In Deutschland leben groben Schätzungen des Vegetarierbundes, kurz VEBU, zufolge rund sechs Millionen Vegetarier. Das macht etwa acht Prozent der Bevölkerung aus. Ähnliche Institutionen gehen von anderen Zahlen aus, manche weisen höhere Quoten auf, wie etwa die europäische Vegetarierunion mit rund neun Prozent oder die Initiatoren der europäischen Verzehrstudie, die nur einen Wert von 1,6 Prozent angibt. Auf den ersten Blick verwirren diese Zahlen doch etwas, da sie so widersprüchlich sind. Beschäftigt man sich jedoch genauer mit der Materie des Vegetarismus dann verwundert es doch nicht mehr sonderlich. Es gibt nämlich unzählige verschieden Arten von Vegetarismus, eine davon ist beispielsweise den Ovo-Lacto Vegetarismus: Bei dieser Variante wird auf Fleisch und Fisch sowie auf andere Erzeugnisse die aus Tieren gewonnen werden verzichtet. Milchprodukte und Eier sind aber erlaubt. Diese Form ist die häufigste. Andere verzichten zwar auf Fleisch und sonstige Erzeugnisse dieser Art essen aber trotzdem Fisch, und wieder andere essen überhaupt gar keine tierischen Produkte. Sie bezeichnen sich als Veganer und ernähren sich ausschließlich pflanzlich.
Immer neue Formen des Vegetarismus kommen auf. Ganz neu ist beispielsweise eine weitere Mischform in der nicht gänzlich auf Fleisch verzichtet wird, Flexitarismus genannt. Hier ist der Konsum von tierischen Produkten aber sehr gering und nicht alltäglich. Generell wird sehr auf die Qualität der Lebensmittel geachtet. In den letzten zwanzig Jahren ist die Zahl derer, die bewusst auf Fleisch verzichten deutlich gestiegen. So waren es im Jahr 1983 beispielsweise nur etwa 0,6 Prozent der Bevölkerung, die aktiv verzichten. Antrieb dessen war heute wie damals sehr häufig der Tierschutz. Dass die meisten Tiere unter unwürdigen Umständen ihr Dasein fristen und dann brutal getötet werden, um anschließend industriell als Massenware vertrieben zu werden war und ist vielen Menschen zuwider. Vegetariern und Nicht-Vegetariern gleichermaßen.
Ein anderer ausschlaggebender Punkt ist der Umweltschutz. Um nur ein Rind zu ernähren bis es reif zur Schlachtung ist, bedarf es Unmengen an Wasser. Für ein Kilo Fleisch sind es rund 20.000 (!) Liter Wasser. Im Vergleich dazu benötigt man lediglich 50 Liter Wasser um ein Kilo Weizen anzubauen. Demnach entspricht die Wassermenge für nur fünf Kilo Fleisch in etwa dem Jahresverbrauch eines Zwei-Personen-Haushaltes. Dazu kommen Unmengen an Exkrementen, rund 39.000 kg pro Sekunde, und riesige Flächen, die brandgerodet werden, um die Herden zu ernähren. Ein Großteil des global ausgestoßenen Methans wird in den Mägen von Schafen und Kühen gebildet, weil die Magenbakterien die gefressenen Pflanzenfasern zersetzten. Somit ist die Massentierhaltung auch ein großes Problem, was unsere Treibhausemissionen angeht. Zudem werden wertvolle Ressourcen verschwendet, da mit dem Getreide weltweit lieber gemästet wird, als dass es als pflanzliche Nahrung gegessen wird.
Generell leben Vegetarier gesünder, da sie viel mehr darauf achten, was sie essen. Auch die Mär von Vitamin- und Eisenmangel entbehrt längst jeglicher Grundlage, was letztlich auch unzählige Studien belegten. Und auch die Wissenschaft gibt den Vegetariern Recht, denn immer wieder finden sich neue Belege dafür, dass eine fleischarme Ernährung gesünder und empfehlenswerter ist als eine, die reich an tierischen Eiweißen ist. Unzählige Fleischskandale wie Gammelfleisch, BSE oder Vogelgrippe bewegen viele Menschen zur Abkehr vom Fleisch. Und auch der neuerliche Antibiotika-Skandal wird dem Lager der Vegetarier sicher neue Anhänger bescheren.
Auf Fleisch zu verzichten fällt anfangs nicht leicht, aber auf Dauer gesehen ist es sicherlich die beste und auch zukunftsfähigste Ernährungsform. Auch durch moderaten Genuss lässt sich schon einiges bewegen. Einen Versuch ist es ihrer und der Gesundheit unseres Planeten zuliebe sicherlich wert!
Natascha N., 26.03.2012