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Kraft aus der Natur: Senföle als natürliche Antibiotika

Kraft aus der Natur: Senföle als natürliche Antibiotika

Eine alte Binsenweisheit besagt, dass gegen jede Krankheit ein Kraut gewachsen ist. Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse bestätigen dies immer mehr. Die Wiederentdeckung der Phytomedizin, wie die Pflanzenheilkunde fachlich korrekt heißt, liefert stetig neue und spannende Ansätze, um Gesundheitsprobleme sanft und natürlich zu bekämpfen. Hier erfahren Sie alles über den aktuellen Hausmittel-Trend: Senföl.

Starke Schärfe gegen Mikroorganismen

In der Natur schützen sich Pflanzen mit Bitterstoffen und Senfölen vor Fressfeinden. Gewächse wie Brokkoli, Kapuzinerkresse, Senf oder auch Meerrettich sind in dieser Hinsicht erwähnenswert. In der alten europäischen Klostermedizin waren diese Gewächse für ihre heilende Wirkung bekannt und wurden sehr geschätzt, denn man erkannte ihren antibakteriellen Nutzen früh.

In damaligen Zeiten nutzte man Senföle unterschiedlicher Herkunft mit Erfolg zur Behandlung von Infektionen der oberen Atemwege sowie auch gegen Infektionen der Harnwege. Dazu wurden Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich extrahiert und den Erkrankten oral verabreicht.

Es zeigt sich in jüngeren Studien, dass bereits kleine Dosen dieser Arzneien deutliche Verbesserungen im Befinden der Patienten bringen. Die neue Wissenschaft bestätigt somit das alte Wissen. Senföle waren viele Hundert Jahre lang ein geschätztes und wirksames Mittel gegen Infektionen – völlig zu Recht, wie wir heute wissen. Inzwischen ist uns sehr viel mehr über die Wirkmechanismen des Senföls bekannt, denn dank der Forschung ist das Senföl ein sehr gut untersuchter Stoff. Die neusten empirischen Ergebnisse belegen die Wirksamkeit gegen Keime und Infektionen und bringen viele weitere interessante Nebenaspekte ans Licht.

Pflanzenstoffe: Wirkungsweise im Körper

Es zeigt sich, wie die Pflanzenstoffe im Körper verarbeitet werden, wobei deutlich wird, dass sie vom Darm sehr gut verwertet werden. Die im Senföl enthaltenen Stoffe werden bereits im oberen Darmabschnitt vom Blut aufgenommen, ohne dass dabei Wirkstoffe verloren gehen oder die empfindlichen Darmbakterien durch sie geschädigt werden.

Das Wohlergehen der natürlichen „guten“ Darmbakterien ist für unseren Organismus von großer Bedeutung, denn die Bakterien verrichten eine Vielzahl von Aufgaben im ganzen Körper. Die Wichtigsten sind die Unterstützung des Immunsystems und der Schutz vor Allergien. Neuste Studien belegen sogar einen Einfluss der Darmbakterien auf unsere Emotionen. Der Darm ist folglich der Dreh- und Angelpunkt unserer Gesundheit und daher besonders schützenswert.

Antibiotika: Problematisch für den Darm

Unser Darm ist maßgeblich für unsere Gesundheit verantwortlich. Eine gesunde Darmflora ist demnach der beste Schutz gegen Krankheiten. Dennoch steht es um die Darmgesundheit weltweit nicht gut. Immer mehr Menschen leiden an chronischen Darmbeschwerden, an Unverträglichkeiten und chronischen Entzündungen. Dies ist häufig auf einen zu leichtfertiger Umgang mit Antibiotika zurückzuführen. Antibiotika finden Einsatz in der Landwirtschaft, von wo aus sie in unsere Nahrungsmittel gelangen. Sie lassen sich zudem in Putz- und Hygienemitteln nachweisen und sind überall dort zu finden, wo es möglichst keimfrei zugehen soll.

Antibiotische Arzneien wirken gegen Bakterienarten aller Art. Arzneien wie diese sind zwar in vielen Fällen lebensrettend, doch bringen sie den Darm und die darin angesiedelten Bakterien in erhebliche Bedrängnis, denn ein Antibiotikum kann nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien unterscheiden. Das bedeutet, dass die schlechten, krankmachenden Bakterienarten ebenso abgetötet werden wie die guten, heilsamen und nützlichen. Erschwerend kommt hinzu, dass die parasitären Bakterienstämme sich meist schneller vermehren als die für den Menschen heilsamen Bakterien, sodass auch die Wiederbesiedlung der Darmflora nach einer Antibiotika-Behandlung oftmals problematisch ist.

Gerät die Darmflora aus dem Gleichgewicht, sind die Folgen vielfältig:

  • Allergien
  • Unverträglichkeiten
  • chronische Beschwerden

Aus diesem Grund ist es immer ratsam, nach einer Antibiotikum-Therapie eine Kur mit probiotischen Bakterienkulturen durchzuführen. Auf diese Weise wird der Darm von wünschenswerten Bakterienarten besiedelt und das Gleichgewicht  wieder hergestellt.

Antibiotika sollten bestenfalls die Notlösung sein und nicht eingesetzt werden, wenn es sich vermeiden lässt. Die Natur liefert viele Möglichkeiten, um Krankheiten sanft und schonend zu behandeln; senfölhaltige Pflanzen sind in diesem Zusammenhang ganz besonders wirksam. Neuere wissenschaftliche Studien zeigen, dass insbesondere die Kombination von verschiedenen Pflanzenstoffen des Senföls erstaunliche Wirkmechanismen erzeugen kann.

Senföl: Wirkung und Anwendung des vielseitigen Heilmittels

Laborstudien zeigen, dass Senföle einen dreifachen Wirkmechanismus besitzen: Sie sind antibakteriell, antiviral und entzündungshemmend. Senföle in entsprechender Kombination helfen nachweislich bei chronischen oder häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen. Die Erkrankungen treten in größeren Abständen auf und verlaufen wesentlich milder. Auch bei anderen Infektionen wie zum Beispiel Erkältungen beweisen die Wirkstoffe ihr Potenzial, denn der Verlauf der Erkrankung ist sehr viel milder und die Atemwege sind schneller wieder frei.

Funktionsweise von Senföl im Körper

Bakterien und Erreger haben einen Trick, mit dem sie es schaffen, sich unserer Körperabwehr zu entziehen: Sie produzieren einen Biofilm, der sie und ihre Kolonien umhüllt und sie somit quasi unangreifbar macht. Die im Senföl enthaltenen Stoffe verhindern diese Filmbildung und nehmen den Erregern sozusagen ihren Schutzschild. Dies hat zur Folge, dass unser Immunsystem die Schädlinge angreifen und Bekämpfen kann.

Wie eingangs erwähnt, werden die Pflanzenstoffe bereits im oberen Darm ins Blut resorbiert, was die guten Darmbakterien schützt und dafür sorgt, dass deutlich mehr Wirksubstanz vom Körper assimiliert werden kann. Pflanzliche Stoffe wie Senföle haben noch einen weiteren Vorteil: Sie erzeugen nach bisherigen Erkenntnissen keine Resistenzen, was ein enormes Problem synthetischer Antibiotika ist.

Antibiotikaresistente Keime sind eine große Herausforderung unserer Zeit, denn sie springen nicht mehr auf die Antibiose an, sodass Keime sich ungehindert vermehren, was für ein bereits geschwächtes Immunsystem ein ernsthaftes Problem darstellt. Pflanzliche Antibiotika stellen demnach eine  Behandlungsmöglichkeit für viele Fälle dar, in denen Resistenzen bestehen. Die Forschung in diese Richtung wird weiter vorangetrieben.

Senfölreiche Pflanzen im Überblick

Meerrettich, Brokkoli, Kapuzinerkresse und Senf sind die bei uns heimischen Vertreter der senfölreichen Pflanzen. Aber auch in anderen Gewächsen findet man den scharfen Wirkstoff wie zum Beispiel in Ingwer. Dieser hat ebenfalls eine heilende Wirkung, ist antibakteriell, antiviral und ebenfalls entzündungshemmend.

Bei Erkältungskrankheiten hilft die scharfe Knolle aktiv dabei, schnell wieder auf die Beine zu kommen. Dies ist unter anderem dem enthaltenen Senföl zu verdanken, das in Synergie mit den anderen Pflanzenstoffen dafür sorgt, dass Erreger keine Chance haben. Die Wirkmechanismen sind immer dieselben, denn die Bildung von Biofilm wird verhindert und das Immunsystem kann Schädlinge problemlos identifizieren und abtransportieren.

Heilmittel aus alten Zeiten neu entdeckt

In alten Zeiten waren es meist die Frauen, die auf den Feldern und Fluren die Kräuter und Heilpflanzen sammelten, um ihren Sippen bei Gesundheitsproblemen zu helfen. Damals nutzte man gern Senfmehl, das aus den gemahlenen Samen der Pflanze gewonnen wurde. Mit Wasser vermischt wurde es innerlich oder äußerlich für eine Vielzahl von Anwendungen genutzt. Auch das aus Senfsamen gewonnene Öl wurde aufgrund seiner Wirkkraft geschätzt.

Eine weitere Pflanze dieser Art ist der Meerrettich, der ebenfalls eine bekannte und geschätzte Heilpflanze mit viel Potenzial darstellt. Für Atemwegsinfekte nutzte man Meerrettich, den man mit Zucker vermengt über Nacht ziehen ließ. Auch Umschläge mit Heilpflanzenauszügen erfreuten sich großer Beliebtheit.

Heute muss niemand mehr auf Feld und Flur ausrücken, um sich auf die Suche nach der Heilpflanze zu begeben. In Apotheken und gut sortierten Reformhäusern finden wir heute alles, was es braucht. In der Apotheke erhalten Sie Senfmehl, das eine entsprechende Potenz mitbringt, oder auch allerhand Kapseln und Tabletten aus gepressten Pflanzenstoffen. Zudem werden Lösungen in Ölform sowie Aufgüsse mit Ingwer eingesetzt, der seine Wirkstoffe durch Auskochen entfaltet.

Senföl in der Küche

Das aus den Früchten der Senfpflanze gewonnene Öl ist in der westlichen Welt noch recht unbekannt. Im asiatischen Raum wird das Öl sowohl in der Küche als auch in der Körperpflege sowie für die Gesundheit genutzt. Das Öl zeichnet sich durch einen leicht scharfen Geschmack aus und rundet viele Gerichte geschmacklich ab.
Das Öl der Senfsamen kann in der kalten und in der warmen Küche eingesetzt werden. Man kann damit sowohl frittieren als auch braten. Hierbei muss nur darauf geachtet werden, dass das Öl nicht zu stark erhitzt wird, denn ab einer Temperatur von etwa 240 °C entwickeln sich schädliche Stoffe und die gesundheitsförderlichen Bestandteile sowie die Schärfe gehen verloren.

Senföl für Haut und Haar

Zudem wird Senföl gern für Massagen benutzt, denn es regt die Durchblutung an und hilft, Schlacken abzutransportieren. Auch zur Haar- und Hautpflege ist das Öl bestens geeignet. Die Inhaltsstoffe versorgen Haut und Haar mit Feuchtigkeit und sorgen für Elastizität. In asiatischen Ländern wird Senföl gegen Cellulite eingesetzt, denn es hilft, die Durchblutung zu fördern, Gift- und Abfallstoffe abzutransportieren und die Elastizität der Haut wiederherzustellen. Zudem können viele Probleme der Haut wie trockene Stellen oder auch Mitesser, Milien und Pickel mithilfe von Senföl beseitigt werden. Dafür sind die antibakteriellen Wirkweisen des Öls verantwortlich.

Haare und Kopfhaut profitieren ebenfalls von Senföl: Die Inhaltsstoffe helfen der Kopfhaut dabei, ins Gleichgewicht zu kommen. Erkrankungen der Kopfhaut wie Flechten oder Pilzinfektionen werden mithilfe von Senföl deutlich gemildert (Wobei immer Rücksprache mit den behandelnden Arzt gehalten werden sollte). Das Haar wird zudem gestärkt und gekräftigt.

Um das Öl auf dem Haar anzuwenden, empfiehlt es sich, eine kleine Menge des Öls in den Händen zu erwärmen, um es dann gründlich in Haare und Kopfhaut einzumassieren. Um die Wirkung zu verstärken, empfiehlt es sich, das Öl etwas einwirken zu lassen. Am besten nutzt man dafür ein Handtuch, das man um den Kopf wickelt. Dies verhindert Flecken und durch die so entstehende Wärme verstärkt sich die Wirkung des Öls. Nach etwa einer halben Stunde gründlich Haare waschen.

Senföl: Verträglichkeit und Wechselwirkungen mit Medikamenten

Senfölstoffe sind natürlich gesund und die meisten Menschen vertragen sie sehr gut. Es kann aber auch Unverträglichkeiten und unerwünschte Reaktionen hervorrufen, zum Beispiel dann, wenn eine Allergie (oder eine Kreuzallergie) gegen die Pflanzenstoffe besteht. Dann sollte man gut abwägen und die Einnahme im Vorfeld mit dem Hausarzt besprechen. Ferner ist es ratsam, das Vorhaben zu besprechen, wenn Sie regelmäßig Medikamente einnehmen oder chronische Erkrankungen vorliegen. Auf dem Gebiet der Wechselwirkungen ist die Studienlage bisher sehr dünn, daher sollte man sich vorher absichern.

Auch Menschen, die an einem schwachen oder angegriffenen Magen leiden, sollten Vorsicht walten lassen, denn die scharfen Stoffe können den Magen reizen und so zu Beschwerden wie Sodbrennen führen, vor allem dann, wenn sie in großer Menge eingenommen werden. Wenn man also weiß, dass man einen empfindlichen Magen hat, sollte man vorsichtig mit der Einnahme beginnen und die Wirkung gut beobachten. Treten keine negativen Effekte auf, kann die Dosis gesteigert werden.

Vorsicht bei echtem Senföl!

In aus Senfsamen gewonnenem Öl findet sich ein Stoff, der umstritten ist und deshalb mit Vorsicht betrachtet werden sollte: die sogenannte Eruca-Säure. Diese Säure steht laut der European Food Safety Authority (EFSA) im Verdacht, das Risiko für Herzerkrankungen zu fördern. Allerdings besteht diese Gefahr erst bei hoch konzentrierter Eruca-Säure. Die heute gängigen Senfpflanzen enthalten dank spezieller Züchtung meist nur noch einen Bruchteil der Säure. Zudem sind in Europa und auch in den USA nur noch Senföle zugelassen, die weniger als 5 % der Eruca-Säure aufweisen. Bei einem normalen Konsum sind demnach keinerlei Nebenwirkungen zu befürchten.

Fazit: Pflanzenstoffe auf dem Vormarsch

Pflanzenstoffe wie Senföle unterstützen unseren Organismus in vielfältiger Weise, sie sind in der Regel gut verträglich und können in vielen Fällen eine Antibiotika-Einnahme unnötig machen. Die Forschung in diese Richtung bringt immer wieder neue Aspekte ans Licht, die uns dabei helfen können, ganzheitlicher und gesünder zu leben. Die Wiederentdeckung des alten Wissens unter Zuhilfenahme unserer heutigen Forschungsmöglichkeiten bietet ungeahnte und großartige Chancen im Kampf gegen viele Leiden unserer Zeit.

Von Natascha Neufuß