Eine Veröffentlichung in der renommierten medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" hat jetzt gezeigt, dass eine große Zahl von Wissenschaftlern, darunter auch Mediziner und Spezialisten im Bereich Sucht, die Risiken und Gesundheitsgefahren der ganz legalen Drogen Tabak und Alkohol sehr viel höher einstufen als beispielsweise die in vielen Ländern illegale Droge Cannabis (Haschisch, Marihuana). In der Studie wurde der Versuch unternommen, endlich zu einer wissenschaftlich fundierten Bewertung der Schädlichkeit von Drogen und Betäubungsmitteln zu kommen und dabei mit Vorurteilen und irrationalen Einschätzungen aufzuräumen.
Die Wissenschaftler unternahmen zunächst den Versuch, ein neues Bewertungsschema für die Einstufung der "Schädlichkeit" von Drogen zu entwerfen. Dabei unterschieden sie drei theoretische Dimensionen:
• Das Risiko körperlicher Schäden und Erkrankungen
• Das Risiko von Sucht und Abhängigkeit
• Soziale Gefahren: Hierbei werden Risiken eingeschlossen, die sich durch den Drogengebrauch auf soziale Kontakte und die Familie auswirken, aber auch finanzielle Belastungen, die sich für die gesundheitliche Versorgung und soziale Fürsorge Abhängiger ergeben.
IDie Forscher führten dan ein sog. "Delphi-Experiment" durch, eine Befragung von Experten, bei der in mehreren Stufen Einschätzungen zu wissenschaftlich ungeklärten Fragen durchgeführt werden. Die Teilnehmer bekommen dabei in jeder Stufe neue Informationen zur Fragestellung und können ihre vorherigen Aussagen aufgrund des neuen Informationsstandes korrigieren.
Konkret bedeutete dies, dass in einer Reihe von Gruppensitzungen mit jeweils 8-16 Experten, darunter Pharmakologen und Mediziner, Suchtexperten und Psychiater, insgesamt 20 verschiedene Drogen jeweils einzeln bewertet wurden. In allen Gruppensitzungen wurden neue Forschungsergebnisse zu den Drogen vorgestellt, die zugrunde liegenden Studien diskutiert und ein Meinungsbild erstellt. Abschließend gab dann, teilweise erst nach mehreren Sitzungen, jeder Teilnehmer eine Drogenbewertung innerhalb des neuen Bewertungsschemas ab.
Das Ergebnis war überraschend: Einige der im englischen Gesetz in der höchsten Schädlichkeitsklasse zu findenden Drogen (wie LSD und Ecstasy) wurden in der neuen wissenschaftlichen Bewertung eher in eine mittlere bis untere Risiko-Gruppe eingestuft. Und umgekehrt bekamen die im Gesetz überhaupt nicht berücksichtigten Drogen Alkohol und Tabak jetzt eine Einstufung im mittleren bis oberen Risikobereich. In der Skala der schädlichsten Drogen rangieren in der neuen wissenschaftlichen Bewertung Heroin, Kokain, Barbiturate an vorderster Stelle, dicht gefolgt von Alkohol, Amphetaminen und Tabak. Cannabis liegt erst auf Platz 11, LSD auf Platz 14 und Ecstasy auf Platz 18.
Weitere Informationen zur Studie: www.forum-gesundheitspolitik.de/dossier/index504.htm