Cannabinol: Wie CBD gegen Schmerzen hilft

Cannabinol: Wie CBD gegen Schmerzen hilft

Seit knapp einem Jahr darf Cannabis in deutschen Apotheken verkauft werden. Die Gründe die für medizinisches Cannabis sprechen sind vielfältig. Besonders Menschen, die an schweren chronischen Krankheiten oder damit einhergehend an chronischen Schmerzen leiden, finden in der alten Heilpflanze oftmals Linderung. Immer neue Anwendungsgebiete werden erschlossen, das Potential der Pflanze ist gewaltig. Cannabis gilt als entzündungshemmend, schmerzlindernd und hat in Laborversuchen bereits noch viel mehr gezeigt; Cannabisinhaltsstoffe sind dazu befähigt, auf eine einzigartige Art und Weise in unserem Organismus zu agieren.

Von Natascha Neufuß

Die vergessene Heilpflanze

Die Cannabispflanze kann auf eine über tausendjährige Geschichte zurückblicken. In vielen alten Kulturen finden sich dokumentierte Hinweise auf die medizinische Verwendung. Im alten China beispielsweise, ebenso auch im alten Indien, in der Medizin des Ayurveda, ebenso auch im alten Ägypten, wie aus verschiedenen Papyri hervorgeht. Die Anwendungsgebiete waren breit und viele Teile der Pflanze wurden verwendet. Im alten Ägypten wurden beispielsweise Hanfsamen als Abführmittel verordnet, in Indien galt Cannabis als Stärkungsmittel und in der chinesischen Gesundheitslehre galt es als harmonisierend. Es heißt, dass Cannabis das Yin im Körper balanciert; auf Grund dessen wurde die Heilpflanze seit jeher in diesem Raum für viele Frauenkrankheiten eingesetzt.

Cannabis wurde auch in Europa bis ins 19. Jahrhundert als Heilmittel für eine Vielzahl von Beschwerden und Krankheitsbilder eingesetzt. Es gab die verschiedensten Darreichungsformen und kaum Einschränkungen im Rahmen der Benutzung; selbst für Kinder war Hustensaft aus Cannabisextrakten zugelassen. Cannabisextrakte wurden für eine Vielzahl von Erkrankungen angewendet, von Bronchitis bis Rheumatismus, über Cholera, die medizinische Verwendbarkeit deckte ein weites Gebiet ab. Besonders erfolgreich waren Extrakte gegen Schmerzen, hier verdrängte Cannabis sogar phasenweise das sonst gebräuchliche Opium.

Dies änderte sich erst in der ersten Mitte des 20. Jahrhunderts, als die chemische Herstellung von Pharmazeutischen Mitteln entstand. Es entstand der Gedanke alles müsse völlig erklärbar sein um zugelassen werden zu können. Dies war bei Cannabis schwierig, erst in den 1980 Jahren gelang es die Pflanze zu entschlüsseln. Es kam zur weltweiten Prohibition, Cannabis und seine Wirkstoffe verschwanden in die Illegalität. Nun tauchen sie wieder auf und erinnern uns daran, dass wir alles was unsere Gesundheit benötigt von der Natur gegeben ist.

Die Entdeckung des Endocannabinoidsystems

Die Entdeckung des Endocannabiniodsystems im Jahre 1987 veränderte das Bild, das die Allgemeinheit von Cannabis hatte enorm. Im Rahmen der Forschungsarbeiten zum Thema Cannabis wurde klar, dass externe Cannabinoide eine Wirkung auf den Organismus haben, die ohne Vorhandensein eines entsprechenden Systems nicht möglich oder erklärbar waren. Zu vielfältig und zu unterschiedlich waren die Resultate. Es zeigte sich, dass tatsächlich ein eigenes System im Menschen existiert, das mit Hilfe von Endocannabinoiden gesteuert wird. Es fanden sich entsprechende, körpereigene (endogene) Rezeptoren. Die bekanntesten sind der Cannabinoid-Rezeptor 1 (CB1) und der Cannabinoid-Rezeptor 2 (CB2). Der CB1 findet sich im zentralen Nervensystem und im Nervensystem des Darms. Der CB2 findet sich auf Zellen des menschlichen Abwehrsystems und auf Zellen, die den Knochenstoffwechsel regulieren. Diese beiden Rezeptoren sind Teil des sogenannten Endocannabinoid-Systems. Das Endocannabinoid-System dient der Regulierung von Körperabläufen. So hat es einen Einfluss auf die

  • Leistung des Immunsystems
  • die Schmerzwahrnehmung
  • die Entstehung von Ängsten
  • die Stimmungslage und
  • die Regulation von Appetit, Schlaf und Körpertemperatur

Eine große Entdeckung, die alle heute verfügbaren Erkenntnisse ermöglicht hat! Wenn Sie mehr zum Thema Endocannabinoidsystem erfahren möchten, finden Sie hier einen ausführlichen Artikel.

Die Eigenschaften von CBD

Während das Tetrahydrocannabinol, kurz THC, als Wirkstoff vor allem durch seine Illegalität von sich reden machte und daher schon etwas bekannter war, war Cannabidiol, kurz CBD, nach wie vor unbekannt. Wissenschaftliche Studien und viele Erfahrungsberichte lassen jedoch den Schluss zu, dass CBD der medizinisch wirksamere Bestandteil der Cannabispflanze ist. CBD wirkt schmerzlindernd, entkrampfend, entzündungshemmend und wirkt antioxidativ. CBD wirkt antibakteriell und dies sogar gegen resistente Keime mit hoher Antibiotikaresistenz, wie MRSA. Antibiotikaresistente Keime werden immer mehr zu einem Problem, zu dem es keine Lösung zu geben scheint. CBD könnte hier helfen, da es laut einer italienischen Forschungsgruppe, dazu in der Lage ist gegen diese Keime anzugehen. Die Forscher nannten ihre Ergebnisse vielversprechend. Weitere Forschungen folgen nun.

CBD verfügt über neuroprotektive Wirkweisen und kann bei Erkrankungen des Nervensystems, wie bei Epilepsie sowie auch bei chronischen Entzündungen des Nervensystems, sehr hilfreich sein. Ferner ist es schmerzlindernd, was es zu einer interessanten Option für Schmerzpatienten macht. CBD hemmt Übelkeit und ist demnach auch für Krebspatienten interessant die sich einer Chemotherapie unterziehen. Die CBD-Gabe verringert die unschönen Begleitsymptome der Therapie. CBD soll ebenfalls einen Effekt auf psychische Erkrankungen wie Schizophrenien, Angststörungen oder Psychosen haben. Sie sehen, das Feld das von diesem einzigartigem Stoff abgedeckt wird, ist riesig. Die wissenschaftliche Erforschung steht erst am Anfang!

So lindert CBD Schmerzen

Wie genau es zu den schmerzlinderndenden Effekten kommt, wird noch diskutiert. Bislang geht man davon aus, dass CBD den Organismus dazu anregt selbst Cannabinoide herzustellen. Diese Endocannabinoide besetzten dann die entsprechenden Rezeptoren und sorgen für den schmerzlinderndenden Effekt. Ferner ist aus einer Studie bekannt, dass CBD den Organismus darin hindert Anandamide abzubauen. Anandamide sind endogene Stoffe, die, wenn sie in ausreichender Menge vorhanden sind, Schmerzen lindern können.

CBD und seine Anwendungsgebiete

Wie eingangs erwähnt ist CBD vollkommen legal und verursacht keine psychoaktiven Wirkungen. Besonders hilfreich ist CBD in Form von CBD-Öl oder in Form von Extrakten. Wie Sie oben bereits gesehen haben, sind die Anwendungsgebiete von CBD sehr vielfältig, um ein besseres Verständnis für die Anwendung zu erlangen, hier einige Beispiele.

CBD bei Gelenkbeschwerden

CBD-Öl eignet sich hervorragend zur Behandlung von Gelenkbeschwerden. Immer mehr Menschen leiden unter einschränkenden und schmerzenden Problemen mit den Gelenken. Rheumatische Beschwerden und chronische Gelenkentzündungen, stellen eine der Hauptursachen für krankheitsbedingte Fehltage dar und die Tendenz ist weiter steigend. Man unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen der Arthritis und der Arthrose: Während die Rheumatoide Arthritis zu den Autoimmunerkrankungen zählt, da das Immunsystem hier die eigenen Gelenke angreift und so zu Entzündungen führt, handelt es sich bei der Arthrose um eine degenerative Erkrankung.

Letztere tritt demnach eher im fortgeschrittenen Alter auf und manifestiert sich überwiegend an Daumen-, Knie- oder Hüftgelenken. Schulmedizinisch wird in beiden Fällen in erster Linie die Schmerzmedikation sichergestellt, bei Arthritis wird zudem die Entzündung mit Hilfe von entsprechenden Medikamenten bekämpft um die betroffenen Knorpel zu entlasten. Oftmals kommen Korkoide zum Einsatz. CBD könnte hier hilfreich sein, bringt es doch alles mit, was es bedarf um die Situation für den Patienten wieder erträglicher zu machen. CBD-Öl bekämpft die Entzündung und ist in der Lage den Schmerz zu lindern. Nebenwirkungsfrei. Weitere Untersuchungen diesbezüglich sind von Nöten!

CBD-Öl bei multipler Sklerose

Auch bei der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose kann CBD-Extrakt helfen. Im Rahmen dieser Erkrankung kommt es im Verlauf zu einer Vielzahl von körperlichen Symptomen, wie Muskelkrämpfen, Tremor und damit einhergehend zu Bewegungseinschränkungen. Dies liegt vor allem an der Schädigung der Nerven, da der Körper gesunde Zellen angreift. Da vor allem die Muskelkrämpfe sehr starke Schmerzen verursachen können, liegt hier das Hauptaugenmerk. Bei diesen Krämpfen kann CBD helfen, da es entzündungshemmend wirkt, krampflösend und entspannend. In den USA, wo Cannabisprodukte schon etwas länger verfügbar sind, ist bekannt, dass CBD bei einer Vielzahl von chronischen Schmerzen, vor allem bei solchen, bei denen das Nervensystem betroffen ist, sehr hilfreich ist. Besonders groß ist der Effekt bei Spastiken, wie sie bei Multipler Sklerose auftreten. Hier kann CBD eine sehr gute Therapiemöglichkeit darstellen.

CBD-Öl während der Chemotherapie

Auch während einer Chemotherapie kann CBD dabei helfen, die unangenehmen Begleitsymptome zu lindern. Oral aufgenommenes CBD kann dabei helfen, Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit der Chemotherapie zu mindern. CBD sorgt dafür dass das Immunsystem strukturiert wird und sorgt zudem für einen ausgeglicheneren Geisteszustand, da es auch angstlösend und beruhigend wirkt. Ferner zeigte sich, dass Menschen die mit Cannabidiol behandelt wurden, klinisch betrachtet weniger Schmerzen aufwiesen.

CBD und seine Darreichungsformen

CBD wird im oben genannten Zusammenhang am ehesten als Öl angewandt. Es gibt hierbei verschieden starke Potenzen, etwa Öl mit 5% CBD-Anteil, oder auch welches mit 20-80% CBD-Anteil. Die hochdosierten Präparate sind leider recht teuer und werden von den Krankenkassen nur in wenigen Fällen übernommen. Leichter dosierte Präparate sind weniger teuer aber bringen natürlich weniger Potenz mit. CBD-Öl wird einfach auf die betroffenen Gelenke aufgebracht und entfaltet dort seine Wirkung. Es gibt auch zahlreiche andere Möglichkeiten: CBD kann man oral aufnehmen, man kann CBD-Tee trinken oder die getrockneten Blüten im Vaporizer verdampfen. CBD ist vollkommen legal, da es frei von THC ist. CBD-Öle sind im Internet recht einfach zu bekommen, wichtig ist allerdings in diesem Zusammenhang, die Qualität! Achten Sie, wie bei allen anderen Nahrungsergänzungsmitteln darauf, eine biologische Qualität zu erwerben!

Nebenwirkungen von CBD

In der Regel wird CBD sehr gut vertragen. Nebenwirkungen sind selten und wenn sie auftreten, so handelt es sich um harmlose Effekte wie zum Beispiel, Müdigkeit, Nervosität oder um Übelkeit oder Durchfall. Ferner kann sich auch das Essverhalten ändern, viele Anwender berichten von vermehrtem Appetit. Für Schwangere und kleine Kinder existieren derzeit leider keine seriösen Untersuchungen, weshalb von einem Gebrauch eher abgeraten wird. Zur Vorsicht.

Mögliche Wechselwirkungen von CBD beachten!

Was die Wechselwirkungen angeht, so kann man sagen, dass einige der Cannabinoide dazu in der Lage wären, Arzneimittel zu beeinflussen, also sie entweder abzuschwächen oder sie in ihrer Wirksamkeit zu stärken. Daher, sei es jedem angeraten der auf eine kontinuierliche Medikamentengabe angewiesen ist, in jedem Falle mit dem behandelndem Hausarzt zu sprechen um mögliche Risiken auszuräumen. Sprechen Sie in solchen Fällen unbedingt mit ihrem Arzt, er kennt die Arzneien die er Ihnen verordnet hat am besten. Wer chronische Krankheiten hat, sollte am besten einen fähigen Arzt ausfindig machen, der dabei hilft die korrekte CBD-Dosis und die entsprechend beste Art der Anwendung ausfindig zu machen.

Fazit!

CBD kann in vielerlei Hinsicht hilfreich sein: Es wirkt sich entzündungshemmend aus, bringt krampflösende Eigenschaften mit und kann dem Organismus in vielerlei Weise nützlich sein. CBD ist legal und wirkt nicht psychoaktiv. Die verschiedenen Darreichungsformen machen es zu einem vielfältig anwendbaren Medizinprodukt. Derzeit wird viel geforscht, was zur Folge hat, dass immer mehr neue Anwendungsgebiete erschlossen werden. Derzeit beziehen sich die Forschungen auf ein breites Feld, man darf gespannt sein! CBD ist ein natürlicher Stoff, der für viele Beschwerden eingesetzt werden kann und das fast frei von Nebenwirkungen.

Cannabis als Medizin auf Rezept (Basiswissen für Patient & Arzt) - Schmerzmittel keine Droge