10 km
Ärzte
Kinderärzte in den größten Städten
Kinderärzte in Bundesländern

Kinderärzte in Deutschland

Kinderärzte in Deutschland

Vorsorge für Kindern und Jugendliche: Von der U1 bis zur J2

Von Beginn an sorgen sich Eltern um die Gesundheit Ihres Kindes, ob schon während der Schwangerschaft, nach der Geburt und im weiteren Leben: das Wohl und eine gesunde Entwicklung der Kinder steht bei Eltern an erster Stelle. Damit Krankheiten oder Mangelerscheinungen bei Kindern festgestellt werden können, gibt es gesetzlich festgelegte Früherkennungsuntersuchungen für Säuglinge, Babys, Kleinkinder, Kinder und Jugendliche. Dieses Früherkennungsprogramm für Kinder und Jugendliche basiert auf elf ärztlichen Untersuchungen, die vorgeschrieben sind, und drei weiteren freiwilligen Untersuchungen. Dadurch können und sollen mögliche gesundheitliche Probleme oder Auffälligkeiten frühzeitig aufgedeckt werden. Aber wie sehen diese Untersuchungen aus? Wann müssen Sie mit Ihrem Kind den Kinder- und Jugendarzt aufsuchen? Und was für Konsequenzen haben versäumte Untersuchungstermine?

Kinder- und Jugendarzt: Ansprechpartner rund ums Kind

Viele Fragen schwirren in den Köpfen, besonders bei frisch gebackenen Eltern, aber auch noch Jahre nach der Geburt gibt es immer wieder Situationen, in denen Eltern auf ärztlichen Rat angewiesen sind. Denn besonders Kinder sind anfällig für Infekte und Krankheiten, weshalb bei einigen Gegebenheiten nur ein medizinischer Spezialist helfen kann. Vor allem im Kinder- und Grundschulalter lauern die Vieren und Bakterien an vielen Ecken, sodass das Wartezimmer eines Kinder- und Jugendarztes häufig gut gefüllt ist. Aber nicht nur bei akuten Erkrankungen ist der Kinderarzt für die entsprechende Diagnostik und Behandlung zuständig, auch Entwicklungsstörungen, Misshandlungen und chronische Krankheiten müssen beim Kinderarzt diagnostiziert werden.

Aber wie gewährleistet ein Kinderarzt diese rundum Betreuung? Wie kann ein Arzt Entwicklungsstörungen oder -verzögerungen feststellen?

Grundlage dafür ist ein einfaches, aber effektives System: die Frühsorgeuntersuchungen von Kindern und Jugendlichen. Eltern werden dazu aufgefordert ihre Kinder mit einem bestimmten Alter, vom Kinder- und Jugendarzt untersuchen zu lassen, dieser prüft mit entsprechenden Verfahren, Tests und Untersuchungen die Entwicklung und Gesundheit Ihrer Kinder. So können eine altersgemäße Entwicklung Ihres Kindes garantiert und Auffälligkeiten erkannt werden.

Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche zur Früherkennung

Seit 1991 existiert in Deutschland ein einheitliches Früherkennungsprogramm für Kinder. Durch elf ärztliche Untersuchungen, soll die Gesundheit und das Wohlergehen von Babys und Kinder gewährleistet werden. Diese Untersuchungstermine werden mit einem U abgekürzt und den Ziffern 1 bis 9 durchnummeriert. Anschließend folgen zwei Untersuchungen für Jugendliche, welche dementsprechend als J1 und J2 bezeichnet werden. Die U1 bis U9 sind gesetzlich vorgesehen und die Kosten der Untersuchung werden von Ihrer Krankenkasse übernommen. Erkundigen Sie sich bitte bei Ihrer Krankenkasse, ob sie auch die Arztkosten der U 10, U11 uns J2 erstatte. Die anderen drei Untersuchung sind freiwillig, jedoch sicherlich sinnvoll für Ihr Kind.

Da die Untersuchungen U1 bis U9 und die J1 gesetzlich festgeschrieben sind, sollten Sie als Eltern die Untersuchungszeiträume einhalten und Termine frühzeitig bei Ihrem Kinderarzt ausmachen. Denn nur so kann die Entwicklung Ihres Kindes mit den Durchschnittswerten verglichen und Entwicklungsverzögerungen erkannt werden. Denn die Untersuchungstermine sind in einem bestimmten Altersrahmen festgelegt, sodass der Kinderarzt wichtige Entwicklungsschritte des Kindes beurteilen kann, welche häufig im Zusammenhang mit nachfolgenden Entwicklung und Fähigkeiten stehen.

Trotzdem sollten Sie diese Untersuchungen nicht als Wettbewerb sehen und Ihr Kind mit den durchschnittlichen Werten vergleichen. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn die Ergebnisse Ihres Kindes mal nicht im Normbereich einzuordnen sind, eine Entwicklungsstörung und Erkrankung ist dafür nicht immer der Grund. Es handelt sich um Normwerte und zum Teil um eine größere Alterspanne bei den jeweiligen Untersuchungen, so muss Ihr Kind nicht immer alle Aufgaben und Tests mit Gravur meistern.

Beispiel:

Die U6 kann im 10. bis 12. Lebensmonat stattfinden, je nachdem, wann Sie die Untersuchung durchführen lassen, kann die Entwicklung Ihres Kindes unterschiedlich ausfallen. Daher kann Ihr Kind bei der U6 mit 10 Monaten vermutlich weniger, als ein Kleinkind mit 12 Monaten bei der U6.

Lassen Sie sich bei kleineren Abweichungen nicht verunsichern und sprechen Sie mit Ihrem Kinderarzt über die Relevanz dieser Ergebnisse.

Früherkennungsuntersuchung: Festhalten der Entwicklung im U-Heft

Besonders in den ersten Wochen und Monaten stehen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt auf der To-Do-Liste von Eltern, ab der U6 werden die Untersuchungsabstände immer größer. Sie sollten jedoch keine Untersuchung verpassen, denn Entwicklungsstörungen und Krankheiten müssen bei Kindern frühzeitig erkannt werden. Besonders vom Zeitpunkt der Geburt bis zum Alter von sechs Jahren sind die Untersuchungen in regelmäßigen und vorgeschriebenen Abständen wichtig.

Die Untersuchungen Ihres Kindes werden von den Kinderärzten dokumentiert und in dem gelben Untersuchungs-Heft (U-Heft), welches Sie nach der Geburt erhalten, festgehalten. Deshalb ist es wichtig, dass Sie als Eltern das U-Heft sorgfältig aufbewahren und bei jeder Vorsorgeuntersuchung dem Kinder- und Jugendarzt vorlegen, denn ohne das Heft kann die Entwicklung nicht verglichen, und Fortschritte oder Rückschritte erkannt werden.

Der Arzt kann den Gesundheitszustand und körperliche Begebenheiten, wie Größe und Gewicht, Ihres Kindes in Kurven eintragen, sodass Verzögerungen oder Auffälligkeiten im bestimmten Alter mit den Durchschnittswerten verglichen werden können. Zusätzlich kann der Kinderarzt in das U-Heft mögliche Empfehlungen und Fördermaßnahmen schreiben. Seit 2016 beinhaltet das U-Heft zusätzlich eine heraustrennbare Teilnahmekarte, sodass Sie diese bei Bedarf an Behörden, Kindergärten und Schulen vorlegen und die Untersuchungen belegen können.

Ab der U10 erhalten Sie ein grünes Heft, welches bis zu der J2 mitgeführt werden sollte, so garantieren Sie für Ihr Kind eine ausreichende Übersicht über den weiteren Entwicklungsverlauf und Gesundheitszustand. Diese Untersuchungen sind nicht verpflichtend, werden Ihnen aber sehr ans Herz gelegt und empfohlen.

Was passiert wenn Sie eine U-Untersuchung verpassen?

Aus diesem Grund haben Kinderärzte nicht nur in Deutschland eine Meldepflicht, wenn U-Untersuchungen nicht wahrgenommen werden. So werden Sie als Eltern abgemahnt, falls Sie eine Vorsorgeuntersuchung versäumen. Durch die Meldepflicht der Ärzte, erfahren die zentralen Stellen (Landesfamilienbüro) von Ihrem Fernbleiben der Untersuchung(en), sodass nach Ende des jeweiligen Untersuchungszeitraumes und zwei Monate vor Ablauf der Toleranzgrenzen, ein Erinnerungsschreiben an die Eltern verschickt wird. Reagieren Sie auf das Erinnerungsschreiben nicht, schaltet die zentrale Stelle das zuständige Gesundheitsamt ein, welches mit Ihnen zeitnah schriftlich Kontakt aufnehmen wird. Gibt es dann immer noch keine Rückmeldung von Ihnen darf das Jugend- und Gesundheitsamt einen angekündigten Hausbesuch durchführen.

Der Grund ist, dass die Vorsorgeuntersuchungen in Deutschland gesetzlich in der "Richtlinie über die Früherkennung von Krankheiten bei Kindern" (kurz: Kinder-Richtlinie) verankert sind und Kinder so nicht nur vor Störungen und Krankheiten geschützt sind, sondern auch vor Vernachlässigung und Misshandlung.

In einigen Bundesländern sind Eltern verpflichtet die Untersuchungen durchzuführen, so müssen Eltern in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg bei Anmeldungen Ihrer Kinder in Schule und Kita einen Nachweis erbringen, dass alle Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt wurden. In allen anderen Bundesländern sind die Untersuchungen nicht verpflichtend, jedoch erhalten Eltern eine schriftliche Einladung zur U-Untersuchung, wenn Sie diese nicht einhalten. Weitere Konsequenzen kann der Besuch vom Jugend- und Gesundheitsamt sein. Ob Pflicht oder nicht, hierbei steht das Wohl Ihres Kindes an erster Stelle, weshalb Sie mindestens die vorgeschriebenen Vorsorge-Untersuchungen einhalten sollten.

Vorsorge-Untersuchung: Zeitraum & Schwerpunkt der Untersuchung

Auch wenn Sie den Anschein haben, dass Ihr Kind gesund ist, sollten Sie keine der Untersuchungen U1 bis U9 verpassen, denn nur der Kinder- und Jugendarzt kann Entwicklungsstörungen und Krankheiten erkennen und gezielt fördern. Je früher Fehlentwicklungen oder Krankheiten erkannt werden, desto weniger schwerwiegend sind die Folgen. Denn Sie möchten bestimmt nur das Beste für Ihren Nachwuchs.

Aber ab wann müssen Sie Ihr Kind denn untersuchen lassen?

Es geht quasi direkt los, wenn Ihr Baby auf die Welt kommt, denn die erste Untersuchung durch Ärzte oder Hebamme findet direkt nach der Geburt statt.

Elf gesetzlich vorgesehene Baby- und Kinderuntersuchungen

U 1: Apgar Test, der Check nach der Geburt

Wann?: wenige Minuten nach der Geburt

Was wird untersucht?: alle lebensnotwendigen Funktionen des Körpers

Bei dieser ersten Untersuchung (Apgar-Test) des Kindes prüfen die Profis, Hebamme oder Arzt, ob Ihr Baby die Geburt gut überstanden hat, hierfür orientieren sich die Ärzte und Hebammen an dem sogenannten Apgar-Test, welcher ein Punktesystem ist und den Gesundheitszustand bestimmt. Umso mehr Punkte Ihr Baby erreicht, desto besser ist der Zustand.

Während der Untersuchung werden alle lebenswichtigen Funktionen beim Neugeborenen überprüft. Hierfür horchen Arzt oder Hebamme das Herz und die Lunge ab, kontrollieren die Atmung, Farbe und Durchblutung der Haut sowie die Muskelspannung und angeborene Reflexe. Ebenso wird das Neugeborene auf Fehlbildungen, Gelbsucht oder Schwellungen untersucht.

Zusätzlich steht im Vordergrund, ob Ihr Baby die volle Reife erreicht hat und somit eigenständig lebensfähig ist. Zu dieser Untersuchung gehören auch Routinemaßnahmen, wie das Wiegen und Messen der Körperlänge und des Kopfumfanges. Ebenfalls wird aus der Nabelschnur etwas Blut genommen und der Sauerstoffgehalt untersucht. Vitamin K-Tropfen sollen einer Blutgerinnungsstörung entgegen wirken und innere Blutungen verhindern.

U2: Ausführlicher Termin beim Kinderarzt für das Neugeborene

Wann?: 3. bis 10. Lebenstag (Toleranzgrenze: 3.-14. Lebenstag)

Was wird untersucht?: Blut, Gehör, Organe, Muskeln und Nerven

Diese Untersuchung findet bei der Entbindung im Krankenhaus kurz vor der Entlassung statt, wenn Sie nicht in einem Krankenhaus entbunden haben, sondern zu Hause oder in einem Geburtshaus, sollten Sie sich bitte rechtzeitig um einen U2-Termin beim Kinderarzt kümmern.

Falls noch nicht stattgefunden, findet die Fersenblutentnahme bei Ihrem Neugeborenen statt. Das Blut kann auf angeborene Stoffwechselstörungen oder Lungenerkrankungen hinweise geben. Die rechtzeitige Entdeckung dieser Krankheiten kann schwere Schädigungen der körperlichen und geistigen Entwicklung Ihres Kindes verhindern oder begrenzen. Da diese Untersuchung freiwillig ist, müssen Sie als Eltern in diese Untersuchung einwilligen, dennoch sollten Sie erkennen, wie wichtig die Fersenblutentnahme ist und an der Untersuchung teilnehmen.

Ebenfalls findet ein Neugeborenen-Hörtest statt, so können Hörfehler und Hörstörungen festgestellt werden. Ihr Kinderarzt wird Ihr Baby besonders nach Auffälligkeiten der Haut und den Sinnesorganen untersuchen, ebenfalls werden die Brust- und Bauchorgane, die Geschlechtsteile sowie Muskeln und Nerven genau begutachtet. Zusätzlich erhält Ihr Neugeborenes erneut Vitamin K- Tropfen und Sie können sich über diverse Themen, wie Ernährung, Entwicklung des Kindes und Risikovermeidung von plötzlichem Kindstod, erkundigen. Ihr Kinderarzt wird Sie sicherlich auch über die Zufuhr von Vitamin D und Fluorid informieren.

U3: Zeit für Fragen

Wann?: 4. bis 5. Lebenswoche (Toleranzgrenze: 3.- 8. Lebenswoche)

Was wird untersucht?: Reflexe, Beweglichkeit, Hüfte

In vielen Fällen handelt es sich um die erste Untersuchung in einer Kinderarztpraxis, da der größte Teil der Kinder in Krankenhäusern geboren wird und dementsprechend die ersten U-Untersuchungen dort stattfinden. Bei dieser Untersuchung steht die Entwicklung der Sinne im Vordergrund: Kann Ihr Baby Gegenstände mit den Augen fixieren und zeigt es Schreckreaktionen bei lauten Geräuschen?

Ebenso wird die Beweglichkeit der Beinchen in der Hüfte überprüft und ob das Neugeborene sein Köpfchen in Bauchlage kurz anheben kann. Bei Auffälligkeiten kann auch die Hüfte mit einem Ultraschall untersucht werden, um mögliche Fehlstellungen und Störungen rechtzeitig festzustellen.

Besteht der Verdacht auf Gelbsucht wird Ihrem Baby Blut abgenommen, um bei zu hohen Werten, entsprechende Behandlungsschritte einzuleiten. Auch bei dieser Untersuchungen steht Ihnen der Kinderarzt mit Rat rund um Ihr Baby zur Verfügung, mögliche Fragen könnten in Bezug zum Trink- und Schlafverhalten des Säuglings und zu Problemen bei der Verdauung gestellt werden.

U4: Die Motorik steht im Fokus: Kann der Säugling sein Köpfchen halten?

Wann?: 3. bis 4. Lebensmonat (Toleranzgrenze 2.- 4 ½. Lebensmonat)

Was wird untersucht?: Beweglichkeit, Reflexe, Motorik, Fontanelle

Bei dieser Untersuchung kann Ihr Kind die erste Schutzimpfung erhalten, jedoch liegt die Entscheidung in Ihren Händen. So könnten Sie Ihr Kind gegen Diphtherie, Tetanus, Hepatitis B, Kinderlähmung, Keuchhusten und Haemophilus Influenzae mit einer Kombinationsimpfung schützen. Aber auch die Motorik steht im Fokus der Untersuchung, so wird geschaut, ob das Baby in Bauchlage die Arme als Stütze einsetzt und den Kopf im gestützten Sitzen schon selbst halten kann. Auch die Kontrolle der Fontanelle sichert ein problemloses Wachstum des Schädels ab.

U 5: Greifen und die Welt ertasten

Wann?: 6. bis 7. Lebensmonat (Toleranzgrenze: 5.-8. Lebensmonat)

Was wird untersucht?: Hör- und Sehvermögen, Beweglichkeit, soziale Interaktion

Bei der U5 Vorsorgeuntersuchung wird der körperliche Entwicklungsstand Ihres Babys betrachtet, so steht die Beweglichkeit und Beherrschung des Körpers im Mittelpunkt: Kann Ihr Baby sich schon gut und selbstständig auf den Bauch drehen? Sich mit den Händen abstützen und nach Dingen greifen und diese weitergeben? Wie sieht es mit verbalen Äußerungen aus: Brabbelt Ihr Baby und gibt es verschiedene Laute und Geräusche von sich?

Auch das Fremdeln steht im Vordergrund, denn kann Ihr Baby Fremde von vertrauten Personen unterscheiden, spricht das für eine altersgemäße Entwicklung.

U 6: „Einjahresuntersuchung“

Wann?: (fast) 1 Jahr, 10. bis 12. Lebensmonat (Toleranzgrenze: 9.-14. Lebensmonat)

Was wird untersucht?: Beweglichkeit, Feinmotorik, Organe, Sprachvermögen

Mittlerweile ist Ihr Baby fast ein Jahr alt und hat einige neue Fähigkeiten erlernt, die es gilt zu untersuchen und festzustellen. So erkundigt sich der Kinderarzt danach, ob Ihr Kind sich am Schrank hochziehen kann oder sogar die erstem Schritte an der Hand oder an Möbeln entlang geht.

Einige Kinder führen diese Fähigkeiten direkt vor, sodass Ihr Kinderarzt den Vorführeffekt zur Beurteilung nutzen kann. Ebenfalls wird die Feinmotorik des Babys beobachtet, so wird zum Beispiel der Pinzettengriff geprüft (Krümelpicken) oder es werden gemeinsam erste Türmchen gebaut (Werden beide Hände benutzt?). Nach Absprache können auch weitere Impfungen vorgenommen werden, so etwa die ersten Impfungen gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken.

U 7: Sprache: Wie gut kann Ihr Kind sprechen?

Wann: (fast) 2 Jahre, 21 bis 24. Lebensmonat (Toleranzgrenze: 20.- 27. Lebensmonat)

Seit der letzten Früherkennung ist ein Jahr vergangen und Ihr Kind ist vermutlich schon sehr selbstständig. Der Kinderarzt wird prüfen, ob Ihr Kind eine altersgerechte Entwicklung nachweisen kann und sicher laufen, sich bücken und wieder aufrichten kann. Zusätzlich schaut der Arzt, wie weit Ihr Kind mit dem Treppensteigen ist und wie viel Unterstützung es dabei braucht. Schlüssel-Schloss- oder Steck-Spiele liefern die Entwicklung in der Feinmotorik. Während der U7 spielt auch das Sprachniveau Ihres Kindes eine wichtige Rolle, so prüft der Kinderarzt, ob Gegenstände benannt und Anweisung ausgeführt werden.

Der Wortschatz sollte in diesem Alter 20 bis 50 Wörter umfassen, dabei variiert die Sprachfähigkeit noch. Manche Kinder bilden Ein-Wort-Sätze, welche gestisch unterstützt werden und andere Kinder formulieren Vier-bis Sechs-Wort-Sätze.

U7a: „Ich bin schon drei!“

Wann?: (fast) 3 Jahre, 34. bis 36. Lebensmonat (Toleranzgrenze: 22.-38. Lebensmonat)

Was wird untersucht?: Sprache, Hör- und Sehvermögen, körperliche Auffälligkeiten

Diese Untersuchung wurde erst vor wenigen Jahren neu eingeführt, da es sich in diesem Alter um einen Zeitraum mit wichtigen Entwicklungen handelt. Ein weiterer Grund für die Einführung der U7a ist, dass viele Kinder spätestens jetzt in den Kindergarten kommen und somit der aktuelle Impfstatus und soziale Interaktion wichtig sind. Ebenfalls besteht durch die U7a nicht mehr eine so große Lücke zwischen den einzelnen Früherkennungsuntersuchungen, sodass auch Vernachlässigungs- oder gar Misshandlungsspuren frühzeitig erkannt werden. Deshalb wird sich der Kinderarzt Ihr Kind besonders gut anschauen und auf entsprechende Hinweise, so z.B. auffällige Flecken, ansprechen.

Gleichermaßen steht die Sprachentwicklung im Vordergrund, das Seh- und Hörverhalten und die körperliche Entwicklung inklusive Körpergröße, Gewicht, Zähne und Kiefer.

U 8: Selbständigkeit Ihres Kindes

Wann?: (fast) 4 Jahre, 46. bis 48. Lebensmonat (Toleranzgrenze: 43.- 50. Lebensmonat)

Was wird untersucht?: soziale Entwicklung, Sprache, Hör- und Sehvermögen, Organe

Auch bei diese Untersuchung steht das Hör- und Sehvermögen des Kindes im Vordergrund, aber auch Harnwegsinfektionen, Diabetis, Herzfehler, Schilddrüsen- und Nierenfunktionsstörungen sollten vom Kinderarzt ausgeschlossen werden. Ihr Kinderarzt wird sich auch für die soziale Entwicklung Ihres Kindes interessieren, wie es sich im Umgang mit seinen Mitmenschen anstellt und ob es sich auch alleine beschäftigen kann.

Zum Thema zwischen Arzt und Eltern werden Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen sowie die Feinmotorik des Kindes. Der Arzt fordert Ihr Kind auf, Knöpfe auf- und zuzuknöpfen, Formen zu benennen und einen Menschen zu malen. Auch der Gleichgewichtssinn wird überprüft, indem Ihr Kind sich auf ein Bein stellt.

U9: Ist Ihr Kind schulreif?

Wann?: 5 ¼ Jahre, 60. bis 64. Lebensmonat (Toleranzgrenze: 58.- 66. Lebensmonat)

Was wird untersucht?: Augen, Gehör, Körperhaltung, Gewicht, Sozialverhalten, Blut & Urin

Im Jahr vor der Schule wird der Gesundheitsstand Ihres Kindes erneut detailliert festgelegt, besonders für den Start ins Schulleben muss alles abgesichert sein. So stehen vor allem Sprache, Seh- und Hörvermögen sowie Impfung an der Tagesordnung. Nicht nur die körperliche Entwicklung steht im Vordergrund, sondern auch die emotionale und psychische Entwicklung. In einem gemeinsamen Gespräch wird die Schulreife Ihres Kindes beurteilt, bestehen Entwicklungsverzögerungen wird Sie Ihr Kinder- und Jugendarzt über therapeutische Maßnahmen und Möglichkeiten informieren, sodass Ihrem Kind der Schulstart leichter fällt.

J1: Wichtige Vorsorge für Jugendlichen

Wann?: 13 bis 14 Jahre (Toleranzgrenze: 13.- 15. Lebensjahr)

Was wird untersucht?: Entwicklung in der Pubertät,

Da sich der Körper Ihre Kindes kurz vor der Pubertät stark verändert, ist diese Untersuchung sehr sinnvoll. Der Arzt beschäftigt sich mit dem körperlichen und dem seelischen Zustand des Jugendlichen.

Mittlerweile ist Ihr Kind in einem Alter, in dem es zuverlässig selbst Angaben über seine Gesundheit machen kann und der Kinder- und Jugendarzt kennt Ihr Kind meistens von klein auf, weshalb ein Gespräch unter vier Augen ohne Elternteil möglich ist. So können Fragen über Sexualität, Verhütung, Rauchen und Drogen gestellt werden. Der Mediziner prüft Größe, Gewicht und Impfstatus des Jugendlichen und wird auch verschiedene Körperfunktionen sowie das Seh- und Hörvermögen testen. Die Entwicklung des Skeletts und körperliches Aussehen (Gewicht, Größe, Haltung), gibt dem Arzt Aufschluss über eventuelle Fehlhaltungen oder psychischen Störungen und Erkrankung wie z.B. Magersucht.

Zusätzliche und freiwillige Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche

U 10: Wie läuft es in der Schule?

Wann?: 7 bis 8 Jahre

Was wird untersucht/ angesprochen: allgemeine körperliche Untersuchung, Zahn- Mund- und Kieferanomalien, Schulleistungsstörungen, Beratungsgespräch zu sozialem Umfeld, Sport & Ernährung

Bei dieser freiwilligen Untersuchung, die nicht gesetzlich vorgesehen ist, stehen mögliche schulische Leistungsschwächen im Fokus des Arztbesuches. Nicht nur die Schulleistung, sondern auch Entwicklungs- und Verhaltensstörungen stehen im Vordergrund. So kann der Arzt prüfen, ob eventuell eine Lese-, Schreib- oder Rechenschwäche vorliegt, denn oft werden diese Schwächen ohne die U 10 gar nicht, oder zu spät, erkannt.

Außerdem prüft der Mediziner die motorische Entwicklung und erkundigt sich nach Verhaltensstörungen, wie z.B. ADHS. Ihr Kind wird zu wichtigen Gesundheitsthemen beraten. Diese Untersuchung sollten Sie in jedem Fall durchführen, vor allem, da sonst eine zu große Lücke zwischen der U9 mit knapp 5 Jahren und der J1 mit etwa 12 bis 14 Jahren besteht. Besonders durch die neue Tagesgestaltung und den Schulalltag scheint es sinnvoll, dass Ihr Kind einen medizinischen Ansprechpartner hat und einen Experten, der Schwächen und Probleme erkennt.

U 11: Bewegung, Ernährung und Medien

Wann?: 9 bis 10 Jahre,

Was wird untersucht/angesprochen:

Diese Untersuchung ist ebenfalls nicht vorgeschrieben, kann aber sehr wichtig für Ihr Kind sein, denn auch hier stehen mögliche Probleme in der Schule im Vordergrund. Leistungs- ,Sozialisations- und Verhaltensstörungen werden ins Blickfeld gerückt. Zudem findet ein Austausch und eine Klärung über Ernährung, Medienkonsum sowie Bewegung und Freizeitverhalten statt. Denn häufig kommt in diesem Alter ein schädigendes Medienverhalten vor, welches mit der Beratung über ausreichende Bewegung und Sport ausgeglichen, oder eingedämmt, werden soll.

Der Kinder- und Jugendarzt kann sich einen Eindruck verschaffen, wie Ihr Kind mit Konflikten und Stresssituationen umgeht, so zum Beispiel durch ein Rollenspiel oder ein intensives Gespräch. Zusätzlich sollten Sie bedenken, dass in diesem Alter die Pubertät langsam bevor steht, weshalb besonders die Untersuchung nach Entwicklungsstörungen ein wichtiger Punkt ist.

Die J2: Fast schon erwachsen

Wann?: 16 bis 17. Jahren

Was wird untersucht/ angesprochen: allgemeine körperliche Untersuchung, medizinische Risiken, Körperhaltung und Fitness, Entwicklung der Sexualität, Mediennutzung und Suchtmittel

Seit der letzten vorgeschriebenen Untersuchung sind drei bis vier Jahre vergangen, eine riesige Lücke, in der sich in der Entwicklung Ihres Kindes sicherlich viel getan hat. Deshalb sollten Sie diese freiwillige Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen und diese zumindest Ihrem Kind ans Herz legen.

Im Vordergrund dieser zusätzlichen Vorsorgeuntersuchung steht, dass vermeintliche Pubertäts- und Sexualitätsstörungen erkannt werden. Zusätzlich untersucht der Kinder- und Jugendarzt, ob eine Neigung zur Kropfbildung (Vergrößerung der Schilddrüse) besteht und ob Risiken für chronische Krankheiten wie z.B. Diabetes bestehen.

Ebenfalls wird Ihr Kind auf Allergien getestet, das kann sehr wichtig sein, wenn Ihr Kind etwa eine Ausbildung beginnen möchte und nicht jeder Beruf mit einer Allergie ausgeübt werden kann. Ebenfalls ist der Arzt Ansprechpartner für Ihr Kind, bei Fragen rund ums Teenagerleben- seien es Probleme im familiären, persönlichen oder schulischen Umfeld. Für diese Gespräche besteht, auch wenn Ihr Kind noch keine 18 Jahre ist, die ärztliche Schweigepflicht, weshalb Sie vermutlich nicht bei dem Gespräch dabei sein werden und von dem Arzt auch keine Auskunft erhalten. Die Schweigepflicht darf nur gebrochen werden, wenn Gefahr für das Leben Ihre Kindes besteht.

Informieren Sie sich bei Ihrem Kinder- und Jugendarzt oder Ihrer Krankenkasse, ob die zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen teilweise oder komplett erstattet werden. Und selbst wenn Sie die Kosten selbst tragen müssen, denken Sie daran: Ihr Kind bleibt Ihr Kind, egal welches Alter es hat.