Wer verletzt wird, steht vor einer schwierigen Aufgabe. Neben der Bewältigung des zugefügten Schmerzes, muss zur alten Lebenseinstellung zurückgefunden werden. Das ist oft nur möglich, wenn auch verziehen wird. Dieser Schritt wirkt oft heilend auf die psychische Gesundheit der Betroffenen.
Auch in Partnerschaften ist es schwierig, die Tugend des Verzeihens zu erlernen. Verletztes Vertrauen zerstört die meisten Beziehungen. Nur wer eine gefestigte Persönlichkeit ausgebildet hat, schafft es, grobe Fehltritte zu verzeihen.
Im beruflichen Bereich funktionieren die Abteilungen am besten, in denen einander schnell verziehen wird, denn das stärkt sowohl die eigene Position, als auch die der Gemeinschaft.
Die fehlende Kraft zu verzeihen belastet den Betroffenen dagegen langfristig. Wer in der Opferrolle feststeckt, gefährdet sogar seine Gesundheit, wenn er aus dem Grübeln über das ihm zugefügte Unrecht nicht mehr herauskommt. Trotzdem sollte aus dem Verzeihen kein Akt der Selbstaufgabe werden. Ein wachsames Auge muss abwägen, ob es Stärke oder Schwäche bedeutet, jemandem immer wieder zu verzeihen. Das könnte nämlich ein Hinweis auf respektloses Verhalten sein.