Die Annahme, dass es sich bei einem "Hypochonder" nicht um einen ernstzunehmenden Kranken handelt, ist weit verbreitet. Dabei handelt es sich dabei tatsächlich um eine in der Medizin anerkannte, ernst zu nehmende Krankheit, die in unterschiedlichen Ausprägungen auftreten kann. Die Symptome äußern sich in vielfältiger Art und Weise. Am häufigsten unter den Anzeichen ist die allgemeine Angst vor schweren Krankheiten (auch Nosophobie genannt), wie zum Beispiel Krebs oder Stoffwechselstörungen. Auslöser für solche Angstzustände können ganz alltägliche Situationen sein, in denen körperliche Schwächen direkt als Indiz für eine schwere Erkrankung gedeutet werden. So ist zum Beispiel die Tatsache, dass man nach einem langen Treppenanstieg völlig außer Atem ist, für den Betroffenen kein Anzeichen von mangelnder Fitness, sondern ein erster Hinweis auf Lungenkrebs.
Auslöser und Symptome
Häufig sind Menschen betroffen, die generell vorsichtige und ängstliche Verhaltensweisen an den Tag legen. Die Auslöser für die Krankheit können allerdings auch bereits in der frühen Kindheit liegen. Das Miterleben einer schweren Krankheitsgeschichte eines Familienmitglieds in Kindertagen kann einen Menschen dahingehend prägen, dass er sein Leben lang Angst vor solchen Krankheiten hat. Betroffene suchen regelrecht nach Indikatoren für eine mögliche schwere Erkrankung. Zum Teil sind sie so stark in ihrem alltäglichen Leben eingeschränkt, dass sie sogar arbeitsunfähig werden. Beim Arzt sind sie Stammgäste und wenn der nichts findet, kommt er schnell zu dem Schluss, dass der Patient an einer hypochondrischen, also psychischen, Störung und nicht an einer körperlichen Krankheit leidet.
Behandlung und Therapie
Diese Tatsache macht auch die Behandlung von hypochondrischen Störungen so schwierig. Zu aller erst muss der Patient davon überzeugt werden, dass er gar kein körperliches Leiden hat. Das kann nur durch gründliche Untersuchungen passieren. Selbst nach fundierten und begründeten Untersuchungsergebnissen fällt es dem Betroffenen noch schwer, an seine Gesundheit zu glauben. In Reaktion darauf sucht er häufig immer mehr Ärzte auf. Das sogenannte „Ärzte-Hopping“ dient ihm dazu, weitere Meinungen zu seinen Symptomen einzuholen. Angetrieben wird er dabei von seiner Grundüberzeugung, dass der Arzt irgendetwas übersehen haben muss.
Um die Behandlung der hypochondrischen Störung einzuleiten, ist es wichtig, diesem Verhalten vorzubeugen. Es ist besonders schwierig, dem Patienten zu verdeutlichen, dass er unter einer psychischen Störung leidet. In vielen Fällen wird diese Diagnose von den Betroffenen als Ausrede empfunden, weil der Arzt keine körperlichen Gründe für die angebrachten Beschwerden finden kann. Bei der Verkündung der Diagnose sollte der behandelnde Arzt also mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen.
Wenn der erste Erfolg der Behandlung mit der Akzeptanz der Diagnose durch den Patienten eingetreten ist, werden weitere Schritte notwendig, um die Krankheit endgültig zu heilen. An dieser Stelle können „normale“ Ärzte in der Regel keine weiteren Behandlungsschritte leisten und überweisen den Patienten an einen Psychiater, Psychologen oder Psychotherapeuten. Durch ihre fachliche Spezialisierung können sie oft bessere Hilfestellung leisten, denn als Auslöser einer hypochondrischen Störung werden häufig schmerzhafte Lebensereignisse wie zum Beispiel der Tod eines nahestehenden Menschen angesehen. Durch Gespräche in Einzelsitzungen oder Gruppentreffen können diese Erlebnisse aufgearbeitet werden. Eine weitere Möglichkeit, die Krankheit zu besiegen, ist die Teilnahme an einer kognitiven Verhaltenstherapie. Schon wenige Sitzungen können zu einer deutlichen Verbesserung führen.
Heilungschancen und Aussichten
Die Chancen einer vollständigen Heilung hängen ganz stark von dem Krankheitsauslöser ab. Während für Betroffene, die durch ein einschneidendes Erlebnis zum Hypochonder geworden sind, die Heilungschancen relativ gut stehen, sind die Heilungsaussichten für Menschen, die seit Jugendtagen an der Krankheit leiden, nicht ganz so gut. Grund hierfür ist, dass es nicht ein konkretes und damit therapierbares Erlebnis als Auslöser gibt.
Am Ende einer jeden Therapie ist es Ziel, dass der Betroffene lernt realistischer mit den Signalen des eigenen Körpers umzugehen. Aber auch das alltägliche Leben wird wieder anders gestaltet, denn durch die ständigen Angstzustände wird auch das soziale Umfeld stark belastet. Hier gilt es anzusetzen und wieder einen normalen Umgang mit seinen Mitmenschen herbeizuführen. Für den Start in ein neues Leben nach der Krankheit sind die sozialen Kontakte auch enorm wichtig. Familie und Freunde sind dafür da, die Betroffenen nach Rückschlägen aufzufangen und sie in ihrem Alltag abzulenken. Hierfür ist es wichtig, dass sie akzeptieren, dass es sich bei Hypochondrie um eine ärztlich anerkannte, ernsthafte Erkrankung handelt, denn nur so fühlt sich der Betroffene auch ernst genommen.