Brustkrebsvorsorge-Untersuchungen sind mittlerweile Routine. Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren sollen in Deutschland alle zwei Jahre an dem Mammografie-Screening teilnehmen. Auch in den USA ist man bisher ähnlich verfahren. Nicht ohne Grund, denn Brustkrebs ist bei Frauen im Alter von 40 bis 50 die häufigste Krebs-Neuerkrankung. 2003 starben laut statistischem Bundesamt 17.173 Frauen an dieser Krebsart, in vielen Fällen wohl auch, weil die Krebsgeschwüre zu spät entdeckt wurden. Daher erscheinen Brustkrebs-Screening zunächst durchaus sinnvoll.
Da die Screening-Maßnahmen ein erheblicher Kostenfaktor für ein Gesundheitssystem sind und deren Nutzen bisher nicht gesichert ist, sind die Vorsorgeuntersuchungen in letzter Zeit häufiger ins Blickfeld verschiedener Studien gerückt – mit interessanten Ergebnissen.
Im Gegensatz zu den in der Öffentlichkeit verbreiteten Zahlen, z.B. von der Deutschen Krebshilfe angeben, dass die Screenings bei Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren zu einer bis zu 30 Prozent verringerten Sterblichkeit führen würden, legen die repräsentativen Studienergebnisse, u.a. aus Dänemark und den USA, andere Zahlen offen. Ein Beispiel aus der dänischen Untersuchung: Wenn 2000 Frauen über zehn Jahre regelmäßig an den Vorsorgeuntersuchungen teilnehmen, stirbt anschließend eine Frau weniger an Brustkrebs - ein verschwindend geringer Effekt.
Stattdessen käme es zu einer erheblichen Anzahl an Fehlalarmen, sogenannten Falsch-Positiv-Befunden. Rund 200 der eben genannten 2000 Frauen erhalten eine dieser Fehldiagnosen, zehn von ihnen werden sogar auf Brustkrebs behandelt, obwohl sie gar nicht erkrankt sind. In anderen Fällen sind bösartige Tumore übersehen worden, Schätzungen zufolge ist dies bei gut einem Zehntel der bereits erkrankten Frauen der Fall. Selbst wenn ein Tumor entdeckt wird, muss eine Behandlung abgewogen werden. Insbesondere Frauen über 75 Jahren erfahren zu Lebzeiten durch die Brustkrebserkrankung oft keine körperliche Beeinträchtigung mehr, da sich die Geschwüre nur langsam entwickeln. Zu ähnlichen Ergebnisse kamen auch andere Studien.
Der Nutzen dieser Früherkennungsmaßnahme hält sich also in Grenzen. Insbesondere die erhebliche Anzahl an Fehldiagnosen führt nicht nur zu vermeidbaren Mehrkosten für das jeweilige Gesundheitssystem, sondern stellt für die betroffenen Frauen eine erhebliche psychische und im Fall einer möglicherweise nicht notwendigen Behandlung auch eine schwere körperliche Belastung dar.
In den USA hat die Behörde für Präventivmedizin bezüglich der Mammografie-Screenings nun eine neue Empfehlung ausgesprochen. Zumindest Frauen unter 50 Jahren sollten auf regelmäßige Teilnahme am Screening verzichten, danach sollten sich Frauen mit ihrem jeweiligen Arzt beraten, ob ein Screening für sie, z.B. aufgrund von Brustkrebsfällen in der Familie, sinnvoll ist. In Deutschland ist für die Zukunft ähnliches zu erwarten.