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Altes Heilmittel neu entdeckt: Wie gesund ist Aktivkohle wirklich?

Altes Heilmittel neu entdeckt: Wie gesund ist Aktivkohle wirklich?

Die Wirkungen bei der Verwendung von Aktivkohle sind umstritten. Während etliche Mediziner und Wissenschaftler sich skeptisch über die gesundheitlichen Aspekte äußern, sind Ernährungsexperten anderer Meinung. Als Arzneimittel ist die Aktivkohle allerdings schon seit der Verwendung der alten Griechen und Ägyptern bekannt, in Hausapotheken wird es gerne für die Bekämpfung von Magen-Darm-Erkrankungen vorbehalten und die Kosmetikindustrie verwendet die sog. „medizinische Kohle“ für eine Vielzahl ihrer Produkte.

Zuordnung und Wirkungsgrade der Aktivkohle

Die einem porösen Schwamm ähnliche Aktivkohle zählt zur Gruppe der Kohlenstoffe. Da ihre Poren miteinander eine Verbindung eingehen, entsteht eine relativ große Oberfläche. Nur zwei Gramm Aktivkohle können umgerechnet mit der Größe eines Fußballfeldes verglichen werden. Eine herausragende Eigenschaft ist die Bindefähigkeit der Kohlestoffteilchen, die etwa Giftstoffe und Chemikalien über ihre Oberfläche binden können und somit wichtige Filtereigenschaften für sich nutzen. 

Wie wird Aktivkohle eigentlich gewonnen? Ausgangspunkt sind pflanzliche, tierische, mineralische sowie petrochemische Stoffe, die z. B. in Holz, Nussschalen, Braun- und Steinkohle oder in Kunststoffen enthalten sind. Alternativ lässt sich Aktivkohle aber auch aus Glucose oder anderen Zucker herstellen. Genutzt werden dazu die Verfahren der sog. Gasaktivierung oder der chemischen Aktivierung. Bei den Herstellungsverfahren kommen sog. Dehydratisierungsmittel zum Einsatz, etwa Zinkchlorid bzw. Phosphorsäure. Die Auslösungsverfahren setzen dabei extrem hohe Temperaturen von rund 500 bis zu 1.000 Grad Celsius voraus. Je nach anschließender Weiterverwendung wird die Aktivkohle noch mit Chemikalien behandelt, was zu einer Imprägnierung des Stoffes führt. 

Die positiven Filtereigenschaften der Aktivkohle

Bekannt ist der Einsatz von Aktivkohle in den Atemfiltern von Gasmasken. Durch die Verarbeitung von Metallsalzen entsteht dabei der gewünschte Filtereffekt für chemische Giftstoffe. Einen großen Wirkungsgrad erzielt die Aktivkohle auch bei der Trinkwasserfiltrierung, die durch beigefügtes Silber als besonders effektiv gilt. Mit ihrem biologischen Reaktivierungspotential wird Aktivkohle auch bei der Abwasserreinigung verwendet, mit ihr lassen sich aber auch Farb-, Geschmacks- oder Geruchsstoffe filtern, sie hilft bei der Reinigung von Chlor oder schädlichen Bakterien im Wasser.

Die positiven Stoffeigenschaften helfen zudem bei der Filtrierung von Giftstoffen aus der Luft, etwa in Schutzräumen oder bei der Abluft von Produktionsanlagen. Und auch ernährungstechnisch spielen sie eine Rolle bei der Filterung von unerwünschten Farbstoffen, wie sie in Wodka oder weißem Rum enthalten sind. Auch Bierbrauer nutzen Aktivkohle zur Entfernung von Fuselöl sowie Ester aus ihren Bieren. Weitere Einsatzmöglichkeiten betreffen etwa Benzindämpfe in der Abluft von Tankanlagen, chemischen Reinigungen, in der Zigarettenindustrie reduzieren sie schädliche Teerbestandteile und aus der Schuhindustrie sind die Wirkungen der Aktivkohle, beim Einsatz in aktivhaltigen Schuheinlagen, zur Minderung von Schweißgerüchen wichtig. 

Einsatz von Aktivkohle in der Medizin und in der Kosmetik

Apotheken oder Drogerien verkaufen Aktivkohle als Tabletten, Kapseln oder Pulver. Aus medizinischer Sicht hilft sie bei Magen-Darm-Erkrankungen, insbesondere beim Vorliegen einer Magen-Darm-Grippe. Der Einsatz erstreckt sich zudem bei der Diagnose einer Lebensmittelvergiftung oder bei als gering eingestuften Beschwerden, beispielsweise bei Durchfall oder Blähungen.

Aus der Kosmetikindustrie ist Aktivkohle bekannt als Aufheller für Zähne, sie sorgt auch zur Verbesserung von Zahnverfärbungen über Wein Tee sowie Kaffee. Die Verwendung ist allerdings umstritten, da es zur Abtragung der Schutzschicht bei Zähnen kommen kann. Außerdem wird die Zahnoberfläche rau, schädliche Stoffe können sich so schneller festsetzen, der Verfärbungsprozess beginnt wieder von vorne. Als Maske aufgetragen, verbessern die Anteile der Aktivkohle das Hautbild und beugt somit auch der Bildung von Mitessern vor. 

Wirkungen der Aktivkohle in der Ernährung bleiben umstritten

Stichwort: Detox-Kuren. Sie lassen Menschen erholt aussehen, tragen zum allgemeinen Wohlbefinden bei und helfen beim Abnehmen. Um diese Ziele zu erreichen, wird in vielen Mitteln, etwa Säfte oder Smoothies, Aktivkohle eingesetzt. Der Stoff soll helfen, den Körper zu entschlacken und Schadstoffe herauszufiltern. Womit die Aktivkohle auch hilft, die Detox-Ziele schneller zu erreichen. Doch die Mediziner rufen zur Vorsicht auf. Aus ihrer Sicht reichen entsprechende Studien nämlich nicht aus, die positiven Wirkungen der Aktivkohle zu bestätigen. Damit stehen sie in einer Reihe mit ihren wissenschaftlichen Kollegen. Zur Begründung führen sie aus, dass die Aufnahme von Aktivkohlenstoffen eine eher negative Wirkung aufweisen, da auch die im Körper eingelagerten Vitamine und Mineralstoffe gleichzeitig mit den Schadstoffen mitgebunden werden. Dies führe unter anderem dazu, dass sich die Wirkungen von Säften und Smoothies eher verringern und dadurch weniger positiv auf den Körper einwirken können.

Ihre zweite Argumentationskette betrifft einen anderen Aspekt der Aktivkohle. Sie kann nämlich grundsätzlich nicht entscheiden, was sie an Stoffen eigentlich filtert. Gefährlich könnte es sogar werden, wenn sich durch diese Tatsache etwa die Wirkung vom Schmerzmitteln reduziert oder diese sogar komplett neutralisiert. Gleichzeitig könnte auch der Effekt eintreten, dass die Aktivkohle dem Körper sogar noch wichtige Nährstoffe entzieht. Besonders schwangere Frauen oder stillende Mütter sollten daher auf die Zuführung von Ernährungsprodukten mit dem Zusatz von Aktivkohle verzichten.

Die grundsätzliche Frage bleibt: „Ist Aktivkohle gesund oder nicht?“

Aus medizinischer Sicht sind die grundlegenden Eigenschaften der Aktivkohle positiv zu bewerten. In Frage gestellt werden müssen die Wirkungen des schwarzen Stoffes jedoch beim Einsatz in Wasser, Eisprodukten, Säften & Co., die wohl eher der Beautyszene zuzurechnen sind. Vieles deutet darauf hin, dass die Wirkungsweisen der Aktivkohle eher negativ und in weiten Teilen kontraproduktiv sind. Zumal Studien auch die Anti-Aging-Wirkungen nicht bestätigen können. Das Thema Aktivkohle als Zusatzstoff in Ernährungsprodukten bleibt also umstritten.

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