Als Nebenwirkungen bezeichnen Verbraucher, Ärzte und Pharmazeuten die Wirkungen eines Medikaments, die neben dessen gewünschten Wirkungen zusätzlich auftreten. Die Mittel Viagra oder Aspirin zur Therapie bei Gerinnungsstörungen gehen auf die Entdeckung bestimmter Nebenwirkungen der Wirkstoffe Sildenafil und Acetylsalicylsäure zurück.
Diese zufälligen Entdeckungen wollen Pharmakonzerne in Zukunft gezielt hervorrufen. In speziellen Abteilungen werden bereits bestehende Wirkstoff- und Medikamentenlisten durchsucht und auf mögliche neue Wirkungen untersucht. Zur Erleichterung der Arbeit werden Computerprogramme eingesetzt, die bestehendes Wissen miteinander vergleichen und möglicherweise zu neuen Wirkungsweisen verknüpfen sollen. Das soll Gewinne in die Kassen der Konzerne spülen, denn die Pharmaindustrie lebt mehrheitlich von der Einführung neuer Medikamente.
Die Idee dahinter ist, dass in bereits zugelassenen Medikamenten unerforschte Wirkungen stecken. Dabei geht es um andere Dosierungen, Kombinationen mit anderen Wirkstoffen oder neue Einnahmeformen.
Da die Medikamente bereits millionenfach erprobt sind, sinkt das Risiko für viele Patienten. Außerdem wird das Zulassungsverfahren einfacher, denn oft müssen Prüfungen nicht wiederholt werden, wenn ein bereits zugelassener Wirkstoff in anderer Form oder Dosierung auf den Markt gebracht wird. Beispiele neuer Medikamente aus lange bekannten Wirkstoffen zeigen immer mehr den Erfolg dieser Vorgehensweise.