Die Zahlen für Fehltage aufgrund von Krankheiten sind in Deutschland weiter rückläufig. Annehmen, dass die Arbeitnehmer gesünder wären, sollte man jedoch nicht. Viel mehr würden viele trotz einer Krankschreibung auf der Arbeit erscheinen und selbst ernsthafte Erkrankungen ignorieren – aus Angst Ihren Job zu verlieren. Mediziner nennen dies Phänomen „Präsentismus“ – das Gegenteil zum „Absentismus“, das sogenannte „Krankfeiern“, das bisher von Arbeitgebern als viel größeres Problem angesehen wird.
Fehltage reduzieren – das ist in vielen Unternehmen das Ziel. Dass ein Krankenstand von null eine unrealistische Erwartung darstellt und keine normale Erscheinung ist, ist vielen dabei nicht bewusst.
Stattdessen verursachen kranke Mitarbeiter durch Leistungseinbußen viel mehr Kosten für die Unternehmen als Arbeitnehmer, die ihre Krankheiten zuhause auskurieren würden. Die finanziellen Ausfälle gehen dabei in die Millionen. Trotzdem werden Arbeitnehmer immer weiter unter Druck gesetzt, um ihre Fehltage entgegen ärztlicher Empfehlungen zu reduzieren.
Zu der Risikogruppe für den Präsentismus gehören aber auch Selbstständige mit viel Verantwortung für ihr Unternehmen und ihre Mitarbeiter, sowie hochmotivierte Mitarbeiter, die sich zu viel Arbeit auf einmal aufhalsen, so dass ihr Verhalten oftmals an Arbeitssucht grenzt.