bei jungen Erwachsenen sind bis zu 20% aller Fälle von plötzlichem Tod auf Myokarditis zurückzuführen. Bei HIV-Patienten ist die Myokarditis mit einer Prävalenz von 50% oder mehr der häufigste kardiale Befund bei der Autopsie.

Geschichte

Fälle von Myokarditis wurden bereits um 1600 dokumentiert, aber der Begriff "Myokarditis", der einen Entzündungsprozess des Myokards impliziert, wurde 1837 vom deutschen Arzt Joseph Friedrich Sobernheim eingeführt. Allerdings wurde der Begriff mit anderen kardiovaskulären Erkrankungen wie Bluthochdruck und ischämischen Herzerkrankungen verwechselt. Nach der Ermahnung über den wahllosen Einsatz von Myokarditis als Diagnose von Behörden wie dem britischen Kardiologen Sir Thomas Lewis und dem amerikanischen Kardiologen und Mitbegründer der American Heart Association Paul White wurde Myokarditis unterdiagnostiziert. Obwohl Myokarditis klinisch und pathologisch klar als "Entzündung des Myokards" definiert ist, ist ihre Definition, Klassifizierung, Diagnose und Behandlung weiterhin umstritten, aber die Endomyokardbiopsie hat dazu beigetragen, die Naturgeschichte der Myokarditis zu definieren und klinisch-pathologische Zusammenhänge aufzuklären.

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